# taz.de -- Abgeordnete Gennburg zu Linken-Vorsitz: „Es gibt schon länger Kritik an der Parteispitze“
> Nach Jan van Akens Ankündigung, sich zurückzuziehen, fordert die
> langjährige Linke-Politikerin Katalin Gennburg ein neues Spitzenduo.
> Warum?
(IMG) Bild: Das bisherige Linken-Führungsquartett: Heidi Reichinnek, Sören Pellmann, Ines Schwerdtner und Jan van Aken (v. l.) beim Parteitag 2025
taz: Frau Gennburg, Jan van Aken hat verkündet, zum Parteitag im Juni den
Parteivorsitz aufgeben zu wollen. Der stellvertretende Fraktionschef Luigi
Pantisano hat seinen Hut in den Ring geworfen. Wie finden Sie das?
Katalin Gennburg: Erst mal war ich überrascht und wünsche [1][Jan natürlich
alles Gute.] Luigi und ich kennen uns schon lange, und ich möchte mich
nicht beschweren, aber das ist kein Votum. Was ich mir sofort gedacht habe,
war: Jan und Ines [Schwerdtner, die Co-Vorsitzende; d. Red.] haben als Duo
kandidiert, jetzt ist ein neues Team möglich.
taz: Sie haben im Freitag eine [2][komplette Neubesetzung des
Parteivorsitzes] gefordert. Was spricht denn gegen Ines Schwerdtner, sie
hat die Partei doch bei der letzten Bundestagswahl zu einem Rekordergebnis
von 8,8 Prozent geführt?
Gennburg: Es gibt schon seit Längerem Kritik. Der müssen wir Raum geben.
Ich finde es falsch, sich nur noch mit einem einzigen Thema – also
Mietenpolitik – zu befassen. Und ich sage das als die Person, die selbst
sehr viel zu Mieten arbeitet. Aber durch diesen übertriebenen Fokus fallen
viele andere wichtige Bereiche hinten runter: Klima, Antifa, Demokratie,
Krieg, Frieden, Feminismus. Das sorgt für viel Unmut. Wir sind doch eine
Partei und keine Kampagnenmaschine! Wir haben nicht umsonst jahrelang daran
gearbeitet, eine umfassende sozialistische Utopie präsentieren zu können.
taz: Die Linke wäre nicht links, wenn es keine Kritik an der Führung gäbe.
Was stört Sie noch?
Gennburg: Den Umbau der Linken zu einer KPÖ 2.0 lehne ich ganz klar ab.
Einen Teil dessen, was typisch für die Kommunistische Partei Österreichs
ist, finde ich ja super: Sozialsprechstunden, Mietenberatungen und
Haustürwahlkämpfe, die ich als eine der Ersten hier in Berlin aufgebaut
habe. Aber das darf keine reine Kampagnenpolitik sein, sondern muss in die
Basisarbeit der Partei integriert werden, und das ist die eigentliche
Kunst. Zurzeit wird die innerparteiliche Demokratie leider sehr
vernachlässigt. Und das sage ich als Ostdeutsche, die sich in der PDS
kritisch mit Stalinismus auseinandergesetzt hat, also in einer Partei, die
diesen nachweislich überwinden wollte. Als moderne sozialistische Partei
muss die Linke pluralistisch und offen sein. Dazu gehört auch mein dritter
Kritikpunkt: Nach den [3][massenhaften Neueintritten] in den letzten zwei
Jahren hat es leider sehr geholpert beim Onboarding einerseits und der
Wertschätzung der organisatorischen Grundpfeiler andererseits.
taz: Möchten Sie selbst neue Vorsitzende werden?
Gennburg: Es geht hier nicht um mich. Ich möchte den Moment nutzen, eine
Diskussion über die Ausrichtung unserer Parteispitze anzustoßen.
taz: Wer wäre ein gutes neues Führungsduo?
Gennburg: Das ist für mich nicht die Frage. Ich finde es wichtig, eine gute
Mischung hinzubekommen, die die Partei in Gänze – also auch in ihrer
Tradition und Geschichte – gut abbildet.
taz: Wie wär’s mit einer weiblichen Doppelspitze?
Gennburg: Davon bin ich grundsätzlich ein großer Fan.
taz: Gibt es in der Linken aktuell mehr geeignete Frauen oder mehr
geeignete Männer?
Gennburg: Ach, ich glaube, das hält sich die Waage. Es gibt eigentlich nie
mehr geeignete Männer.
16 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotte Laloire
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