# taz.de -- Pro-Palästina-Aktionswoche in Hamburg: Protestcamp darf nicht auf die Moorweide
> Hamburg untersagt das pro-palästinensische „Bridges of Resistance“-Camp
> am geplanten Ort. Es verletze die Würde des Gedenkortes für
> NS-Deportierte.
(IMG) Bild: Durfte vor zwei Jahren fünf Monate lang auf der Moorweide stehen: Pro-palästinensische Mahnwache
Das Datum ist symbolisch und die Wahl des Ortes eine bewusste Provokation:
Vom 9. bis zum 16. Mai, rund um den 78. Jahrestag der israelischen
Staatsgründung und der damit verbundenen Flucht und Vertreibung vieler
Palästinenser:innen – [1][der Nakba („Katastrophe“)], – wollte das
Bündnis „Stop Nakba Now“ eine Aktionswoche mit dem Motto „Bridges of
Resistance“ auf der Hamburger Moorweide veranstalten.
Doch daraus wird am geplanten Ort nichts: Die Versammlungsbehörde hat das
Camp kurzfristig „unter Berücksichtigung des besonderen historischen
örtlichen Kontextes“ untersagt, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch
mitteilte. Die Zelte müssen stattdessen im Sternschanzenpark aufgeschlagen
werden. Die Versammlungsbehörde führe mit den Anmelder:innen
Kooperationsgespräche.
Die Moorweide gegenüber des Dammtor-Bahnhofs ist kein gewöhnlicher Park.
Von dort wurden zwischen 1941 und 1945 knapp 6.000 Hamburger Jüdinnen und
Juden sowie zahlreiche Sinti und Roma in Ghettos und die
nationalsozialistischen Vernichtungslager deportiert.
Dort nahm die systematische Auslöschung jüdischen Lebens in Hamburg ihren
bürokratischen und logistischen Anfang. Zur Erinnerung an die Opfer des
NS-Regimes heißt der ehemalige Nordwestzipfel der Moorweide heute „Platz
der Jüdischen Deportierten“. Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer.
„Dass ausgerechnet an diesem Ort ein Protestcamp solcher Gruppen errichtet
werden soll, ist nicht hinnehmbar“, heißt es [2][in einem offenen Brief von
der Jüdischen Gemeinde an die Bürgerschaft vom Dienstag]. Es werde von
Gruppierungen organisiert, „die nachweislich antisemitische Positionen
vertreten“. Das Camp sei „eine zynische Verhöhnung der Opfer der Schoa“.
Die Gemeinde forderte, das Aktionscamp zu untersagen und an einen anderen,
„zumutbaren“ Ort zu verlegen. „Darüber hinaus sollte geprüft werden, die
gesamte Moorweide dauerhaft als geschützten Gedenkort anzuerkennen und
politische Kundgebungen dort künftig generell auszuschließen“, schreibt die
Gemeinde. „Wir fordern von der Hamburger Politik eine klare Distanzierung
von diesem Camp sowie ein Ende des offenen Hasses gegen Israel und Juden
auf Hamburger Straßen.“
Auch die FDP kritisierte am Mittwoch, die geplante Aktionswoche sei kein
legitimer Protest, sondern ein „Terrorverherrlichungscamp“. „Ein erneutes
Camp auf der Moorweide, welches von Gruppierungen organisiert wird, die
nachweislich antisemitische Positionen vertreten, ist indiskutabel und darf
nicht genehmigt werden“, sagte deren Landesvorsitzender Finn Ole Ritter.
## Bündnis will „Komplizenschaft“ Hamburgs thematisieren
Bei dem Camp auf der Moorweide waren mehr als 40 Veranstaltungen geplant.
Unterstützt von Organisationen wie der „Internationalen Ärzt:innen für
die Verhütung des Atomkrieges“ und Stimmen wie der Journalistin Alena
Jabarine sowie der Aktivistin Hebh Jamal, sollte „das Gedenken an die
Vertreibung der Palästinenser*innen mit aktuellen Debatten über
deutsche Rüstungsexporte, Militarisierung und den Abbau des Sozialstaats“
verknüpft werden, so die Organisator*innen.
Man wolle die „Komplizenschaft“ Hamburgs, etwa durch Waffenexporte über den
Hafen, thematisieren, schreibt das Bündnis, hinter dem neben der Gruppe
Eye4Palestine und der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der
Linken maßgeblich auch die Gruppe Thawra steckt, die der Verfassungsschutz
seit 2025 als „gesichert extremistisch“ beobachtet.
Im März vergangenen Jahres hatte die Gruppe einen Antrag gegen die
Beobachtung zurückgezogen. Das Verwaltungsgericht hatte zuvor Anhaltspunkte
für „Bestrebungen gegen den Gedanken der Völkerverständigung“ gesehen, auch
weil Thawra militärische Aktionen von Hamas und Hisbollah gegen Israel
befürworte.
Es ist nicht das erste Mal, dass Zelte auf der Moorweide zum Politikum
werden. [3][Auch ab Mai 2024 campierten Aktivist:innen dort
monatelang].
Das Camp wurde trotz scharfer Kritik [4][aus der Opposition und von
jüdischen Verbänden] erst im September geräumt. Die Stadt ließ das Camp
gewähren – bis [5][nach einem Polizeieinsatz die Stimmung kippte].
Organisiert hatte auch dieses Camp maßgeblich die Gruppe Thawra.
Aktualisierung:
Einem am 7. Mai nach Redaktionsschluss bekannt gewordenen Eilbeschluss des
Verwaltungsgerichts zufolge darf das Protestcamp doch auf der Moorweide
stattfinden: Aus dem Grundrecht der Versammlungsfreiheit folge das „Recht
des Veranstalters, selbst über Ort, Zeitpunkt, Art und Inhalt der
Versammlung zu bestimmen“, stellte das Gericht fest.
Bei ihrer Verfügung, das Camp in den Schanzenpark zu verlegen, habe die
Stadt nicht ausgeführt, was sie konkrekt von der Versammlung befürchte und
was die angenommenen Gefahren mit der Moorweide als Ort zu tun hätten.
Die Argumentation, dass es dort zu Konflikten mit „Meinungsgegnern“ – also
etwa der Pro-Israel-Fraktion – kommen könnte, sei nicht tragfähig. „ Es
entspricht der gefestigten Rechtsprechung, dass eine friedliche Versammlung
grundsätzlich nicht aus Gründen verboten oder beschränkt werden darf, die
in der erwarteten Reaktion ‚Andrsdenkender‘ liegen“, urteilte das Gericht.
Dass Straftaten aus der Versammlung heraus zu befürchten seien, habe die
Stadt nicht hinreichend belegt. Diesen wäre zudem nicht durch eine
Verlegung sondern durch inhaltliche Auflagen wie das Verbot bestimmter
Parolen und Symbole zu begegnen.
Überdies könnten „Versammlungen auch an einem Ort mit besonderem
Symbolgehalt nicht generell verboten werden“. Die Veranstaltung müsse sich
schon eindeutig dagegen richten und dadurch „das sittliche Empfinden der
Bürger“ erheblich beeinträchtigen.
7 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Das-palaestinensische-Fluechtlingsproblem/!6101654
(DIR) [2] https://www.facebook.com/stefan.hensel.125
(DIR) [3] /Propalaestinensische-Gruppen-in-Hamburg/!6006138
(DIR) [4] /Antisemitismus-in-Hamburg/!6009594
(DIR) [5] https://hamburg.t-online.de/region/hamburg/id_100467038/polizistin-verletzt-aus-fuer-hamburger-palaestina-camp-gefordert.html
## AUTOREN
(DIR) Robert Matthies
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