# taz.de -- Alternative zu großen Tech-Konzernen: Unsere allzu gemütliche Abhängigkeit
> Ob Apple oder Insta – wir nutzen die großen Plattformen, weil es angenehm
> ist. Doch demokratische Alternativen wie Mastodon sollten uns den
> Mehraufwand wert sein.
(IMG) Bild: EIn Gigant, aber nicht in der Tech-Branche: das Mastodon, Maskottchen der gleichnamigen Plattform
„Mastodon muss noch ein ganzes Stück geiler gemacht werden, damit es
irgendwie attraktiv ist“, sagt Lukas Ondreka Anfang April im Gespräch mit
Tech-Kritikerin Aya Jaff [1][im Dissens Podcast]. Vor allem für ihn, als
„digitalen Noob“, sei das dezentrale soziale Netzwerk viel zu kompliziert.
Damit ist er anscheinend nicht allein. Denn obwohl viele abgeschreckt von
Elon Musk nach Alternativen zu dessen Nachrichtendienst X suchen, bleibt
Mastodon eine Randerscheinung – trotz des putzigen Rüsseltiers im Logo.
Europa will unabhängig werden. Nicht nur von russischem Gas, sondern auch
von amerikanischen Tech-Unternehmen. Trotzdem greifen die meisten bei
Cloud-Services, Chatbots und Social Media noch immer zu privaten
US-Kreationen. So bevorzugt auch Moderator Ondreka, wie so viele, die
ebenfalls amerikanische X-Alternative Bluesky.
Nun kann man niemanden zu seinem Glück zwingen. Dabei wäre Mastodon als
führendes soziales Netzwerk eine kleine Revolution. Die
Open-Source-Software wurde zwar von einer gemeinnützigen GmbH entwickelt,
doch das Netzwerk läuft auf vielen unabhängigen Servern und ist damit –
zumindest größtenteils – ein Gemeingut. An das man sich technisch
zugegebenermaßen erst mal gewöhnen muss.
Man könnte meinen, ein bisschen Reinfuchsen wäre eigentlich nicht zu viel
verlangt, wenn wir dafür das Internet demokratisieren und den wichtigsten
Informationskanal unserer Zeit vergesellschaften, zugunsten der viel
beschworenen europäischen Diversifizierung. Ein soziales Medium nicht nur
in öffentlichem Besitz, sondern – ganz im sozialistischen Geiste – in den
Händen seiner Nutzer:innen.
## Wir haben eine Mitverantwortung
Doch so läuft es leider nicht. Denn wir Menschen sind bequem. Wir wollen
uns mit unserer Apple ID anmelden und los geht’s. Die Abhängigkeit, in die
wir uns damit begeben, nehmen wir im Austausch für den reibungslosen Ablauf
in Kauf. Und überhaupt: Große Nachteile hatten wir bisher noch nicht
dadurch, dass Meta fröhlich unsere Daten verscherbelt … oder?
Mit dem wachsenden Einfluss von Musk, Thiel und Zuckerberg trägt jeder eine
Mitverantwortung, diesen Demokratiefeinden nicht noch mehr Macht zu
verschaffen. Aber leider ist gegen Giganten nur schwer anzukommen. Und
vorausgesetzt ist auch erst mal, dass ich vernünftigerweise erkannt habe,
dass ich gerade aus Bequemlichkeit unser aller Haut zum digitalen Markt
trage. Das kann man wohl nicht von jedem verlangen.
Daher ist der Staat gefragt. Der muss föderal organisierte Netzwerke
fördern und Monopolisten zerschlagen. Kritische Infrastruktur – und dazu
gehört Social Media heute – darf nicht im Besitz von Despoten am anderen
Ende der Welt sein. Man würde auch nicht die Deutsche Bahn an Xi Jinping
verkaufen. Hoffentlich.
Ende der Woche will das schwedische Start-up „W Social AD“ mit seinem
[2][gleichnamigen Nachrichtendienst] an den Start gehen. Ein europäisches
soziales Netzwerk, finanziert von europäischen Investor:innen, gehostet auf
europäischen Servern. Klingt super. Doch auch W Social ist – obwohl es das
offene AT Protocol nutzt, das auch Bluesky verwendet – leider in
Privatbesitz.
Es bleibt zu hoffen, dass sich weiterhin findige EU-Abgeordnete hinsetzen
und überlegen, wie digitale Souveränität wirklich geht und was sie
attraktiv machen könnte. Und bestenfalls scheitert es dort, anders als bei
Lukas Ondreka – und auch mir selbst –, mal nicht am inneren Schweinehund.
5 May 2026
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(DIR) [1] https://podcast.dissenspodcast.de/329-tech
(DIR) [2] https://wsocial.eu/public/signup
## AUTOREN
(DIR) Fabian Schroer
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