# taz.de -- Google und alternative App-Stores: Google macht dicht
> Der Android-Hersteller will es erschweren, Apps aus alternativen Quellen
> zu installieren. Das soll schützen, kann aber auch die Alternativen
> abwürgen.
(IMG) Bild: Eine neue App soll intalliert werden? Dann warten Sie jetzt bitte 24 Stunden
Diverse Klicks, eine Wartezeit von 24 Stunden und einiges an
IT-Selbstsicherheit. All das wird ab dem kommenden Jahr nötig sein, um auf
einem Android-Smartphone Apps zu installieren, deren Entwickler:innen
sich nicht bei Google registrieren wollen. Als „essenzielle Bedrohung“ für
alternative App-Stores bezeichnet Neil Brown von [1][der
Open-Source-Plattform F-Droid] die Pläne.
Android, entwickelt vom IT-Konzern Google, ist weltweit das am weitesten
verbreitete Betriebssystem für Smartphones. Es läuft auf rund zwei Drittel
der Geräte. Bislang gilt Android, vor allem im Vergleich zu Apples iOS, als
offenes System. Nutzer:innen können Apps nicht nur über Googles
Playstore herunterladen, sondern auch über alternative App-Stores.
Für Open-Source-Apps, bei denen also der Programmcode offen liegt, hat sich
F-Droid etabliert. Nutzer:innen haben hier zwar längst nicht so eine
große Auswahl wie bei Google. Doch die Apps sind quelloffen und es gibt
viele nicht kommerzielle Alternativen auch für Standard-Anwendungen wie
Kalender, Browser oder Kontaktverwaltung. Wer sich hier reinfuchst, kann
das Smartphone weitgehend ohne Google-Dienste betreiben. Das Herunterladen
der Apps ist kostenlos, manche Entwickler:innen ermöglichen Spenden, um
ihre Projekte zu unterstützen.
Darüber hinaus gibt es weitere Wege. Manche Behörden, NGOs und Firmen
zwingen die Nutzer:innen nicht in Googles Playstore, sondern bieten ihre
Apps zusätzlich direkt bei sich auf der Website als Download an. Bislang
setzt Android für die Nutzung alternativer Quellen lediglich eine kleine
Hürde. Im Betriebssystem muss man nur bestätigen, die Installation aus
einer unbekannten Quelle zulassen zu wollen.
## Google will Hürden erhöhen
Doch diese Hürde will Google nun deutlich erhöhen – und ebenfalls die
Hürden für Entwickler:innen. Für diese gilt [2][laut einer Mitteilung] von
Google: Sie müssen gegenüber dem Konzern persönliche Daten wie Namen,
Anschrift und Telefonnummer nennen und „möglicherweise“ ein Ausweisdokument
hochladen. Außerdem müssen sie eine Gebühr von 25 US-Dollar zahlen.
Für Firmen und Personen, die ihre Apps über Googles Playstore vertreiben,
ändert sich wenig. Sie müssen sich heute schon gegenüber Google
identifizieren. Betreffen dürften die neuen Regeln vor allem
Entwickler:innen, die ihre Anwendungen über alternative Plattformen
bereitstellen. Die Regeln sollen dem Konzern zufolge ab September in
Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand gelten, ab dem kommenden Jahr
dann weltweit.
Sich gegenüber Google zu identifizieren, kann dabei durchaus ein Risiko
sein. Das gilt weniger für Entwickler:innen für Wetter- oder
Spiele-Apps als für solche, die ins Visier von nationalen
Strafverfolgungsbehörden geraten können.
Ein Beispiel aus den USA: Als dort vor einigen Monaten [3][die
Einwanderungsbehörde ICE mit ihren Razzien startete, kamen schnell Apps auf
den Markt], mit denen Bürger:innen die Einsätze melden und davor warnen
konnten. Die persönlichen Daten der Entwickler:innen wären für die
dortigen Strafverfolgungsbehörden sicher sehr interessant. Dazu kommt, dass
die Apps sehr schnell wieder aus den [4][App-Stores von Apple und Google
verschwanden]. Hier zeigt sich, warum alternative Download-Plattformen so
wichtig sein können.
## Installation wird kompliziert
Eine App von eine:r nicht registrierten Entwickler:in zu installieren,
wird dann bald richtig kompliziert. Die F-Droid-Community rechnet vor, dass
statt einem Schritt künftig neun Schritte nötig sein sollen, darunter die
Aktivierung der Entwickleroptionen, eindringliche Hinweise auf
Sicherheitsrisiken, die PIN-Eingabe, ein Neustart des Geräts und eine
24-stündige Wartezeit. Das dürfte viele Menschen abschrecken. „Googles
Bestreben nach Kontrolle schränkt die Freiheit der Entwickler:innen und
der Nutzenden ein“, kritisiert Neil Brown von F-Droid.
Google begründet seine Pläne mit Sicherheitsrisiken bei der Installation
von Apps aus alternativen Quellen. „Die neue Entwicklerbestätigung für
Android ist eine zusätzliche Sicherheitsebene, die böswillige Akteure
abschreckt und es ihnen erschwert, wiederholt Schaden anzurichten“, erklärt
das Unternehmen. Eine Anfrage der taz zu dem Thema ließ der Konzern offen.
Tatsächlich kann man sich mit dem Herunterladen von Apps aus zweifelhaften
Quellen Schadsoftware einfangen. Allerdings kann solche Malware auch im
Playstore vorkommen. So hatten beispielsweise im vergangenen Jahr
IT-Sicherheitsforscher:innen [5][77 Android-Apps entdeckt], die die
Bankkonten der Nutzer:innen angreifen.
Die Apps mit der Schadsoftware wurden dabei als harmlos getarnt, etwa als
PDF-Reader. Sie seien insgesamt 19 Millionen Mal heruntergeladen worden,
heißt es. Google entfernte die Apps und teilte mit, dass
Android-Nutzer:innen ohnehin über den auf den Geräten laufenden
Play-Protect-Dienst geschützt seien. Warum der in Zukunft nicht ebenfalls
ausreichend schützen soll, bleibt unklar.
## Und der Datenschutz?
Die Pläne von Google [6][widersprechen einem Ziel, das die EU mit dem
Digital Markets Act], dem Gesetz über digitale Märkte, beschlossen hat. Das
Gesetz soll die Marktmacht von großen Techkonzernen begrenzen und es
Wettbewerbern einfacher machen.
Doch durch Googles Pläne wird es für alternative App-Store-Betreiber:innen
sogar schwerer. Denn warum sollten Entwickler:innen einen alternativen
Vertriebskanal nutzen, wenn sie sich ohnehin bei Google registrieren
müssen, um den Nutzer:innen eine einfache Installation zu ermöglichen?
Darüber hinaus könnte das Vorhaben aus datenschutzrechtlicher Sicht – etwa
aufgrund der Pflicht zum Hochladen von Ausweisdokumenten – problematisch
sein. Die Hamburger Datenschutzaufsichtsbehörde teilte auf Anfrage mit,
dass eine abschließende Bewertung zwar erst nach einer ausführlichen
Prüfung möglich sei. Grundsätzlich gelte aber, dass Onlineplattformen und
Anbieter, die Inhalte Dritter verbreiten, dazu berechtigt und manchmal auch
verpflichtet sein könnten, Ausweisdaten zu erheben.
Für Googles Playstore selbst wäre es daher möglich, dass es eine solche
Rechtsgrundlage gibt. Aber, so die Behörde: „Für Android-Apps, die nicht
über den Google-Playstore angeboten werden, sind derartige rechtliche
Verpflichtungen als Rechtsgrundlage für eine Datenverarbeitung fraglich.“
29 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://f-droid.org/
(DIR) [2] https://developer.android.com/developer-verification?hl=de
(DIR) [3] /ICE-Razzien-in-Los-Angeles/!6145209
(DIR) [4] /Apple-und-Google-entfernen-Apps-die-zum-Tracking-von-ICE-Agenten-benutzt-wurden/!6115407
(DIR) [5] https://www.zscaler.com/blogs/security-research/android-document-readers-and-deception-tracking-latest-updates-anatsa
(DIR) [6] /Digital-Markets-und-Digital-Services-Act/!5992274
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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