# taz.de -- „Was ihr wollt“ Im RambaZamba-Theater: Therapie für Liebeskranke
> Das inklusive Berliner Theater RambaZamba verpasst dem
> Shakespeare-Evergreen „Was ihr wollt“ eine Intensiv-Sauerstoff-Kur.
(IMG) Bild: Olivias Onkel Sir Toby, sein Kumpel Sir Andrew und Olivias Narr Feste (Mitte) preisen am Bierausschank den Alkohol
Zack! Und Viola hat sich in ihren Arbeitgeber Herzog Orsino verliebt. Mit
der Tatsache, dass der Cis-Mann nur Männer einstellte, ging Viola
pragmatisch-kreativ um: Sie verwandelte sich in Cesario, und das
zwischenmenschliche Chaos nahm seinen Lauf. Viola liebt also Orsino, der
sie als Cesario zu der von ihm angebeteten Gräfin Olivia schickt. Die sieht
Cesario und verknallt sich sofort in ihn. Ihr Verwalter Malvolio wiederum
dreht komplett durch, als er denkt, seine Arbeitgeberin himmelt ihn an.
Mehr als vierhundert Jahre hat Shakespeares Evergreen „Was ihr wollt“ auf
dem Buckel, da kommt das inklusive Berliner [1][RambaZamba Theater] und
verpasst ihm eine Sauerstoff-Intensiv-Kur. Große Gefühle entstehen hier
während eines Wimpernschlags. Zwischenmenschliche Begegnungen kochen sofort
auf höchster Flamme. Und daneben hat man immer noch eine Minute für einen
reflexiven Blick auf die eigene Gefühlslage.
Regisseurin Sarah Kurze baut eine Liebesgöttin ein, die das emotionale
Durcheinander entspannt im Blick hat und immer mal wieder sachte ordnend
eingreift, bis sich das Gefühlsknäuel endgültig entwirrt. Lioba
Breitsprecher umgibt ein Herz-Heiligenschein, sie thront als Göttin in
einer durchsichtigen Plexiglas-Muschel. Streckt sie ihre Hände nach vorne,
aktiviert sie ihr unsichtbares Seil und zieht das Bodenpersonal regelmäßig
aus der Bredouille.
Der Thron ist direkt hinter dem Eingang des [2][RambaZamba-Studios]
aufgebaut, auf der anderen Seite der Bühne verkörpert ein Muschelbrunnen
Illyrien. Daneben stehen ein Ausschank und eine Bierbank. Da halten sich
Olivias Onkel Sir Toby, sein Kumpel Sir Andrew und Olivias Narr Feste gerne
auf. Sie preisen das Leben im Alkohol und sprechen über handfeste irdische
Interessen: eine Heirat Sir Andrews mit der finanziell potenten Olivia.
Sascha Pertel, Tobias Kressmann und der aus dem Deutschen Theater geliehene
Elias Ahrens sind genial als versoffen-geerdetes Trio. Völlig unbeeindruckt
von dem emotionalen Wirrwarr vor ihrer Wirtshausbank lassen sie ihre
Ein-Liter-Biermaß gegeneinanderkrachen, bis sie das so beflügelt, dass sie
im Biertisch das einzig wahre Percussion-Instrument erkennen und losjammen.
Zur gleichen Zeit befreit sich [3][Nele Winklers Olivia] aus ihrem Kokon
aus Schüchternheit und Trauer. Winkler erschafft mit ihren knallroten
Ballerinas, die wie eine Ampel durch die Szenerie trippeln, ihre eigene
Zeiteinheit. Eva Fuchs’ Zofe Maria mischt alle auf – wie ein von der
Tarantel gestochenes Fräulein Rottenmeier rast sie über die Bühne. Dagegen
ist Juliane Götzes Viola von einer unzerstörbaren Seriosität. Das wahre
Epizentrum aber ist Jonas Sippel als Malvolio. Wenn er die Bühne entert,
ist das wie ein Erdbeben und wie ein Fels steht er da in der von ihm
hervorgerufenen Brandung. Von seiner Warte aus ist sein Malvolio das
Zentrum Illyriens. Und genau so macht er seine Ansagen.
Als Sippel/Malvolio mit dem an ihn gerichteten falschen Liebesbrief an die
Öffentlichkeit geht, zeigt er beeindruckendes Format. Sein angeklebter
Gamsbart und der schwarz-weiße Umhang mit Rüschen sind von einem seltenen
Charme, wie das gesamte Kostümbild von Vanessa Vadineanu. Im Zusammenspiel
mit Kurzes szenischem Humor und einem witzig-sphärischen Klangteppich
(Musik: Stasys Musial) schwebt der 90-Minuten-Shakespeare von Anfang an auf
einer Gut-Wetter-Wolke. Beim Zuschauen wird einem so federleicht wie
selten. Theater als Therapie: hier für alle Liebeskranken.
3 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Katja Kollmann
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