# taz.de -- Streit über Gesundheitsreform: Kein Geld fürs Patriarchat
       
       > Die Koalition einigt sich bei der Krankenkassenreform. Ausgerechnet die
       > SPD hatte im Vorfeld ein unfeministisches Vorhaben kritisiert.
       
 (IMG) Bild: Die Sparpläne von Nina Warken (CDU), Bundesministerin für Gesundheit, kamen nicht bei allen gut an
       
       [1][Die Krankenkassenreform], die am Mittwoch beschlossen werden soll,
       sorgte lange für Streit in der Koalition. Nicht nur, weil die Sparpläne von
       Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine soziale Schieflage aufweisen
       und insbesondere gesetzlich Versicherte zur Kasse gebeten werden, während
       Pharmafirmen und Arbeitgeber glimpflicher davonkommen. Jetzt haben sie sich
       offenbar weitgehend geeinigt.
       
       Widerstand kam von der SPD ausgerechnet bei der geplanten [2][Abschaffung
       der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartner:innen], sprich in der
       Regel von Ehefrauen. Große Teile der SPD kündigen Widerstand an – und
       bliesen damit ins selbe Horn wie CSU und AfD, die darin einen Angriff auf
       das traditionelle Familienbild sehen.
       
       Dabei ist die Idee, nicht berufstätige Ehepartner:innen nicht mehr
       kostenfrei mitzuversichern, genau richtig. Auch wenn hierdurch nicht allzu
       viel Geld eingespart werden wird, würde die Abschaffung dazu beitragen,
       Gesellschaft und Gesundheitssystem ein wenig gerechter und feministischer
       zu machen. Denn durch das bisherige System wird das patriarchale
       Familienkonstrukt „Hausfrauenehe“ gefördert. Dabei sollte der Fokus auf der
       gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt liegen. Ein Job
       macht Frauen unabhängiger von Männern und [3][verringert Altersarmut].
       Warkens Pläne stellen auch keine Bestrafung von Care-Arbeit dar, weil
       Menschen, die kleine Kinder betreuen und Angehörige pflegen, weiterhin
       mitversichert sind.
       
       Wollte die SPD nicht wieder verstärkt die Interessen der arbeitenden
       Bevölkerung vertreten? Die hat durch die Gesundheitsreform nämlich ganz
       andere Probleme: höhere Zuzahlungen für Medikamente und
       Krankenhausaufenthalt, weniger Gesundheitsleistungen. Wer wirklich etwas
       zum Schutz von Familien tun will, sollte hier ansetzen und eine Reform
       umsetzen, die strukturelle Probleme angeht und große Vermögen nicht
       verschont, etwa durch eine [4][solidarische
       Bürger*innenversicherung]. In die sollten alle, also auch Beamte,
       Abgeordnete und Minister:innen, einzahlen.
       
       28 Apr 2026
       
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