# taz.de -- Sparmaßnahmen für Deutschland: Regierung beschließt Gesundheitsreform
> Der Gesetzentwurf zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen hat
> die erste große Hürde genommen. Die Versicherten sollen weniger belastet
> werden.
(IMG) Bild: Statt der bislang geplanten 19,6 Milliarden Euro will die Bundesregierung nun 16,3 Milliarden Euro einsparen
kna | Nach einer massiven Welle der Kritik und zähem Ringen in der
Koalition hat die Bundesregierung die Gesundheitsreform beschlossen. Der
Gesetzentwurf zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen sieht
weiterhin erhebliche Leistungseinschränkungen vor, aber nimmt die
Versicherten etwas weniger in die Pflicht. Bis kurz vor Beschluss im
Kabinett am Mittwoch waren noch Änderungen vorgenommen worden. Die Kritik
bleibt dennoch deutlich.
Die Reform soll vor der Sommerpause im Bundestag verabschiedet werden. Eine
Zustimmung des Bundesrats ist nicht nötig.
## Merz: „Historische Reform“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einer historischen, ja der
größten Sozialstaatsreform der vergangenen 20 Jahre und einer großen
Kraftanstrengung. „Mit dieser Reform schaffen wir für lange Jahre
Sicherheit für die Menschen in Deutschland, für die Versicherten, für alle,
die mit diesem Gesundheitssystem zusammenarbeiten“, sagte Merz und fügte
hinzu: „Gesundheit muss bezahlbar bleiben.“
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) betonte, dass die
Ausgabensteigerung künftig an die Einnahmen gekoppelt werde. Es gehe darum,
mit den Beiträgen der Versicherten verantwortlich umzugehen. „[1][Die
Reform verlangt allen Seiten eine ganze Menge ab]“, räumte Warken ein.
Laut Entwurf sollen statt der bislang geplanten 19,6 Milliarden Euro nun
16,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr eingespart werden. Konkret will der
Bund unter anderem die allgemeine Kürzung des Krankengelds doch nicht
umsetzen. Auch soll im Rahmen der Abschaffung der Mitversicherung von
Ehegatten und Lebenspartnern der geplante Zuschlag für beitragsfrei
mitversicherte Ehegatten künftig statt 3,5 Prozentpunkte nur 2,5
Prozentpunkte betragen.
Weiter geplant sind höhere Zuzahlungen bei Medikamenten, das Wegfallen von
Homöopathie und Cannabisblüten als Kassenleistung sowie ein geringerer
Zuschuss bei Zahnersatz. [2][Auch Gutverdiener sollen mehr bezahlen.] Neu
ist die geplante Einführung einer Zuckersteuer ab dem Jahr 2028. Noch auf
dem letzten CDU-Parteitag war der Vorstoß abgeschmettert worden.
## Kosten für Bürgergeldempfänger bleiben Streitpunkt
Besonders strittig war und bleibt für viele die Frage der Übernahme der
Krankenversicherungskosten von Bürgergeldempfängern durch den Bund. Jetzt
soll es stufenweise für zwei Jahre 250 Millionen Euro jährlich mehr vom
Bund geben, ab 2029 dann 500 Millionen Euro im Jahr. Ab 2051 soll dadurch
jährlich die geforderte Summe von 12 Milliarden Euro durch den Bund
getragen werden. Auf der anderen Seite will der Bund den Zuschuss für die
gesetzliche Krankenversicherung bis 2030 um 2 Milliarden Euro kürzen.
Aus Sicht des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
entsteht dadurch eine ernsthafte Schieflage. Eine Erhöhung um 250 Millionen
Euro auf der einen Seite und eine Kürzung von zwei Milliarden Euro auf der
anderen, seien absurd, klagte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt. Der
Bundeszuschuss sei dringend nötig, um etwa familienpolitische Leistungen
wie das Mutterschaftsgeld, zu bezahlen, so Blatts Warnung. Auch die IKK
sprach von einer irritierenden Lösung.
## Sozialverbände besorgt
Sozialverbände sehen die Reform mit Sorge. „Wir befürchten, dass dieses
Sparpaket in der gesetzlichen Krankenversicherung zulasten derjenigen geht,
die ohnehin wenig Geld haben“, sagte Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch.
Auch der Deutsche Caritasverband dringt auf weitere Korrekturen der Reform
„Die sozialen Unwuchten müssen im jetzt beginnenden parlamentarischen
Verfahren dringend korrigiert werden“, sagte Caritaspräsidentin Eva
Welskop-Deffaa.
29 Apr 2026
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