# taz.de -- Peter Fox zu Gaza-Solidarität: „Ein etwas schiefes Geschichtsverständnis“
> In Köln war ein Benefizkonzert für Palästina geplant. Der Musiker Peter
> Fox über die Gründe für die Absage und das deutsche Verhältnis zu Israel.
(IMG) Bild: „Die Lage im Gazastreifen hat sich kaum gebessert“: Peter Fox zu seiner Motivation, sich am geplanten Soli-Event zu beteiligen
taz: Herr Baigorry alias Peter Fox, Sie wollten Ende März beim geplanten
Benefizkonzert „Together4Palestine“ in Köln auftreten. Wie kam es dazu?
Peter Fox: Seit das Thema mitsamt den aufwühlenden Bildern aus dem
Gazastreifen aus den Medien verschwunden ist, hat sich die Situation der
Menschen vor Ort ja nicht wirklich verbessert. Ich wollte schon im
September 2025 bei der [1][Großkundgebung „All Eyes on Gaza“ am Großen
Stern in Berlin] auftreten. Da konnte ich aber nicht, und dann wurde ich im
Oktober wegen dieser Veranstaltung angefragt, die auch schon viel früher
stattfinden sollte.
taz: Ist es ein Risiko, sich als Künstler zu diesem Thema politisch zu
äußern?
Fox: Bis vor Kurzem hätte ich gesagt: Nein, es ist kein Risiko. Inzwischen
bin ich mir da nicht mehr so sicher.
taz: Warum?
Fox: Ich habe in den vergangenen ein, zwei Jahren schon den einen oder
anderen Instagram-Post gemacht, der sich kritisch mit Israels Politik oder
der Positionierung unserer Bundesregierung befasst hat. Maximal zehn
Prozent reagieren da negativ drauf, indem sie sagen, wir verbrennen deine
CDs oder „dich kann man jetzt nicht mehr hören“. Das gibt es tatsächlich,
aber das ist eine Minderheit. Die allermeisten Leute geben mir eher ein
positives Feedback. Und ich glaube, wenn man eine Umfrage in der
Bevölkerung machen würde, da würde das Ergebnis anders ausfallen, als es
die Regierungspolitik Deutschlands abbildet.
Aber wenn man sieht, wie die Regierung [2][in Person von Wolfram Weimer
Druck ausübt] oder wie schwierig die Suche nach einem Veranstaltungsort für
das Solidaritätskonzert gelaufen ist, dann scheint mir das Risiko für
israelkritische Stimmen doch zu steigen.
taz: Ist es einfacher, sich für die Ukraine einzusetzen als für Gaza?
Fox: Klar, diesen Antisemitismusvorwurf will sich keiner anziehen. Aber die
Haltung zu Palästina und Israel ist unter den Musikern in der Sparte, in
der ich mich bewege, nicht besonders umstritten. Wenn, dann haben manche
vielleicht Angst davor, von der Springerpresse gekreuzigt zu werden. Die
ist aber für die meisten kein Maßstab. Innerhalb der Musikblase empfinde
ich den Gegenwind da als nicht so krass.
taz: Bedauern Sie, dass sich für die geplante Veranstaltung am 29. März
keine Räume finden ließen?
Fox: Das ist ein großes Problem. Denn es wäre ein wichtiger Beitrag, mit so
einem Konzert und guter Kommunikation – also zum Beispiel der Betonung,
dass es keinen Raum für Antisemitismus geben darf – das Bewusstsein der
deutschen Mehrheitsgesellschaft bei diesem Thema zu erweitern und darauf
hinzuweisen, dass die deutsche Verantwortung aufgrund des Holocausts nicht
ausschließlich Israel, sondern auch den Palästinensern gelten sollte.
taz: Wie meinen Sie das?
Fox: Für die Palästinenser waren das Leiden der Juden Europas und die
Staatsgründung Israels Einschnitte mit direkteren und problematischeren
Konsequenzen bis heute als für die tausende Kilometer entfernt lebenden
Deutschen. Das wird kaum gesehen. In diesem Punkt hat sich Deutschland,
insbesondere in konservativen Kreisen, ein etwas „schiefes“
Geschichtsverständnis antrainiert.
taz: Ist das deutsche Verhältnis zu Israel nicht verständlich?
Fox: Psychologisch mag es verständlich sein, dass man Verantwortung nur für
die direkt Zugehörigen zur Opfergruppe des Naziterrors empfindet – aber für
die Palästinenser und auch in einigen migrantisch und nicht zuletzt
arabisch geprägten Teilen der deutschen Gesellschaft hat es zu dem Gefühl
geführt, dass es eben nicht so schlimm ist, wenn Araber oder „Nichtweiße“
leiden – und das ist ein Problem. Vom Völkerrecht, welches nur dann
entschieden verteidigt werden muss, wenn es in die eigene Agenda passt,
möchte ich gar nicht erst anfangen.
taz: Haben Sie sich gewundert, dass das Benefizkonzert abgesagt werden
musste?
Fox: Ja, ich war schon erstaunt. Ich bin kein Anhänger von
Verschwörungstheorien, aber man fragt sich schon, wer da im Hintergrund
Druck gemacht hat und warum in letzter Minute Sicherheitsgründe vorgebracht
wurden – das machte einfach keinen Sinn. Ich habe den Betreiber einer Arena
in Köln dann auch angerufen, aber die Ausführungen waren sehr unklar, und
ich frage mich immer noch: Hatte er wirklich plötzlich Bedenken wegen
Sicherheit oder eher wegen schlechter Presse, oder haben ihm da Leute aus
der Stadtpolitik im Hintergrund gedroht? Ich weiß nicht, was er für
Konsequenzen hätte tragen müssen. Die Erklärungen blieben alle sehr nebulös
und unverständlich.
taz: Sie spielen ja öfter in großen Hallen. Hilft das, einen Ersatzvenue zu
finden?
Fox: Ich habe die, wie gesagt, selbst angerufen und denen eine Mail
geschrieben, in der stand: Ich habe schon oft bei euch gespielt und mich
eigentlich gefreut, auch zu diesem Thema wieder bei euch zu sein. Aber wenn
das nicht reicht, dann weiß ich nicht, was ich sonst noch tun könnte. Ich
glaube, da kann ich überhaupt nichts machen.
taz: Glauben Sie, das Benefizkonzert lässt sich zu einem anderen Termin
nachholen?
Fox: Schwer zu sagen. Ich persönlich hätte [3][gerne was auf der Straße
gemacht] – so wie bei der Kundgebung im September, bei der ich leider nicht
dabei sein konnte. So ein Konzert in einer normalen Veranstaltungshalle
kann ja von den Medien auch einfach ignoriert werden. Aber [4][bei einer
Demo ist das schon etwas anderes]: Ab einer gewissen Größe kommt man da
nicht dran vorbei.
28 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gaza-Demo-in-Berlin/!6116106
(DIR) [2] /Konzert-Absage-Jan-Boehmermann-knickt-vor-Wolfram-Weimer-ein/!6112772
(DIR) [3] /Peter-Fox-Blockpartys/!6035423
(DIR) [4] /Peter-Fox-Block-Partys/!6076680
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
## TAGS
(DIR) Palästina-Proteste
(DIR) Nahost-Debatten
(DIR) Kunstfreiheit
(DIR) Peter Fox
(DIR) Palästina
(DIR) Köln
(DIR) Gaza
(DIR) Solidarität
(DIR) Israel
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Nahost-Debatten
(DIR) taz Bewegung – die Kolumne
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Benefizkonzert abgesagt: Keine Bühne für Palästina
Künstler:innen planen ein großes Benefizkonzert für Gaza in Köln,
darunter Prominenz wie Peter Fox. Dann macht der Hallenbetreiber einen
Rückzieher.
(DIR) Sachsens „Jahr der jüdischen Kultur“: Zu viel Tacheles
Die Künstlerin Nirit Sommerfeld hat in Chemnitz eine Gesprächsreihe mit
jüdischen Gästen organisiert. Doch die Förderung wurde zurückgezogen.
Warum?
(DIR) Linke Abwehrkämpfe: Gegen den Autoritarismus
Von Wolfram Weimer bis zum Krieg gegen Iran: Die Linke sucht nach
Strategien, das Autoritäre aufzuhalten, ist aber oft selbst gespalten.