# taz.de -- Weltgesundheitsgipfel in Nairobi: Afrika will mehr Unabhängigkeit bei der Gesundheit
> Weniger auf Pharma-Importe und Hilfsgelder angewiesen sein wollen die
> afrikanischen Staaten. Besonders die Frauengesundheit leidet.
(IMG) Bild: Kürzungen internationaler Gelder treffen besonders die medizinische Vorsorge und Behandlung von Frauen
Im kenianischen Nairobi hat am Montag ein regionaler Gesundheitsgipfel
begonnen. Das Motto: „Afrikas Gesundheitssysteme neu gestalten“.
Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und
Wirtschaft – insbesondere Pharmaunternehmen – diskutieren, wie afrikanische
Gesundheitssysteme unabhängiger von Hilfsgeldern und robuster gegen Krisen
werden können.
Das Treffen findet unter schwierigen Vorzeichen statt: Reiche Staaten
kürzen Entwicklungsgelder, viele afrikanische Staaten sind hoch
verschuldet, was oft zu Lasten von Bildung und Gesundheit geht, und die
Weltwirtschaft ist angespannt.
Victoria Gamba ist Gynäkologin und Gesundheitsberaterin in Kenia. Sie wirbt
auf dem Gipfel dafür, die Gesundheit von Frauen nicht aus den Augen zu
verlieren. Gamba hofft, dass das Wegbrechen internationaler Hilfsgelder
afrikanische Staatschefs dazu zwingt, mit ihren eigenen Haushaltsmitteln
mehr in Gesundheit zu investieren. „Es ist nicht nachhaltig, Geld von einem
anderen Land zu erhalten, denn die Mittel werden irgendwann versiegen. Und
es entzieht Staaten die Möglichkeit, Prioritäten zu setzen“, sagte Gamba
der taz im Vorfeld der Konferenz.
„Nur eine Handvoll afrikanischer Länder erreicht das Ziel der Afrikanischen
Union, mindestens 15 Prozent des Haushalts für das Gesundheitswesen
bereitzustellen. In Kenia liegen die Ausgaben bei 7 Prozent“, kritisierte
Gamba.
## Frauengesundheit besonders krisenanfällig
Die Gynäkologin erlebt die Auswirkungen in der Praxis: „Derzeit haben
weniger Frauen Zugang zu Verhütungsmitteln. Das bedeutet, es gibt mehr
ungewollte Schwangerschaften, was wiederum bedeutet, dass diese Frauen
nicht vorbereitet sind und mehr Schwangerschaftskomplikationen haben. Im
Ergebnis sterben mehr Frauen.“
„Die Verluste sind nicht nur Datenpunkte“, sagte Gamba. „Daten zeigen
Sterberaten, aber dahinter steht jemand, der eine Mutter, eine Tante
verloren hat“. Das habe weitreichende Auswirkungen auf diese Haushalte und
die Gemeinschaft.
„Die Frauengesundheit wurde unterfinanziert, zu wenig erforscht und
schlichtweg vernachlässigt“, sagte Gamba. Die [1][USA etwa haben vor Kurzem
angekündigt], keine Gelder an Organisationen zu vergeben, die sich für
reproduktive Rechte einsetzen. Ein [2][Bericht der deutschen Denkfabrik
Global Perspectives] stellt heraus, dass der Bereich besonders anfällig für
Schocks ist, weil er häufig „ideologischen Veränderungen ausgesetzt“ sei.
Außerdem hänge die Produktion von „Verhütungsmitteln und wichtigen
Produkten für die Gesundheit von Müttern“ von einigen wenigen Herstellern
ab.
## Deutsche Entwicklungsministerin in Nairobi
In Nairobi steht im Fokus, wie afrikanische Staaten unabhängiger von
Importen und Hilfsgeldern werden können. Dabei wird vermehrt auf die
Privatwirtschaft geschaut. Die soll etwa über öffentliche Garantien zum
Aufbau lokaler Herstellung beitragen.
Für deutsche Pharmaunternehmen ist das durchaus lukrativ.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) ist ab Montag in
Nairobi. In einer Mitteilung betont sie, der afrikanische Kontinent sei
„ein Zukunftsmarkt mit 1,6 Milliarden Menschen“. Sie wolle die Kooperation
von deutschen und afrikanischen Unternehmen weiter ausbauen. In Kenia etwa
teile der deutsche Pharmahersteller Merck sein Know-how mit der
kenianischen Firma Universal bei der Herstellung eines Medikaments gegen
die Wurmerkrankung Bilharziose.
Medico International und [3][Ärzte ohne Grenzen hingegen haben in der
Vergangenheit kritisiert], dass etwa beim Aufbau einer Impfstoffproduktion
durch den deutschen Hersteller Biontech in Senegal mit Unterstützung des
Entwicklungsministeriums die Impfstoffversorgung in privaten Händen bliebe.
27 Apr 2026
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(DIR) Leila van Rinsum
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