# taz.de -- Schuldenreport 2026: Schuldenkrise belastet den Globalen Süden
       
       > Verschuldete Staaten müssen bis zu 60 Prozent ihres Einkommens in die
       > Schuldentilgung stecken. Welche besonders betroffen sind.
       
 (IMG) Bild: Angola leidet besonders unter hohen Schulden – hier eine Straße in der Hauptstadt Luanda
       
       Die internationale Schuldenkrise hat sich weiter verschärft. Das geht aus
       dem [1][neuen Report des Bündnisses Erlassjahr und des Hilfswerks Misereor]
       hervor. „Die weltweite öffentliche Verschuldung hat mit über 100 Billionen
       US-Dollar einen nie dagewesenen Rekordwert erreicht“, sagt Malina Stutz,
       Politikreferentin bei Erlassjahr.
       
       Obwohl die Verschuldung im Globalen Norden demnach höher ist, ist die
       Belastung im Süden viel extremer. Denn Staaten im Globalen Süden müssen
       einen viel größeren Teil ihrer Staatseinnahmen als Zinsen und
       Kreditrückzahlungen an Gläubiger im Ausland abdrücken als Staaten im
       Globalen Norden.
       
       Im Schnitt bezahlen Länder im Globalen Süden 13 Prozent ihrer
       Staatseinnahmen. In den 44 Staaten, die der Report als sehr stark belastet
       einordnet, sind es mindestens 15 Prozent. Zwei Extremfälle bilden Angola
       mit 60 und der Senegal mit 39 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt
       die Quote bei 2 Prozent.
       
       „Damit fließt ein untragbar hoher Teil der Staatseinnahmen ins Ausland ab
       und kann im Inland nicht mehr für zentrale Bereiche wie Bildung, Gesundheit
       oder Infrastruktur investiert werden“, sagt Stutz. Die Folge: eine
       Zuspitzung von Ungleichheiten und eine Mangelversorgung der Bevölkerung.
       Denn in den meistbelasteten Ländern ist Armut bereits ein Problem.
       
       ## „Auslandsschuldenkrisen sind auch Krisen der Entwicklung“
       
       „Wir sprechen dabei von Dingen, die für uns völlig selbstverständlich sind,
       wie fließendes Wasser, funktionierende Krankenhäuser, verfügbare
       Medikamente“, sagt Benjamin Rosenthal, Experte für Entwicklungsfinanzierung
       bei Misereor. Besonders betroffen seien Frauen und Menschen in ländlichen
       Regionen. „Auslandsschuldenkrisen sind auch Krisen der menschlichen
       Entwicklung“, so Rosenthal.
       
       Als Beispiel nennt der Experte Sri Lanka. Das Land durchläuft derzeit ein
       Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF) und muss im Zuge dessen
       Kürzungen vornehmen, die besonders Kleinbäuer*innen treffen. Betroffene
       – besonders Frauen – versuchen, sich mit privaten Mikrokrediten über Wasser
       zu halten. Mit fatalen Folgen: In den vergangenen Jahren wurden mehrere 100
       Suizide von Frauen in Zusammenhang mit dieser Verschuldung gebracht.
       
       Aktuell wird die internationale Schuldenkrise durch den [2][Krieg in der
       Golfregion zugespitzt]. „Hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten die
       Staatshaushalte zusätzlich“, sagt Rosenthal. Das werde unweigerlich zu
       höheren Kreditkosten und Kapitalabflüssen führen. Dadurch würde etwa der
       Erhalt von sozialer Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser noch
       schwieriger.
       
       Nicht nur die geopolitische, sondern auch die Klimakrise wirken sich auf
       die Schuldenlage aus: „[3][Wetterextreme durch den Klimawandel] erschweren
       die Lage weiter. Das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele rückt in
       weite Ferne“, sagt Matin Qaim, Direktor vom Zentrum für
       Entwicklungsforschung von der Uni Bonn zur taz.
       
       Das zeigt sich auch darin, dass verschuldete Länder oft unter Druck
       geraten, Rohstoffe für den Export bereitzustellen. Dadurch käme es zu
       Abgaben an den Globalen Norden, ohne dass diese Länder lokale Wertschöpfung
       generieren können, so Rosenthal.
       
       Der Süden generiert, der Norden profitiert 
       
       Die drastische Ungleichheit zwischen Nord und Süd ist Folge einer
       „multiplen Benachteiligung von Ländern im Globalen Süden im globalen
       Finanzsystem“, so Stutz. Das zeigen deutlich höhere Zinssätze und
       Kapitalabflüsse.
       
       In manchen Fällen ist die Verschuldung dadurch so extrem, dass sie nur
       durch einen weiteren Kredit getilgt werden kann – wie etwa in Kenia 2024.
       Betroffene Staaten geraten dadurch in einen Teufelskreis, in dem sie durch
       kletternde Zinssätze und Inflation gefangen bleiben, auch wenn sie den
       ursprünglichen Kredit durch Zinsen bereits mehrfach zurückgezahlt haben.
       
       Die wichtigste Gläubigergruppe stammt laut dem Schuldenreport aus dem
       privaten Sektor. Akteure wie Investmentfonds, Banken, Rohstoffunternehmen
       und Versicherungen halten etwa 60 Prozent der Forderungen gegenüber Ländern
       im Globalen Süden. Gleichzeitig verlangen private Gläubiger auch die
       höchsten Zinssätze. 28 Prozent der Forderungen werden von multilateralen
       Institutionen wie [4][dem IWF oder der Weltbank] gehalten, die übrigen 12
       Prozent von bilateralen Gläubigern, etwa einzelnen Staaten.
       
       Um den humanitären und wirtschaftlichen Bankrott durch die Schuldenkrise
       aufzuhalten, fordern Expert*innen umfassende Reformen in der globalen
       Finanz- und Schuldenarchitektur. „Dazu gehören auch smarte Mechanismen zum
       Schuldenerlass“, so Qaim.
       
       „Faire und verlässliche Schuldenerleichterungen sind kein Akt der Gnade“,
       erklärt Rosenthal. „Sie müssen zum integralen Bestandteil der
       internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit werden.
       Eine Zusammenarbeit, die Würde, Teilhabe und Entwicklung für alle Menschen
       ermöglicht.“
       
       28 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://erlassjahr.de/wordpress/wp-content/uploads/2026/04/SR26-online-final.pdf
 (DIR) [2] /Schwerpunkt-Iran-Krieg/!t5613610
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 (DIR) [4] /Studie-zu-Investitionsschutzpolitik/!6172629
       
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 (DIR) Evke Bakker
       
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