# taz.de -- Kommunalwahlen palästinensische Gebiete: Fatah-Listen gewinnen Kommunalwahlen
> Sowohl im Westjordanland als auch in Deir al-Balah in Gaza entfielen die
> meisten Stimme auf Listen der Fatah. Die Wahlbeteiligung fiel niedrig
> aus.
(IMG) Bild: Eine Palästinenserin gibt ihren Stimmzettel in Birzeit in der Nähe von Ramallah ab
Zum ersten Mal seit 20 Jahren sind Menschen in Gaza am Samstag an die Urnen
gegangen – allerdings lediglich in der Stadt Deir al-Balah, mitten im
Gazastreifen. Hier hatten die Behörden Zelte zu Wahllokalen umfunktioniert.
Es waren Kommunalwahlen, und für die jüngere Generation in Deir al-Balah
die ersten ihres Lebens. Seit den letzten Parlamentswahlen in den
palästinensischen Gebieten im Jahr 2006, aus denen die Hamas als Gewinner
hervorging, hatte es in Gaza keine Stimmabgaben mehr gegeben.
Doch nicht viele haben den Urnengang auf sich genommen. Die Wahlbeteiligung
lag bei lediglich 23 Prozent. Experten zufolge hatte dies eine Reihe von
Gründen: Die Wahlregister waren teilweise veraltet, Tausende Menschen sind
trotz der Waffenruhe noch nicht zurück an ihren vorherigen Wohnort
gekommen, die humanitäre Lage ist nach wie vor prekär. Viele Menschen haben
ganz andere Sorgen, als wählen zu gehen.
[1][Die Hamas war offiziell mit keiner Liste vertreten. Eine Liste jedoch
soll laut Beobachter*innen nah an der Partei und der designierten
Terrororganisation sein.] Sie gewannen laut vorläufigen Ergebnissen
lediglich zwei von 15 Sitzen. Weitere sechs gingen an Fatah-nahe
Politiker*innen, die restlichen an Unabhängige.
## Höhere Wahlbeteiligung im Westjordanland
Ähnliches gilt im Westjordanland, auch dort fanden am Samstag
Kommunalwahlen statt. Die meisten Kandidat*innen gehörten der
regierenden Fatah-Partei an oder hatten keine Parteizugehörigkeit. Fatah
ist die treibende Kraft hinter der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA),
angeführt vom Präsidenten Mahmud Abbas. Einige Gruppen boykottierten die
Wahlen.
Fatah beanspruchte am Sonntag den Sieg für sich und seine Bewegung, wie die
palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. In den Städten Hebron,
Jenin, Tulkarm, Salfit und Al-Bireh habe sie die Mehrheit erreicht und
werden 197 Gemeinderäte in Zustimmung mit weiteren Fraktionen bilden, auch
in der inoffiziellen Hauptstadt Ramallah.
In beiden Gebieten waren mehr als eine Million Palästinenser*innen
stimmberechtigt. Im Westjordanland lag die Wahlbeteiligung, wie erwartet,
deutlich höher als in Gaza, und zwar bei 56 Prozent. Hier hatten die
letzten Kommunalwahlen vor vier Jahren stattgefunden. Damals hatten 58
Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben.
Der Sprecher der Wahlkommission, Fareed Taamallah, wurde in verschiedenen
Medien zitiert, die Idee hinter der Wahl in Deir al-Balah und dem
Westjordanland sei, die beiden Gebiete durch ein einziges politisches
System miteinander zu verbinden. Die Zerstörung durch den Krieg mit Israel
sowie israelische Truppen, die Teile Gazas besetzen, erschwerten einen
Urnengang in den übrigen Städten. Daher hat die Kommission zunächst nur
Deir al-Balah ausgewählt.
## Testlauf für die PA und Abbas
[2][Gaza sei „ein untrennbarer Bestandteil des Staates Palästina“, sagte
auch Abbas nach seiner Stimmabgabe.] Daher habe man „mit allen Mitteln
daran gearbeitet sicherzustellen, dass in Deir al-Balah Wahlen stattfinden,
um die Einheit der beiden Landesteile zu bekräftigen“.
Die aktuelle Wahl gilt als Barometer für die politische Stimmung im Lande
sowie als [3][Testlauf] für die PA und Abbas. Diese wollte mit den Wahlen
wohl auch Fortschritte bei politischen Reformen zeigen. Viele Palästinenser
werfen Abbas und der PA Korruption vor sowie mit autoritärer Hand und nicht
von Wahlen legitimiert zu regieren.
Ohnehin hat die PA nur eine beschränkte Autorität im Westjordanland, das
seit 1967 unter israelischer Besatzung steht. Aus Gaza wurde sie von der
Hamas 2007 de facto vertrieben. In Szenarien für die Nachkriegszeit in Gaza
taucht die Idee einer späteren Übernahme durch eine reformierte PA immer
wieder auf, letztlich auch in Trumps Gazaplan. Dies könnte den Weg zu einer
Zweistaatenlösung ebnen. Letztere wird jedoch von Israel vehement
abgelehnt.
26 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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