# taz.de -- Neues Wahl-Bündnis in Israel: Ein Richtungswechsel sieht anders aus
       
       > Die größten Rivalen von Benjamin Netanjahu wollen bei den
       > Parlamentswahlen gemeinsam antreten. Ein Grund zur Hoffnung, wenn auch
       > kein allzu großer.
       
 (IMG) Bild: „Together“ heißt die neue Partei von Naftali Bennett und Yair Lapid
       
       Es ist mehr Pragmatismus als Paukenschlag. Die größten Rivalen des
       israelischen Premiers Benjamin Netanjahu bündeln ihre Kräfte: Naftali
       Bennetts Partei Bennett 2026 und Yair Lapids Yesh Atid. Sie werden,
       angeführt von Bennett, auf der gemeinsamen Liste „Zusammen“ zu den
       Parlamentswahlen im Oktober antreten. Von einem neuen Kapitel sprechen sie,
       von einem Richtungswechsel.
       
       Man müsste schon jedes Herz verloren haben, um dabei keine Hoffnung zu
       schöpfen. Eine Regierung ohne einen Premier, der Kriege nach persönlichen
       Interessen führt, die rassistischen Gesetzesvorhaben seiner Rechtsaußen
       stehenden Koalitionspartner durchwinkt (Beispiel: [1][die Todesstrafe nur
       für Palästinenser]) und keine Verantwortung für den 7. Oktober übernimmt,
       wäre ohne Zweifel eine bessere. Aber wäre sie auch eine gute?
       
       Bennett ist alles andere als ein Hoffnungsträger für die, die von einem
       demokratischen, egalitären Israel träumen. Einst war er Vorsitzender des
       Jescha-Rates, des Dachverbands der Siedlungen im Westjordanland. Eine
       Koalition mit arabischen Parteien schließt er aus. „Dem Feind“ (unschwer
       als Palästinenser zu erkennen) werde er keinen Zentimeter geben. Auch das
       Bündnis Bennett-Lapid würde wohl einen unabhängigen Staat Palästina als
       unmögliche, als gefährliche Idee delegitimieren.
       
       Doch einiges kann man ihm hoch anrechnen: etwa seine historische Koalition
       2021, als er mit Lapid ein Bündnis schmiedete, das von rechts bis links
       reichte und erstmals in der Geschichte Israels auch eine arabische Partei
       einschloss (eine Zusammenarbeit, die er vor den Wahlen ausgeschlossen
       hatte).
       
       Zudem hat er nun eine Brandmauer zwischen sich und dem [2][Rechtsaußen
       Itamar Ben Gvir] gezogen. Ihn und seine Komplizen von deren Machtpositionen
       zu verbannen, wäre ein wichtiger Schritt.
       
       Ob das Bündnis Lapid/Bennett gestärkt aus der Vereinigung hervorgeht,
       bleibt abzuwarten. Sollten sie gewinnen, könnte es ein Schritt weg vom
       Abgrund sein. Ein Richtungswechsel aber sieht anders aus.
       
       27 Apr 2026
       
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