# taz.de -- Politik in palästinensischen Gebieten: Ein Dekret gegen die Hamas
> Vor den im April geplanten Kommunalwahlen erklärt Palästinenserpräsident
> Abbas: Nur Kandidaten, die sich zu den Prinzipien der PLO bekennen,
> dürfen teilnehmen.
(IMG) Bild: Der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, hier am 22. Dezember in Ramallah
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat ein Dekret unterzeichnet, das Hamas
und PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) de facto von den kommenden
Kommunalwahlen ausschließen könnte. Es besagt: Wer als Kandidat bei diesen
antreten will, müsse sich „zur Palästinensischen Befreiungsorganisation als
einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes, zu ihrem
politischen und nationalen Programm“ bekennen.
Zum Programm der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) gehört
unter anderem die Anerkennung Israels und das Bekenntnis zu einer
Zweistaatenlösung. [1][Dem hat sich etwa die Hamas, die sowohl als Partei
wie auch das Miliz auftritt, bislang verweigert.]
Die nächsten Wahlen in den palästinensischen Gebieten stehen Ende April
2026 an. Dabei wählen die Palästinenserinnen und Palästinenser im
Westjordanland und in Deir al-Balah, Zentralgaza, neue Gemeinderäte. Ab dem
23. Februar können sich eine Woche lang die möglichen Kandidaten als solche
registrieren lassen. Zuletzt wurde auf kommunaler Ebene in den
palästinensischen Gebieten im Winter 2021 und Frühling 2022 gewählt. Damals
hatte die Hamas ihre Teilnahme verweigert.
## Die Hamas genießt noch immer Unterstützung
Dem Dekret vom 27. Januar könnten mehrere strategische Überlegungen
zugrunde liegen:
Einerseits, dass etwa nach [2][Erhebung des Palestinian Center for Policy
and Survey Research] die Hamas noch immer eine höhere Beliebtheit genießt
als Präsident Abbas und seine Partei Fatah. Trotz des Krieges [3][mit
seinen katastrophalen humanitären Folgen] im Gazastreifen, den die Hamas
mit ihrem [4][Überfall in Israel im Herbst 2023] lostrat.
Im Frühling 2025 gaben nur 12 Prozent der Befragten an, im Fall von
Präsidentschaftswahlen für Abbas stimmen zu wollen. Während 32 Prozent
angaben, dass sie einen Kandidaten der Hamas wählen würden. Auf Ebene der
Parteien gaben 18 Prozent der Befragten im Westjordanland an, Fatah zu
unterstützen, und 29 Prozent Hamas. [5][Eine Stärkung der Hamas im
Westjordanland] – auch auf kommunaler Ebene – ist sicherlich nicht im
Interesse von Präsident Abbas.
Andererseits dürfte das Dekret ein Zeichen an die internationale
Gemeinschaft und vor allem an die USA sein: dass das Bekenntnis zur
Zweistaatenlösung und die Akzeptanz des israelischen Staats in der
palästinensischen Politik nicht mehr verhandelbar ist.
28 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Geschichte-der-Hamas/!5965057
(DIR) [2] https://www.pcpsr.org/sites/default/files/Poll%2095%20press%20release%206May2025%20ENGLISH.pdf
(DIR) [3] /Winter-in-Gaza/!6130640
(DIR) [4] /7-Oktober-Ueberlebender-im-Gespraech/!6115263
(DIR) [5] /Fluechtlingscamp-im-Westjordanland/!6010017
## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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