# taz.de -- Aktuelle Stunde zu Sozialkürzungen: Alle gegen die CDU
> Es hagelt Kritik im Bundestag, nachdem ein Dokument mit
> Kürzungsvorschlägen etwa in der Jugendhilfe geleakt wurde. Laut SPD ein
> „Alleingang“ des Kanzleramts.
(IMG) Bild: Heidi Reichinnek, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke, kritisiert die Kürzungsvorschläge der Unionsparteien
Unionspolitiker:innen müssen sich am Freitagnachmittag im Parlament
so einiges anhören. „Alle auf der Regierungsbank sollten sich in Grund und
Boden schämen“, ruft Heidi Reichinnek und erntet Applaus von ihrer
Fraktion, der Linken. Die vorgeschlagenen Kürzungen seien ein „Schlag ins
Gesicht“ von jungen Menschen und Menschen mit Behinderung, kritisiert auch
die Grünen-Abgeordnete Denise Lob.
Aus den Reihen der AfD kommen die typischen Beleidigungen, die Union solle
besser bei Entwicklungshilfe und Geflüchteten sparen. Und sogar der
Koalitionspartner wählt heute scharfe Worte: Das Papier sei „ein Angriff
auf die Menschenwürde“, sagt SPD-Abgeordnete Heike Heubach. Viele
Mitglieder ihrer Fraktion würden sich klar dagegenstellen.
Bei dem „Papier“ handelt es sich um eine Sammlung an Kürzungsvorschlägen,
[1][die am vergangenen Donnerstag vom Paritätischen Gesamtverband geleakt
worden war]. Das 108-seitige Vorschlagsbuch mit dem Titel „Effizienter
Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen“ wurde von einer Arbeitsgruppe aus
Bundeskanzleramt, mehreren Ministerien, Ländern und kommunalen
Spitzenverbänden verfasst. [2][Die darin skizzierten Einsparungen betreffen
unter anderem Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfen für
Menschen mit Behinderung.] Das Dokument ist auf den 25. März datiert und
als Entwurf gekennzeichnet.
Dieser war nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Der eigentliche Skandal
sei, dass ein internes Arbeitspapier geleakt wurde und daraus eine
angebliche Kürzungsagenda konstruiert würde, verteidigt Ralph Edelhäußer
(CDU) den Vorstoß des Kanzleramts. Ziel der Arbeitsgruppe sei es, die
Zukunft des Sozialstaats zu sichern und Kommunen finanziell zu entlasten.
Dafür sei eine Vorschlagsammlung notwendig, das heiße aber nicht, dass
diese auch umgesetzt würden. Edelhäußer plädiert für offenes Diskutieren
„ohne Denkverbote.“
## SPD distanziert sich von Vorschlägen
Auch nach mehreren Anfragen habe die Regierung das Papier weder
eingeordnet, noch habe sie sich von den Kürzungsvorschlägen abgegrenzt,
kritisieren hingegen Grüne und Linke. „Nicht mit uns“, hätte auch die
sozialdemokratische Arbeitsministerin Bärbel Bas dazu sagen müssen, findet
Grünen-Abgeordnete Corinna Rüffers. Statt Bas tut das am Freitag Heike
Heubach: „Einsparungen auf dem Rücken der Schwächsten wird es mit uns nicht
geben“, sagt die gehörlose Politikerin in Gebärdensprache, während eine
Simultandolmetscherin für das Publikum übersetzt. Das Papier sei ein
„Alleingang des Kanzleramts“, so Heubach weiter.
Die drei Parteien links der CDU sind sich einig: Wer bei Kindern,
Jugendlichen und Menschen mit Behinderung spart, richtet nicht nur enormen
Schaden bei den Betroffenen an, sondern muss auch mit Kosten in der Zukunft
rechnen, etwa durch steigende Wohnungslosigkeit. Als Alternativen zur
Entlastung von Kommunen schlägt Heubach eine Übergewinnsteuer, gerechte
Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer vor.
Ähnliche Vorschläge wie im geleakten Dokument waren schon in einem
Gesetzesentwurf aus dem CDU-geführten Familienministerium enthalten. [3][So
sollen Schulbegleiter:innen Kinder und Jugendlichen mit Behinderung
künftig etwa in Gruppen statt individuell zur Seite stehen.] „Also tun Sie
nicht so, als wäre das Ministerium nicht beteiligt und sie hätten die Liste
zufällig im Drucker gefunden“, sagt Heidi Reichinnek, die beruflich selbst
in der Jugendhilfe tätig war. In den Kürzungsvorschlägen der Arbeitsgruppe
sehe sie keinesfalls unverbindliche Überlegungen. „Das ist eine konkrete
Drohung.“
24 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/massive-kuerzungsvorschlaege-bei-kindern-jugendlichen-und-menschen-mit-behinderung/
(DIR) [2] /Kuerzungen-bei-Menschen-mit-Behinderung/!6171785
(DIR) [3] /Familienministerin-will-kuerzen/!6167116
## AUTOREN
(DIR) Jule Frank
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