# taz.de -- Kürzungen der Sozialausgaben: Die lange Liste der Grausamkeiten
> Bund, Länder und Kommunen schlagen indiskutable Sozialkürzungen vor –
> ausgerechnet auf Kosten von Menschen, die ohnehin keine Lobby haben.
(IMG) Bild: Merz will ihnen Geld wegnehmen: Menschen mit Behinderung, hier vor einem Wohnprojekt in Leipzig
Gespart wird bei denen, die keine Lobby haben. So lässt sich das Papier
knapp zusammenfassen, das eine Gruppe aus Bund, Ländern und Kommunen
erarbeitet hat. Ihr Auftrag lautete, sich Gedanken zu machen, an welcher
Stelle Sozialausgaben gespart werden können.
Herausgekommen ist eine [1][lange Liste sozialer Grausamkeiten]: Das
Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung soll massiv
eingeschränkt, der [2][Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende] soll
begrenzt, minderjährige Geflüchtete ab 16 Jahren sollen in schlechtere
Unterkünfte gesteckt werden. Die [3][Hilfen für junge Erwachsene], die in
Heimen aufgewachsen sind und keine familiären Netzwerke haben, werden für
verzichtbar erklärt.
Nun ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, ob die Vorschläge oder welche von
ihnen umgesetzt werden. Aber dass sie überhaupt für diskutabel gehalten
werden, sagt schon einiges über den Zustand der Republik. Diese Liste ist
nicht nur ein Angriff auf vulnerable Gruppen, sie ist ein Angriff auf den
Sozialstaat als Ganzes. Die Vorschläge, so unterschiedlich sie auch sind,
haben eines gemeinsam: Gesellschaftliche Errungenschaften fallen derzeit
der grassierenden Kürzungsideologie zum Opfer.
Dass Menschen mit Behinderungen ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet
werden, ist aus einer menschenrechtlichen Perspektive klar zu verurteilen.
Das, was Menschen ohne Behinderung selbstverständlich für sich in Anspruch
nehmen, nämlich selbst bestimmen zu wollen, wie sie wohnen, wie sie ihre
Freizeit und ihr Leben gestalten, ist für Menschen mit Behinderung ungleich
schwerer. Wenige Wohnungen sind barrierefrei, nicht alle Arztpraxen und
Geschäfte sind zugänglich, ganz zu schweigen von Bussen und Bahnen oder
Arbeitsplätzen.
## Kosten, die entstehen
Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen
mit Behinderungen, sagt zu Recht: „Wer nicht ausgegliedert ist, muss auch
nicht eingegliedert werden.“ Die steigenden Kosten der Eingliederungshilfe,
die beklagt werden, sind auch die Kosten, die durch fehlende Inklusion
entstehen. Anstatt nun die zu bestrafen, die diskriminiert werden, könnten
private Akteure stärker in die Pflicht genommen werden.
Insofern ist das Papier auch ein Zeugnis dafür, wie wenig visionäres Denken
in den Köpfen politischer Entscheidungsträger*innen steckt. Egal ob
es ums Bürgergeld, [4][die Rente] oder andere sozialpolitische Diskussionen
geht, es wird kaum noch inhaltlich diskutiert, was gesellschaftlich
erwünscht ist und wie es erreicht werden kann: eine auskömmliche
Absicherung im Alter, echte Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit, Bekämpfung
[5][von Kinderarmut.]
Ausgerechnet die, die gern wirtschaftlichen Verstand für sich beanspruchen,
denken nicht über die Folgekosten nach, die solche drastischen Einschnitte
verursachen können. Dabei wären Investitionen in Inklusion und Bildung
nicht nur aus menschenrechtlicher Sicht notwendig, sie würden sich auch
wirtschaftlich auszahlen.
24 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jasmin Kalarickal
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