# taz.de -- Aktivist über das Bündnis gegen rechts: „Konsequenter Antifaschismus ist unbequem“
       
       > Vor 20 Jahren gründeten linke Gruppen und Einzelpersonen das Hamburger
       > Bündnis gegen rechts. Mitgründer Felix Krebs über Barrikaden und
       > Prozesse.
       
 (IMG) Bild: Kerngeschäft des Hamburger Bündnisses gegen Rechts: Demos wie diese im Herbst 2024 unter dem Motto „Kein Fußbreit der AfD!“
       
       taz: Herr Krebs, der [1][Gazakrieg] hat Konflikte in der linken Szene
       aufbrechen lassen. Keine einfache Zeit für Bündnisse, oder? 
       
       Felix Krebs: Nein. Wir stehen im Zeitstrom dieser politischen Kontroversen,
       von denen wir uns jedoch nicht auseinanderdividieren lassen sollten. In 20
       Jahren Bündnisarbeit musste das sehr heterogene Hamburger Bündnis gegen
       rechts sich immer wieder verschiedensten Kontroversen stellen – auch
       innerhalb der Linken. Bisher reichte der Minimalkonsens gegen die extreme
       Rechte.
       
       taz: Weil Sie Kompromisse eingehen? 
       
       Krebs: Uns allen ist bewusst, dass wir tragfähige Lösungen finden müssen,
       wenn wir ein starkes Bündnis wollen. Das dürfte eine unserer Stärken sein:
       „Alle zusammen gegen den Faschismus“ ist nicht nur eine Parole auf Demos,
       sondern auch eine gemeinsame Strategie, die wohl auch unser langjähriges
       Bestehen garantiert hat.
       
       taz: Die [2][AfD ist bei der Bürgerschaftswahl 2025 einstellig geblieben],
       gegen den Bundestrend. Ist Hamburg anders? 
       
       Krebs: Na ja, auch hier lässt sich in Teilen ein Rechtsruck bemerken.
       Wahlen sind ein Gradmesser, die Gewalt aufgrund gruppenbezogener
       Menschenfeindlichkeit ist es aber auch. Und die ist leider gestiegen, 2024
       waren es gut 50 Prozent mehr Taten als 2023. Auf einem schwachen Ergebnis
       der AfD dürfen wir uns nicht ausruhen. Eine solidarische Gesellschaft
       erfordert von uns allen, immer aktiv zu sein – in der Schule, am
       Arbeitsplatz und im Sportverein. Das bringt vielleicht mehr als eine Rede
       im Parlament.
       
       taz: Immerhin kann die AfD kaum öffentlich auftreten. 
       
       Krebs: Das ist einer der Erfolge, die wir mit ermöglichen. Der Widerstand
       vor Ort dürfte das Wahlergebnis mit beeinflusst haben. Sobald bekannt ist,
       dass die AfD irgendwo auftritt, schreiben wir Briefe, um die
       Vermieter*innen über die AfD zu informieren und unseren Protest
       anzukündigen. Leider darf die AfD städtische Räume nutzen. Das kritisieren
       wir scharf.
       
       taz: Sie schauen nicht nur auf Parteien? 
       
       Krebs: Ob Burschenschaften, neurechte Vereinigungen, die Identitären,
       Coronaleugner*innen, Reichsbürger*innen und andere
       Verschwörungsgläubige – alle müssen mit Protest rechnen. Wir haben auch die
       Kumpanei von Rechtsextremen mit dem etablierten Konservatismus publik
       gemacht …
       
       taz: … etwa mit der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (SWG). 
       
       Krebs: Das Hamburger Bündnis gegen rechts hat fast 20 Jahre lang über
       dieses Netzwerk aus Rechtsextremismus und Konservatismus informiert. Seit
       2023 stuft nun auch der Verfassungsschutz die [3][SWG als gesichert
       rechtsextremistisch] ein.
       
       taz: Wenn es sein muss, ziehen Sie auch vor Gericht. 
       
       Krebs: Ja, und meistens haben wir gewonnen. 2008 haben wir zum Beispiel vor
       Gericht eine Demoroute erstritten, mit der wir einen [4][Aufmarsch von
       Neonazis, angemeldet von der NDP, zum 1. Mai in Barmbek] blockiert haben.
       Die Hamburger Innenbehörde hatte damals mehrfach versucht, unsere Gegendemo
       zu verbieten oder mit Routenänderungen zu behindern. Und nach dem
       Behördenversagen im [5][NSU]-Komplex sollten wir nicht vor dem
       Verfassungsschutz demonstrieren, das haben wir abgewehrt. Auch gegen die
       [6][Verweigerung der Auskunft über Infostände von NPD und AfD seitens der
       Bezirksämter] haben wir uns erfolgreich vor Gericht gewehrt.
       
       taz: Für die mangelhafte Aufklärung des Mordes an [7][Süleyman Taşköprü]
       durch den NSU hat das Hamburger Bündnis gegen rechts den rot-grünen Senat
       vehement kritisiert. 
       
       Krebs: Es ist ein Skandal, das Hamburg das einzige Bundesland ist, in dem
       es einen NSU-Mord gab, aber [8][keinen parlamentarischen
       Untersuchungsausschuss]. Da fragt man sich schon, welche Neonazi-Netzwerke
       und welche Verbindungen zum Verfassungsschutz noch nicht ans Licht gekommen
       sind.
       
       taz: Wie einig ist man sich in der Praxis über die Aktionsformen?
       
       Krebs: Brennende Barrikaden sind im Hamburger Bündnis gegen rechts kein
       Konsens, auch wenn wir uns nie von Aktionsformen distanziert haben. Wir
       werden uns allerdings im Kampf gegen Faschismus nicht von „Rasen betreten
       verboten“-Schildern aufhalten lassen. Denn wie die [9][2021 verstorbene
       Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano] aus Hamburg sagte: „Wir können uns
       im Kampf gegen Nazis nicht auf den Staat verlassen.“ Konsequenter
       Antifaschismus ist nicht immer bequem.
       
       25 Mar 2026
       
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