# taz.de -- Rechtsextreme Demo in Dresden: Nazis zerstören Dresdner Zerstörungsgedenken
       
       > Erneut nutzen über 1.000 Rechtsextreme die Bombardierung im Zweiten
       > Weltkrieg für ihre Zwecke. Die Erinnerung an den 13. Februar 1945 ist in
       > der Krise.
       
 (IMG) Bild: Sitzen den Nazis im Weg: Menschen demonstrieren in Dresden gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen
       
       Auch 81 Jahre nach den verheerenden Bombenangriffen auf Dresden ist ein
       konsensuales, mahnendes Erinnern unmöglich. Die Risse, die sich ohnehin
       durch die Gesellschaft ziehen, spiegeln sich an diesem geradezu mythisch
       aufgeladenen Tag auch in der Stadt wider. Am Samstag [1][nutzten Neonazis
       einmal mehr das Gedenken an die großflächige Zerstörung der angeblich
       unschuldigen, schönen und reinen Kulturstadt], um jede deutsche
       Ursprungsverantwortung zu bestreiten.
       
       Gegen diesen „Gedenkmarsch“ mobilisierte das Bündnis Dresden WiEdersetzen.
       Die Polizei riegelte die Route in der westlichen Innenstadt mit
       Doppelgitterreihen, 2.200 Beamten und zwei Wasserwerfern ab.
       
       In den späten 2000er Jahren hatte sich der Aufmarsch in Dresden zu einer
       der größten Neonazi-Demos Europas entwickelt, mit bis zu 7.000
       Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern. Davon ist man dieses Jahr mit rund
       1.200 Teilnehmern zwar weit entfernt, doch ideologisch ist man sich treu
       geblieben.
       
       Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz hatte den Marsch als
       rechtsextremistisch eingestuft. Das gilt auch für die beteiligten Gruppen
       und Organisationen wie die nationalsozialistische Balaclava Graphics
       Bautzen oder die Jungen Nationalisten, die Jugendorganisation der früheren
       NPD, jetzt Die Heimat.
       
       ## „Missbrauch des Jahrestages“
       
       An der Spitze eines Blockes im Zug prangte auf einem Banner der 2005 vom
       damaligen NPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Gansel geprägte Begriff
       „Bombenholocaust“, der bundesweit heftige Debatten ausgelöst hatte. Ein
       weiterer Block marschierte unter einer Palästinenserfahne mit der Banderole
       „Gestern Dresden – heute Gaza“. Angemeldet worden war der Marsch abermals
       von [2][Lutz Giesen, früher aktiv in neonazistischen Kameradschaften],
       heute für die Freien Sachsen im Kreistag Mittelsachsen.
       
       Sachsens Verfassungsschutzpräsident Dirk-Martin Christian sprach von einem
       Missbrauch des Jahrestages durch die rechtsextremistische Szene, „um ihre
       geschichtsrevisionistischen Narrative in die Öffentlichkeit zu tragen“. Bei
       der Auftaktkundgebung am Bahnhof Mitte wurde mit Appellen wie: „Es ist
       nicht eine Frage der Regierung, sondern eine Frage des Systems“ indirekt
       zum Umsturz aufgerufen.
       
       Vom Postplatz aus versuchten mehrere antifaschistische Gruppen, aber auch
       die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) den Zug der Nazis
       zumindest lautstark zu stören und an einigen Stellen sogar die massiven
       Absperrungen zu durchbrechen. Ihre Zahl wird auf 2.000 geschätzt. Direkte
       Auseinandersetzungen mit den Nazis verhinderte die teils sehr robuste
       Polizei, wobei auch Pfefferspray eingesetzt wurde. Insgesamt 24
       Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet.
       
       Die Stadt wiederum hatte bereits am Vortag des Hauptgedenktages am 13.
       Februar zu Aktionen aufgerufen. Am Kulturpalast trafen sich nur noch rund
       500 Bürger zum Liedersingen. Eindringliche Reden kamen von
       Universitätsrektorin Ursula Staudinger und vor allem von Rachel Lancaster,
       Bürgermeisterin der Partnerstadt Coventry, die 1940 zuerst Opfer des
       deutschen Bombenterrors geworden war. Lancester forderte dazu auf,
       „vergangenes Leid zu nutzen, um eine bessere Welt zu schaffen“.
       
       ## Zahl der Teilnehmenden sinkt
       
       Die nachfolgende traditionelle Menschenkette bildete anders als früher
       keinen geschlossenen Kreis, obschon die Strecke wegen der eingestürzten
       Carolabrücke nur noch halb so lang war wie in anderen Jahren. Statt der
       angekündigten 10.000 Menschen kamen laut offiziellen Angaben 5.000 – in
       früheren Jahren war es durchaus schon das Dreifache gewesen.
       
       Nur 50 Teilnehmer versammelten sich auf dem Heidefriedhof, wo 17.000
       Luftkriegsopfer begraben liegen. Jahrzehntelang bildete die
       Kranzniederlegung hier den Mittelpunkt des Gedenkens, bevor sich die Stadt
       vor zehn Jahren wegen der Unterwanderung durch NPD und AfD zurückzog.
       
       Aktive, die vor 20 Jahren der Nazi-Okkupation des Tages neue Formen
       entgegensetzen wollten, sprechen von einer Krise der Erinnerungskultur. Im
       Gespräch mit der taz betonten Demonstranten einerseits, man dürfe solche
       inszenierten Großaufmärsche von Nazis aus ganz Europa nicht unbeantwortet
       lassen. Andererseits war auch leiser Zweifel zu hören, ob diese stetige
       Wiederholung von Konfrontationsritualen dem Erinnern im Sinne eines „Nie
       wieder“ förderlich sei.
       
       Teile des Dresden-WiEdersetzen-Bündnisses wollen den ihrer Meinung nach
       verlogenen offiziellen „Gedenkzirkus“ abschaffen. „Das städtische Gedenken
       wird nicht von den Rechtsextremen missbraucht, sondern das offizielle
       Gedenken ist per se anschlussfähig. Es baut auf den gleichen
       Opfererzählungen auf“, hatte eine Sprecherin dies [3][im vergangenen Jahr
       in der taz begründet.]
       
       15 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Bartsch
       
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