# taz.de -- Pistorius' Bundeswehr-Strategie: Durchwurschteln zur konventionell stärksten Armee Europas
       
       > Mit einem neuen Konzept möchte die Bundeswehr ihre künftige Ausrichtung
       > definieren. Dass die Dinge schwammig bleiben, sei so gewollt.
       
 (IMG) Bild: Zurück in die Vergangenheit? Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, hier beim Abzug 2021
       
       Mehrfach betont der Verteidigungsminister das Neue an seinem Vorhaben. Mit
       einem strategischen Konzept möchte die Bundeswehr erstmals Leitlinien für
       ihre zukünftige Ausrichtung definieren. Man fragt sich: Auf welcher
       Grundlage haben langfristige Überlegungen denn bisher stattgefunden?
       Unabhängig davon sind die Ideen, die Boris Pistorius präsentiert, so
       schwammig wie überambitioniert.
       
       Mit dem Dokument, das nur in Teilen veröffentlicht ist, schreibt der
       SPD-Verteidigungsminister [1][einen alten Anspruch von Friedrich Merz
       fest]: Die Bundeswehr soll die stärkste konventionelle Armee Europas
       werden. All diejenigen, die darauf verwiesen, wie geschichtsvergessen
       dieser Anspruch ist, sind gescheitert.
       
       Warum ein deutscher Militärapparat mehr Frieden schafft, wenn er explizit
       stärker ist als der seiner Nachbarstaaten – mit Ausnahme von Frankreichs
       Atomwaffen –, bleibt fraglich. Zumal ein gegenseitiges Wettrüsten in Europa
       wirklich das Letzte ist, was uns gerade noch fehlt.
       
       Auch in einer anderen Sache agiert der Verteidigungsminister
       geschichtsvergessen. Es gab schon mal neue Zielsetzungen für die
       Bundeswehr, auch wenn sie damals nicht so hochtrabend angekündigt wurden.
       Anfang der 2000er-Jahre sollte die deutsche Armee zu einer modernen
       Einsatzmacht werden, die schlank und schlagkräftig auf der ganzen Welt
       dienstbereit wäre.
       
       Es war auch dieser Anspruch, der zur Teilnahme [2][am Afghanistankrieg]
       führte, der als blutigster und teuerster Einsatz in die Geschichte einging
       und zudem alle Ziele verfehlte.
       
       Was hat die Bundeswehr daraus gelernt? Wo sollen ihre künftigen
       Schwerpunkte liegen: in der Verteidigung von Bündnis- und Landesgebiet oder
       in abenteuerlichen Einsätzen mit zweifelhaftem Nutzen von Hormus bis in den
       Nordatlantik? Das neue Konzept liefert darauf keine Antwort, außer tolle
       Sätze wie, dass Deutschland für die USA ein „noch stärkerer militärischer
       Verbündeter“ werden müsse. Von strategischer Weitsicht kann hierbei wohl
       keine Rede sein.
       
       22 Apr 2026
       
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