# taz.de -- Bundeswehr in der Straße von Hormus: Minen suchen und Rolle finden
> Noch ist unklar, inwiefern die Bundeswehr die Straße von Hormus
> mitsichern soll. Die Marine präsentiert dennoch schon mal ihre
> Möglichkeiten.
(IMG) Bild: Aktuell in Kiel, aber wie lange noch? Minenjagdboote der Bundeswehr, rechts im Bild die „Sulzbach-Rosenberg“
Vier Minentaucher der Bundeswehr drehen in einem Schnellboot ihre Runden im
Kieler Hafenbecken. Die Soldaten in den schwarzen Neoprenanzügen gehören zu
einer kleinen und elitären Einheit der Marine und könnten bald im Mittleren
Osten gefordert sein – zumindest, wenn man den Ankündigungen der
Bundesregierung glaubt. Demnach könnten deutsche Streitkräfte [1][zu einer
internationalen Mission zur Sicherung der Straße von Hormus] mit einer
Minensuchaktion aufbrechen. Wie und ob so ein Einsatz zustande kommt, ist
unklar. Das hindert die Marine aber nicht daran, schon mal zu
demonstrieren, was sie so kann.
In Kiel hat die Bundeswehr dafür am Donnerstag eine Leistungsschau
organisiert, in der sie fast alles auffährt, was sie für die Minenjagd
bereithält. Neben den Elite-Tauchern zieht im Hafenbecken auch ein Boot
seine Kreise. Es lässt sich ferngesteuert über Wasserminen fahren, um sie
auf diese Weise kontrolliert zur Explosion zu bringen. Im Hintergrund
liegen an zwei Anlegern fünf Minenjagdboote, die unter anderem
Aufklärungsdrohnen für den Unterwasser-Einsatz an Bord haben.
Insgesamt hat die Marine eigentlich zehn dieser 600 Tonnen schweren und aus
antimagnetischem Stahl gefertigten Schiffe. Doch die Kommandeurin des 3.
Minensuchgeschwaders, Inka von Puttkamer, verweist bei der Frage, wie viele
dieser Boote denn einsatzfähig seien, nonchalant auf die „Drittelregelung
der Marine“: etwa ein Drittel der Dinge seien immer einsatzbereit. Heißt:
Die Marine verfügt über etwa drei startklare Minenjagdboote.
Sowohl von Puttkamer als auch [2][der Chef der Marine, Jan Kaack,] wollen
deutlich machen, dass man trotzdem bereit sei, wenn es zu einem Mandat für
einen Bundeswehreinsatz in der Straße von Hormus käme. Beide sagen jedoch,
dass eine solche Mission durchaus für Abstriche an anderen Stellen sorgen
würde. „Wenn die politische Leitung entscheidet, dass wir uns dort
beteiligen, dann haben wir die Möglichkeiten, uns neu zu fokussieren“, sagt
der Marine-Chef. Es gelte, die begrenzten Mittel, über die man verfüge, zu
priorisieren.
## Bundeswehr soll zur „särksten konventionellen Armee Europas“ werden
Von der Notwendigkeit zur Schwerpunktsetzung war allerdings nicht viel zu
hören, als am Vortag Verteidigungsminister Boris Pistorius [3][die
Eckpunkte einer neuen strategischen Grundlage] für die Bundeswehr
präsentierte. Der SPD-Politiker stellte dabei eine Forderung in den Raum,
die auch Bundeskanzler Friedrich Merz immer wieder äußert: „Unsere Ambition
ist und muss sein, die stärkste konventionelle Armee in Europa zu sein“,
sagte Pistorius am Mittwoch.
Er bezeichnete den Nordatlantik und die Straße von Hormus als „die beiden
Pole“ möglicher Einsatzgebiete für die Bundeswehr. Im Nordatlantik sei man
ohnehin fest in die Strukturen der Nato eingebunden. „Auf der anderen Seite
ist die Straße von Hormus für uns von Relevanz, was die Einhaltung der
internationalen regelbasierten Ordnung angeht.“ Hiermit bezog er sich nicht
etwa auf den völkerrechtswidrigen Krieg Israels und der USA gegen Iran,
sondern sagte, man könne nicht zusehen, „wie Meeresengen für die nächsten
Jahre zu Mauttrassen“ würden. „Deswegen haben wir auch da natürlich eine
Aufgabe zu erfüllen.“
Pistorius betonte erneut, dass die Voraussetzung für einen solchen Einsatz
ein entsprechendes Bundestagsmandat und ein Ende der Kampfhandlungen in der
Region seien. Das sehen auch Frankreich und Großbritannien so, die den
ersten Aufschlag für eine solche Mission gemacht hatten. Bei US-Präsident
Donald Trump führte das am vergangenen Wochenende, als die Straße von
Hormus kurzzeitig geöffnet war, zu einem Wutausbruch: Er habe den
Nato-Staaten mitgeteilt, „sie könnten wegbleiben“, weil sie „nutzlos“
gewesen seien, als man sie im Krieg gebraucht habe.
Dass ein irgendwie gearteter Einsatz der Europäer vor den Küsten Irans auch
dazu da wäre, um Trump doch von der Bedeutung internationaler Kooperation
zu überzeugen, kommt beim US-Präsidenten wohl nicht an. Zumal jede Mission
in der Region auf Aufklärungsdaten der USA angewiesen wäre.
All das spielt beim Pressetermin am Kieler Hafenbecken vordergründig keine
Rolle. Die vier Minentaucher pausieren in ihrem Schlauchboot in der Sonne,
als unweit von ihnen ein Tross von Journalist*innen das Minenjagdboot
betritt, um sich von bereitwilligen Marine-Soldat*innen die Geräte zeigen
zu lassen.
Der Schiffskommandant erzählt, dass bis zu 44 Soldat*innen auf das
Schiff passen. Wie die anderen Minenjagdboote der Bundeswehr sei auch die
„Sulzbach-Rosenberg“ für Einsätze auf dem gesamten Globus geeignet. An Bord
befinden sich Drohnen, die entweder per Kabel gesteuert werden oder
einprogrammierte Routen abfahren und so Seeminen entdecken können. Um
selbst keine Detonation auszulösen, haben die Jagdboote fast kein
Magnetfeld und fahren extrem leise.
Auch die vier Minentaucher gehören zur Standardbesatzung eines Bootes. Sie
kommen zum Einsatz, wenn das Wasser etwa zu niedrig für den Einsatz von
Drohnen ist. Die Taucher sind dafür ausgebildet, direkt an Minen
heranzutauchen, um deren Zünder zu entschärfen. In dieser abenteuerlichen
Praxis hat die Bundeswehr tatsächlich jahrzehntelange Einsatzerfahrung –
durch die Beseitigung von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg in Nord-
und Ostsee.
Doch würde das in der Straße von Hormus, an der ganz andere geographische
und klimatische Bedingungen herrschen, genauso klappen? „Wenn es dazu käme,
wären wir bereit“, sagt Fabian Scharf, Chef der Minentaucherkompanie. Für
einen eventuellen Einsatz würde die Bundeswehr nach Angaben von Marine-Chef
Kaack ein Minenjagdboot aus einer aktuellen Nato-Mission herauslösen. Aus
einem anderen Einsatz in der Ägäis könnte man auf ein Versorgungsschiff
zugreifen.
Jenseits der politischen Diskussion, ob es zu einem Einsatz kommt, gibt es
unzählige technische Fragen. Kommandeurin von Puttkamer versucht die
Kern-Herausforderung mit einer rhetorischen Frage zu verdeutlichen: „Wie
viele Minen braucht es, um eine Durchfahrt zu blockieren?“ Die Antwort
schiebt sie selbst direkt hinterher: „Keine einzige.“ Eine Schlagzeile, die
richtig platziert sei, reiche schon aus, um die Welt von der Gefahr glauben
zu machen. „Das ist Minen-Kriegsführung.“
24 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Gueler
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