# taz.de -- Berlin will Mietenkataster einführen: Erstmals pocht der Staat auf Einhaltung der Mietgesetze
> Das von Schwarz-Rot geplante Mietenkataster ist so überfällig wie
> revolutionär. Bei einem Erfolg wird das bundesweit Modellcharakter haben.
(IMG) Bild: Verstöße gegen geltendes Mietrecht sollen per KI ermittelt werden und an zuständige Wohnungsämter gehen
Eins vorweg, um das Problem zu illustrieren. In einem gerade erst
abgeschlossenen Mietvertrag verlangt eins der den Berliner Wohnungsmarkt
dominierenden Unternehmen 13,50 Euro pro Quadratmeter für eine einfache
Zwei-Zimmer-Wohnung. Im Vertrag hat sie gleich 20 weitere Wohnungen
aufgelistet, die, offenbar aus eigenem Bestand, zum gleichen Preis
vermietet werden – zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichmiete. Dabei
liegt die laut Berliner Mietspiegel bei nicht einmal 7 Euro.
Das ist schon keine Frechheit mehr. Mit solchen Wucherverträgen zeigen
Wohnungseigentümern den ausgestreckten Mittelfinger – ihren Kund:innen
und auch der Politik. Die Rechtslage beachten? Aber wieso denn im
rechtsfreien Raum?
Nichts anderes ist der Wohnungsmarkt bisher. Selbst gegen nur rabiat
klingende Gesetzchen wie die Mietpreisbremse wird massiv verstoßen. Weil
die Mieter:innen aus Angst vor Repressalien Klagen scheuen. Und weil der
Staat sich bisher komplett aus der Kontrolle raushält.
Dass sich die in Berlin regierende schwarz-rote Koalition nun [1][auf die
Einführung eines Mietenkatasters für die Hauptstadt geeinigt hat], ist
damit gleichermaßen überfällig wie revolutionär. Künftig sollen alle
Vermieter:innen Mietpreise und Mietpreiserhöhungen, Wohnungsgrößen etc.
an staatliche Stellen melden müssen. Verstöße gegen geltendes Mietrecht
sollen per KI ermittelt werden und an zuständige Wohnungsämter gehen.
Wucherfälle gleich zur Staatsanwaltschaft.
Erstmals will der Staat sich so ernst nehmen, dass er auf die Einhaltung
seiner Mietengesetze pocht. Dass sich selbst die CDU zu so einer Maßnahme
hinreißen lässt, zeigt, wie drängend das Problem ist. Mehr als 2 Millionen
Berliner:innen wohnen zur Miete. Und im September stehen Neuwahlen an.
Klar, es gibt ein paar Haken. Die mehr schlecht als recht regierende
Berliner Koalition kann das Mietenkataster zwar noch als Wahlkampfschlager
durchpeitschen. Ob das dann aber auch technisch umgesetzt wird, ob es genug
Personal in den Wohnungsämtern gibt, die die erwartbare Flut von Verstößen
dann auch abmahnen und ob die Gerichte die Welle der Klagen bearbeiten
kann, wird sich frühestens im nächsten Jahr zeigen – also weit nach der
Wahl.
Aber immerhin macht sich ein Bundesland erstmals dazu auf, die Lage am
Wohnungsmarkt komplett zu erfassen. Bei einem Erfolg in Berlin wird das
bundesweit Modellcharakter haben.
Erwartbar ist, dass die Spekulanten unter den Wohnungsverwertern laut
aufheulen – was ja nichts anderes ist als ein Eingeständnis, dass sie
bisher auf das Mietrecht mit Desinteresse herabschauen. Aber hier gilt
tatsächlich mal das stets von Rechten beim Ausbau von Überwachung
vorgebrachte Argument: Wer sich an die Gesetze hält, hat nichts zu
befürchten.
Die CDU rechnet damit, dass die Neuregelung nur sehr wenige Vermieter
betreffen wird. Damit dürfte sie sich gehörig verrechnet haben.
22 Apr 2026
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