# taz.de -- Wahlsieg von Péter Magyar in Ungarn: Wer sind Magyars Leute?
       
       > Nach dem Wahlsieg der Opposition in Ungarn steht bald die
       > Regierungsbildung an. Offiziell wurden noch keine Minister benannt, doch
       > zwei Namen gelten als so gut wie sicher.
       
 (IMG) Bild: Hat Orbán verscheucht: Péter Magyar nach dem Wahlsieg in Budapest
       
       Im Wahlkampf war Péter Magyar eine One-Man-Show. Die meisten Auftritte und
       Interviews absolvierte der Parteichef selbst – nicht ohne zu betonen, ein
       starkes Team im Rücken zu haben. Nach seinem Sieg bei der ungarischen
       Parlamentswahl steht nun die Regierungsbildung an. Bald könnte die bislang
       zweite Reihe der Partei also in die erste treten.
       
       Bereits für Mittwochvormittag lud Staatspräsident Tamás Sulyok die
       Vorsitzenden der drei künftig im Parlament vertretenen Parteien ein. Das
       sind neben Magyars konservativer Tisza auch Orbáns Fidesz sowie die
       rechtsextreme Kleinpartei Mi Hazánk.
       
       Dabei wird es auch um die nächsten Schritte gehen. Magyar selbst hat es
       eilig. Spätestens bis 12. Mai muss der Präsident laut Verfassung die
       konstituierende Sitzung der neuen Nationalversammlung einberufen, auch den
       Auftrag zur Regierungsbildung erteilt Sulyok. Diesen forderte Magyar in
       seiner ersten Rede neben anderen Fidesz-treuen Amtsträgern in staatlichen
       Institutionen zum Rücktritt auf. Das Klima bei ihrem Treffen könnte also
       eher kühl werden.
       
       Vieles ist noch unklar, doch die neue Kabinettsstruktur soll sich von jener
       der Fidesz-Ära grundlegend unterscheiden. Statt Superministerien plant
       Magyar Ressorts für Gesundheit, Bildung, Umweltschutz und ländliche
       Entwicklung. Das Fehlen eigener Ministerien in diesen Bereichen galt vielen
       als symptomatisch für das Kaputtsparen öffentlicher Dienstleistungen unter
       Orbán, von den Schulen bis hin zu den Krankenhäusern. Wer könnte der neuen
       Regierung angehören? Offiziell bestätigt ist noch niemand, doch zwei Namen
       gelten als so gut wie sicher: Anita Orbán und István Kapitány.
       
       ## Orbán will Ungarn auf EU-Kurs bringen
       
       Anita Orbán, nicht mit dem Nochministerpräsidenten verwandt oder
       verschwägert, dürfte neue Außenministerin werden. Die 51-Jährige stammt aus
       Berettyóújfalu im Osten Ungarns. Nach einem Wirtschaftsstudium in Budapest
       startete sie ihre Laufbahn beim Telekommunikationskonzern Matáv, der
       späteren Magyar Telekom.
       
       Noch vor Viktor Orbáns 16-jähriger Amtszeit kam Anita Orbán mit seiner
       Partei Fidesz in Berührung. Sie gehörte dem inzwischen verschwundenen
       euroatlantischen Flügel der Partei an. Bei der Parlamentswahl 2010 hätte
       sie für die Fidesz kandidieren sollen, zog ihre Kandidatur aber aus
       gesundheitlichen Gründen zurück. Nach Viktor Orbáns deutlichem Sieg in
       ebendieser Wahl wurde sie Sonderbotschafterin für Energiesicherheit im
       ungarischen Außenministerium, bevor sie zurück in die Privatwirtschaft
       ging, unter anderem zu Vodafone. Im Januar 2026 wurde sie außenpolitische
       Sprecherin der Tisza.
       
       Was sie außenpolitisch vertritt, fasste sie einmal so zusammen: Ungarn
       müsse aufhören, ein „Knüppel im Getriebe“ zu sein, und solle vielmehr „eine
       Speiche im Rad“ werden. Ihr Ziel ist die Rückkehr zu einer verlässlichen
       EU- und Nato-Politik nach Jahren der Konfrontation.
       
       ## Beruhigender Wirtschaftsminister
       
       Ein weiterer Name, der dieser Tage kursiert, ist István Kapitány. Der
       64-jährige Manager wird als neuer Wirtschaftsminister gehandelt. Er wuchs
       im Budapester Arbeiterviertel Angyalföld auf und machte laut [1][der
       ungarischen Onlinezeitung Telex] in jungen Jahren eher zufällig einen
       Karrieresprung: Als stellvertretender Leiter des Budapester
       Einkaufszentrums Sugár hatte er einen reklamierenden Kunden so erfolgreich
       beruhigt, dass dieser ihm einen Job anbot. Der Kunde war Manager bei Shell.
       
       Ebendort blieb Kapitány fast vier Jahrzehnte. Er zog Anfang der 1990er nach
       London und übernahm nach Stationen in Deutschland und Südafrika immer
       größere Verantwortung. Als globaler Shell-Vizepräsident verantwortete er
       zuletzt mehr als 45.000 Tankstellen in über 80 Ländern. 2024 trat er in den
       Ruhestand, bevor er Anfang 2026 als Sprecher für wirtschaftliche
       Entwicklung und Energie bei Tisza anheuerte.
       
       Seine Forderung nach einer Abkehr vom russischen Gas machten ihn zur
       Zielscheibe von Orbáns Propaganda, die ihn als Agenten westlicher
       Ölkonzerne darstellte. Pikant dabei: Ungarns Fidesz-Außenminister Péter
       Szijjártó, dessen überaus enge Verbindungen nach Russland kürzlich bekannt
       wurden, hatte Kapitány noch im Sommer 2023 persönlich mit dem Ungarischen
       Verdienstorden ausgezeichnet. Nun soll er tun, was Szijjártó ihm damals
       bescheinigte: sein Wissen in den Dienst des Landes stellen – nur eben für
       einen anderen Chef.
       
       Unterdessen hat sich der geschlagene Viktor Orbán in einem Facebook-Video
       erstmals nach der Wahl öffentlich geäußert. Mehr als 2,25 Millionen Ungarn,
       der „patriotische Teil des Landes“, hätten Fidesz ihre Stimme gegeben. Mit
       dieser Zahl hat seine Partei 2014 noch einen „großartigen Sieg“ erlangt,
       sagte Orbán. Diesmal habe dasselbe Ergebnis bloß für eine „respektable
       Leistung und eine Niederlage“ gereicht.
       
       Die „Patrioten“ könnten jedoch auch weiterhin auf Fidesz zählen, sagte
       Orbán, denn die Partei werde die Errungenschaften der letzten Jahre
       „verteidigen“. Für den 28. April kündigte er eine Sitzung der nationalen
       Parteigremien an, um sich neu aufzustellen. Es ist der erste Schritt in
       eine Oppositionsrolle, die Orbán nach 16 Jahren Regierungsmacht erst wieder
       erlernen muss.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://telex.hu/english/2026/01/20/tisza-party-enlists-former-global-executive-vp-of-shell
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Florian Bayer
       
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