# taz.de -- Aktuelle Stunde zu Wahlen in Ungarn: Bundestag feiert Orbáns Niederlage
> Die demokratischen Fraktionen sind sich einig: Das Wahlergebnis in Ungarn
> ist eine Chance für Europa. Die AfD versucht sich an Umdeutungen.
(IMG) Bild: CDU-Außenminister Johann Wadephul und Agnieszka Brugger von den Grünen am Donnerstag im Bundestag
Vier Tage nach der Wahl in Ungarn ist im Bundestag deutlich zu spüren, wie
froh die demokratischen Parteien über den Ausgang derselben sind. Rednerin
nach Redner treten am frühen Donnerstagnachmittag im Bundestag ans
Redepult, feiern die Niederlage von Viktor Orbán und den nun anstehenden
Regierungswechsel in Ungarn, wo Péter Magyar und die von ihm geführte
Tisza-Partei [1][einen beeindruckenden Wahlsieg hingelegt haben].
„Das ist nicht nur eine schwere Niederlage für Viktor Orbán, sondern
insbesondere auch eine schwere Niederlage für Putin, die MAGA-Bewegung und
alle, die der illiberalen Demokratie das Wort reden“, sagt Gunther
Krichbaum (CDU), Staatsminister im Auswärtigen Amt. Metin Hakverdi von der
SPD spricht von einem „Aufstand der Demokarten“, die Grüne Agnieszka
Brugger von einem „kleinen Wunder“ und Janina Böttger von den Linken
urteilt, dies sei eine „vernichtende Niederlage für einen Mann, der sich
für unbesiegbar hielt“. Die Aktuelle Stunde unter dem Titel „Ungarn nach
der Wahl – neue Chance für Europa“ hatten Union und SPD beantragt.
Eine Ausnahme gibt es natürlich: AfD-Politikerin Beatrix von Storch
definiert Orbáns 16-jährige Regierungszeit flugs zu einer „erfolgreichen
Ära“ um. Ihr Parteifreund Markus Frohnmaier kritisiert, dass Orbán als
„Diktator“ bezeichnet werde. Das sei schon deshalb falsch, weil dieser
seine Niederlage anerkannt habe. Wäre Frohnmaier derart über das Ziel
hinausgeschossen, hätte er damit sogar einen Punkt machen können. Die
Frage, ob in Orbáns illiberalen Demokratie eine Abwahl überhaupt noch
möglich war, stellte sich durchaus. Nur hat niemand Orbán als „Diktator“
bezeichnet.
Krichbaum spricht von einer „schallenden Ohrfeige für alle, die Europa
schwächen wollten und auch weiter schwächen wollen“ – und [2][meint
selbstverständlich auch die AfD damit]. Sie hätten mit Orbán einen ihrer
treuesten Verbündeten verloren. In Ungarn gebe es nun die Möglichkeit, „den
Rechtsstaat wieder zu etablieren“, und für die Ukraine die Chance, dass der
von Orbán blockierte 90-Milliarden-Euro-Kredit freigegeben werde.
## Aussicht auf Freigabe der eingefrorenen Milliarden
Auch stellt Krichbaum in Aussicht, dass die EU die fast 20 Milliarden, die
sie unter anderem wegen Rechtsstaatsverfahren eingefroren hatte, nun an
Ungarn auszahlen könnte. Die Bereitschaft dazu ist in der Union vermutlich
umso größer, als Magyars Tisza-Partei konservativ und wie die CDU und CSU
Teil der Europäischen Volkspartei (EVP) ist. Man reiche ihm die Hand, „weil
wir wissen, dass er ein Christdemokrat und ein Europäer ist“, wird der
CDU-Abgeordnete Tilman Kuban später in der Debatte sagen.
Die anderen Fraktionen betonen stärker, dass die EU das „Zeitfenster“ vor
der Wahl in Frankreich im kommenden Jahr nutzen und überfällige Reformen
auf den Weg bringen müsse. Die Wahl in Ungarn sei ein „Aufbruchssignal“, so
SPD-Mann Hakverdi. Er verwies vor allem auf das Prinzip der Einstimmigkeit,
das in der EU in vielen Fragen, insbesondere in der Außen- und
Sicherheitspolitik, noch immer gelte und Entscheidungen auf europäischer
Ebene erschwere. „Jetzt, genau jetzt“ sei der richtige Zeitpunkt für
Reformen, sagt Hakverdi.
Die grüne Fraktionsvize Brugger wirft Orbán vor, europäische
Sicherheitsinteressen an Russland verraten zu haben. In Richtung EU fordert
sie, jetzt nicht denselben Fehler zu machen wie nach der Abwahl von
US-Präsident Donald Trump nach dessen ersten Amtszeit. Man dürfe sich nicht
zurücklehnen und abwarten. Brugger kritisiert zudem die Union, die Orbán
viel zu lange hofiert, und die EVP, die ihn viel zu lange unterstützt habe.
Orbán und seine Fidesz-Partei gehörten bis 2021 zur EVP-Fraktion im
Europäischen Parlament.
Die Linken-Abgeordnete Böttger betont, dass rechtsextreme Netzwerke mit
Orbán „ihren wichtigsten Knotenpunkt und Vordenker verloren“. Die Wahl in
Ungarn zeige, dass der Trend zu mehr Rechtspopulismus „nicht in Stein
gemeißelt“ sei. Für die EU bedeute dies „eine Chance, Reformen anzustoßen“,
und „eine Atempause, vielleicht die letzte“.
## Linke appelliert an Wadephul wegen Maja T.
Böttger, die europapolitische Sprecherin ihrer Fraktion, fordert zudem von
Außenminister Johann Wadephul (CDU), sich für Maja T. einzusetzen. [3][Die
non-binäre Thüringer Antifaschist*in sitzt seit fast zwei Jahren in
Ungarn in Haft.] Wadephul solle mit Magyar Kontakt aufnehmen und fordern,
dass T. nach Deutschland verlegt werde oder zumindest bessere
Haftbedingungen bekomme.
Die von Magyar geführte Tisza-Partei hatte bei der Wahl in Ungarn am
Sonntag die absolute Mehrheit der Stimmen und eine Zweidrittelmehrheit im
Parlament erhalten. Die Hoffnung: dass Péter Magyar die von Orbán
vorgenommenen Schleifungen an Demokratie und Rechtsstaat revidiert.
16 Apr 2026
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