# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Osterwaffenstillstand immer wieder gebrochen
       
       > Die Ukraine und Russland werfen sich gegenseitig vor, den auf nur 32
       > Stunden angelegten Waffenstillstand immer wieder gebrochen zu haben.
       
 (IMG) Bild: Ein Mann steht mit seinem Hund vor der Ruine eines Hauses in Odessa, das von einer russischen Drohne getroffen wurde
       
       Die einschlägigen Telegram-Kanäle aus Kyjiw, Odessa und Charkiw sowie der
       Kanal von Ihor Terechow, dem Bürgermeister von Charkiw, waren still in der
       Nacht zum orthodoxen Ostersonntag. Auch der Kanal der ukrainischen
       Luftwaffe, der in der Regel mehrmals die Stunde vor russischen
       Luftangriffen warnt, hat seit Beginn des Osterwaffenstillstandes nur
       zweimal vor einem möglichen Luftangriff gewarnt.
       
       Nichts hatte es aus den meisten ukrainischen Großstädten in der Nacht zu
       Sonntag zu berichten gegeben. Es wäre ein schöner Osterwaffenstillstand
       geworden, wenn wirklich überall die Drohnen, Raketen und Marschflugkörper
       geschwiegen hätten.
       
       Doch leider wurde der österliche Waffenstillstand, der von Samstag 16 Uhr
       bis Sonntag 24 Uhr gelten sollte, mehrfach verletzt. Vor allem in der
       ostukrainischen Metropole Saporischschja und Umgebung.
       
       Gut zwei Stunden nach Inkrafttreten des Waffenstillstands, so berichtet der
       Telegram-Kanal „Trucha Saporischschja“, hätten russische Einheiten unweit
       der Ortschaft Gulajpolje auf verwundete ukrainische Soldaten geschossen,
       die evakuiert werden sollten. Kurz vor Mitternacht berichtet derselbe Kanal
       von Explosionen in der Stadt Saporischschja. Und am Sonntagmorgen berichtet
       „Trucha Saporischschja“ von sechs bis sieben Drohnen, die man im Gebiet
       Saporischschja gesichtet habe.
       
       ## Beide Seiten zählen je um die 2.000 Verstöße der Gegenseite
       
       Nach Samstag 16 Uhr habe man insgesamt 479 Fälle von Beschuss und 1.800
       Angriffe mit kleineren Drohnen registriert, berichtet der ukrainische
       Generalstab. „Schläge mit Raketen, Gleitbomben und Drohnen vom Typ Shahed
       gab es nicht“, teilte der Generalstab weiter mit. Das ukrainische Portal
       rbc.ua berichtet, russische Einheiten hätten am Samstag unweit der
       Ortschaft Veterinarnoe bei Charkiw vier ukrainische Kriegsgefangene
       erschossen.
       
       Russische Behörden und staatliche Medien beschuldigen hingegen ihrerseits
       die Ukraine der Verletzung des Waffenstillstands. So berichtet das
       russische Verteidigungsministerium, ukrainische Streitkräfte hätten
       insgesamt 1971-mal gegen die Feuerpause verstoßen. Und der Gouverneur der
       Region Kursk, Alexander Chinschtein, erklärte, man habe innerhalb von 24
       Stunden 15 ukrainische Drohnenangriffe auf das Gebiet registriert.
       
       Auch regionale russische Behörden, etwa in Belgorod, meldeten Angriffe
       durch ukrainische Drohnen und Artillerie. Dabei seien Zivilisten verletzt
       oder getötet worden.
       
       Kurz vor Beginn der Feuerpause hatten beiden Seiten am Samstag je 175
       gefangene Soldaten ausgetauscht. Die ukrainische Seite ist an einer
       Fortführung des Waffenstillstands über den Ostersonntag hinaus
       interessiert. Nach ukrainischen Angaben hat Kyjiw Moskau vorgeschlagen, die
       Oster-Waffenruhe über die Feiertage hinaus zu verlängern. Präsident
       Wolodymyr Selenskyj betonte, dass ein längerer Waffenstillstand ein Schritt
       in Richtung Frieden sein könnte.
       
       Russland scheint daran nicht interessiert zu sein. Der Sprecher des
       russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, ein stabiler Frieden könne
       „praktisch sofort“ erreicht werden, wenn der ukrainische Präsident
       Selenskyj „bekannte Entscheidungen“ treffe.
       
       Mit dieser etwas verklausulierten Formulierung meint Peskow, dass die
       Waffen erst schweigen, wenn sich die Ukraine aus dem Donbass zurückziehen
       würde. Peskow betonte laut gazeta.ru, solange Selenskyj diese Schritte
       nicht unternehme und die Verantwortung dafür nicht übernehme, werde die von
       Russland als „spezielle militärische Operation“ bezeichnete Offensive
       fortgesetzt. Selenskyj hat einen ukrainischen Rückzug aus dem Donbass
       wiederholt abgelehnt.
       
       ## Selenskyj sieht Fortschritte bei Verhandlungen
       
       Selenskyj erklärte in einer Ansprache, dass die Ukraine aktiv mit
       internationalen Partnern an Sicherheitsgarantien und Verhandlungen arbeite.
       Besonders die Zusammenarbeit mit den USA und europäischen Staaten werde
       intensiv fortgesetzt.
       
       In diesem Zusammenhang berichtete er auch vom Ausbau der ukrainischen
       Rüstungsexporte. Am Montag werde Rustem Umerow, Sekretär des Nationalen
       Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, einen ausführlicher
       Bericht vorlegen, der über sämtliche Vereinbarungen im Nahen Osten
       informiere. Dabei soll es um Abkommen in der Golfregion gehen, bei denen es
       vor allem um den Export ukrainischer Sicherheits- und
       Verteidigungsleistungen gehe. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte
       Selenski den Golf-Staaten Unterstützung bei der Abwehr iranischer Drohnen
       zugesagt.
       
       12 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
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