# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Mindestens 16 Tote nach nächtlichen russischen Luftangriffen
> In der Nacht zu Donnerstag hat Russland die Ukraine massiv mit Drohnen
> und Raketen angegriffen. Auch Russland wurde von ukrainischen Drohnen
> getroffen.
(IMG) Bild: Der Horror des russischen Drohnenbeschusses geht weiter. Ukrainerinnen vor zerstörtem Wohnhaus in Kyjiw, 16. April
Wieder einmal hat es in Kyjiw in der Nacht zu Donnerstag gedonnert, mal in
der Ferne, mal in der Nähe. Mal waren es Explosionen, mal war es das Surren
der „Mopeds“, wie die Drohnen genannt werden. Mal war es
Maschinengewehrfeuer.
Viele Einwohner der ukrainischen Hauptstadt haben sich um 2 Uhr nachts noch
die Frage gestellt: Jetzt noch schnell in den Schutzraum rennen oder besser
zu Hause bleiben, die Nacht in einem fensterlosen Raum verbringen? „Wenn
ich jetzt draußen noch bis zu einem Schutzraum laufe“, so überlegt der
35-jährige Ilja, „setze ich mich einer besonderen Gefahr aus. Ich bleibe in
meiner Wohnung“. Dann holt er sich seine Isomatte und seinen Schlafsack und
legt sich in den Flur seiner Wohnung.
Zahlreiche Personen verlassen am Morgen die Metrostation Polytechnisches
Institut in Kyjiw, in der einen Hand eine Tasche, in der anderen eine
Isomatte. [1][Sie haben die Nacht offensichtlich unter der Erde auf den
Bahnsteigen verbracht].
Eine riesige Rauchwolke und Rußgeruch hängen über der Stadt. Das kommt ganz
offenkundig von einem Feuer, irgendwo in der Nähe des Hauptbahnhofs. „Da
wohne ich, direkt über meinem Haus haben die heute eine Drohne
abgeschossen“, sagt eine redselige Verkäuferin am Kaffeestand am zentralen
Busbahnhof. Und während sie das sagt, heulen wieder die Sirenen.
## Tote und Verletzte in der Ukraine
Bei einer neuen Welle russischer Angriffe in der Nacht zum 16. April sind
in mehreren ukrainischen Städten mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen
und zahlreiche weitere verletzt worden. Besonders betroffen waren Kyjiw,
Odessa und Dnipro.
In Kyjiw, so Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram, seien mindestens
vier Menschen ums Leben gekommen – darunter auch ein 12-jähriger Junge. 60
Personen wurden verletzt, so Klitschko.
[2][In der Hafenstadt Odessa] wurden mindestens acht Menschen getötet und
26 weitere verletzt. Mindestens vier Tote gab es auch in der Großstadt
Dnipro, mindestens 34 Menschen wurden verletzt, zahlreiche Brände brachen
gleichzeitig in verschiedenen Teilen der Stadt aus. Auch die ostukrainische
Großstadt Charkiw meldete mindestens zwei Verletzte.
## Angst vor Vernichtung in Odessa
[3][„Eine albtraumhafte Nacht in der ganzen Ukraine!“], textet die in der
Hafenstadt Odessa lebende Bloggerin Ekaterina Bogachinskaya auf Facebook.
„Sie vernichten uns Tag und Nacht! Jeder Tag ist ein Tag der Trauer – ein
Tag der Angst in einem Spiel wie russisches Roulette. Hat man Glück oder
nicht?“ Es ist vor allem Ohnmacht, die sie fühlt.
„Ich kann mich nicht damit abfinden, dass ich hier nur ein zitterndes Wesen
bin, weder meine Worte noch meine Taten etwas in dieser Welt verändern
können.“ Ihre Heimat verlassen will Bogachinskaya dennoch nicht: „Und
trotzdem bleiben wir hier, glauben, hoffen, leben.“
In der russischen Grenzregion Oblast Belgorod sind unterdessen nach Angaben
des Gouverneurs Wjatscheslaw Gladkow infolge von Angriffen ukrainischer
Streitkräfte ebenfalls mehrere Menschen zu Schaden gekommen.
Angriffe wurden auch aus der Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer gemeldet.
Dort starben durch ukrainische Drohnen zwei Kinder, teilte der Gouverneur
des Gebietes Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, mit. Er sprach von einem
massiven Angriff auf die Stadt, der einen großen Brand ausgelöst habe.
Tuapse ist einer der wichtigsten Häfen im Süden Russlands und dient als
Drehscheibe für den Export von Erdölprodukten, Kohle und Düngemittel.
## Großbritannien sagt Ukraine große Drohnenlieferung zu
Derweil hat auf dem 34. Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe, einem Bündnis
aus 57 Ländern und der EU, Großbritannien zugesagt, der Ukraine bis Ende
2026 mehr als 120.000 Drohnen verschiedener Typen zu liefern. Das teilte
das britische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Die Auslieferung
der Drohnen solle bereits im April beginnen, hieß es in der Erklärung.
„Während in den letzten Wochen alle Augen auf den Nahen Osten gerichtet
waren, will Putin uns ablenken, aber die Ukrainer kämpfen weiterhin mit
großem Mut, und nichts wird uns davon abhalten, ihnen so lange zur Seite zu
stehen, wie es nötig ist, um den Frieden zu sichern“, sagte der britische
Verteidigungsminister John Healey. (mit rtr)
16 Apr 2026
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