# taz.de -- Tödliche Verkehrsunfälle: Tempo 30 kann Leben retten
       
       > Eine neue Studie zeigt: Wenn Autos langsamer fahren, kollidieren sie
       > deutlich seltener mit Fußgänger:innen. Was Unfallforscher:innen nun
       > fordern.
       
 (IMG) Bild: Städte und Gemeinden haben bereits mehr Spielraum bei der Einführung von Tempo-30-Zonen
       
       402 Fußgänger:innen wurden im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen in
       Deutschland getötet – und viele von ihnen hätten wahrscheinlich überlebt,
       wenn die beteiligten Fahrzeuge langsamer gefahren wären. Das ist das
       [1][Ergebnis einer Studie zu den Gründen und zum Hergang von
       Fußgängerunfällen], die Unfallforscher der Björn Steiger Stiftung am
       Donnerstag in Münster vorgestellt haben. Innerorts sollten Städte und
       Gemeinden die Regelgeschwindigkeit deshalb von 50 Kilometern pro Stunde auf
       30 drosseln, fordert die Stiftung.
       
       Für die Studie haben Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung, und
       sein Team Daten des Statistischen Bundesamtes und polizeiliche
       Unfallstatistiken ausgewertet. Die Aufschlüsselung der Unfälle in Ursache
       und Ablauf bezieht sich vor allem auf das Jahr 2024, weil die Daten für das
       letzte Jahr noch nicht vollständig vorliegen.
       
       2024 starben demnach 402 Fußgänger:innen bei Unfällen im
       Straßenverkehr, jede siebte aller im Straßenverkehr getöteten Personen war
       zu Fuß unterwegs. 4.950 Fußgänger:innen wurden schwer, 23.033 leicht
       verletzt. Die meisten, 349 der 402 Menschen, wurden bei Kollisionen mit
       einem Pkw getötet. Rechnet man die Zahl der Todesfälle mit der Zahl der
       Verletzungen zusammen, kamen 27.559 Fußgänger:innen bei Unfällen mit
       Autobeteiligung zu Schaden – auch hier entfiel also ein großer Teil der
       insgesamt 28.385 Unfälle mit geschädigten Fußgänger:innen auf
       Kollisionen mit einem Pkw.
       
       Und: Autofahrer:innen verursachten die meisten dieser 27.559 Unfälle,
       bei denen Fußgänger:innen entweder getötet oder verletzt wurden. Nur
       etwas mehr als ein Viertel – 7.556 – der schweren Unfälle geht auf das
       Konto derjenigen, die zu Fuß gingen.
       
       ## Mehr Spielraum bei Tempo 30
       
       Die meisten der schweren Unfälle waren sogenannte Überschreiten-Unfälle,
       passierten also außerhalb von Kreuzungen, wenn Fußgänger:innen die
       Pkw-Fahrbahn überqueren wollten. In einem von vier Fällen kollidierten
       Autos und Zufußgehende an Zebrastreifen.
       
       Zebrastreifen müssten daher so gestaltet werden, dass sie nicht nur eine
       „Scheinsicherheit“ vermitteln, fordert Unfallforscher Brockmann. Außerdem
       gelte rund um die meisten Fußgängerüberwege Tempo 50, besonders dort
       sollten Kommunen laut Brockmann Tempo 30 anordnen. Zwischen 2021 und 2024
       passierten ganze vier von fünf Überschreiten-Unfällen in Tempo-50-Zonen,
       einer von fünf bei Tempo 30.
       
       Seit sich Bund und Länder vor knapp zwei Jahren auf eine Reform des
       Straßenverkehrsgesetzes und der Straßenverkehrsordnung geeinigt haben,
       haben Städte und Gemeinden mehr Spielraum bei der Einführung von
       Tempo-30-Zonen. Der müsse kurzfristig ausgenutzt werden, meint Brockmann.
       Außerdem will die Bundesregierung bis 2030 die Zahl der Verkehrstoten um 40
       Prozent senken. 2025 allerdings wurden [2][im deutschen Straßenverkehr mit
       2.840 mehr Menschen getötet als im Vorjahr] – 2024 waren es 2.770.
       
       ## Unfallopfer: meist Kinder oder Senior:innen
       
       Siegfried Brockmann ergänzt, dass viele Unfälle durch regelkonformes
       Verhalten vermieden werden könnten. Autofahrer:innen etwa müssten sich
       [3][die Gefahr zu schnellen Fahrens] bewusst machen, Fußgänger:innen
       bei der Straßenüberquerung aufpassen, Eltern auf ihre Kinder achten. Bei
       schweren Unfällen nämlich waren die Fußgänger:innen meist Kinder oder
       Senior:innen. Laut der Studie traten viele Kinder unvermittelt auf die
       Straße, Senior:innen wurden „häufig einfach nur übersehen“.
       
       Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach sich derweil
       besonders für eine sichere Radverkehrsinfrastruktur aus, dafür hätten
       Bundesländer und Kommunen zu sorgen. Der [4][diesjährige Fahrrad-Monitor],
       eine Studie des Sinus-Instituts im Auftrag des Ministeriums, zeigt, dass
       fast neun von zehn der radfahrenden Kinder gerne mit dem Fahrrad unterwegs
       sind. Allerdings klagen mehr als drei Viertel über Unsicherheiten gegenüber
       dem Autoverkehr. Schnieder ist seinerseits seit knapp einem Jahr Nationaler
       Radverkehrsbeauftragter. Eine Anfrage der taz, welche Maßnahmen er seitdem
       für den Radverkehr ergriffen hat, ließ sein Ministerium bislang
       unbeantwortet.
       
       23 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.steiger-stiftung.de/presseartikel/tempo-30-in-ortschaften-schuetzt-fussgaenger-erhebliche-maengel-an-fussgaengerueberwegen/
 (DIR) [2] https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/_inhalt.html
 (DIR) [3] /Illegale-Autorennen-in-Deutschland/!6170576
 (DIR) [4] https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Radverkehr/fahrradmonitor.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
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