# taz.de -- Energiepreise weiter hoch: Ölmarkt bleibt angespannt
> Die Bundesregierung sieht hinsichtlich der Straße von Hormus keinen Grund
> zur Entwarnung. Union und SPD reden weiter über Entlastungen.
(IMG) Bild: In Europa gibt es keinen Mangel an Öl und Gas, aber die Preise sind stark gestiegen. Eine Tankstelle in Pasewalk
Nach Bekanntwerden der Waffenruhe im Nahen Osten sind die Ölpreise stark
gesunken. Trotz der Feuerpause wird die Lage an den Energiemärkten aber
zunächst angespannt bleiben.
Die USA und Iran haben vereinbart, die [1][Straße von Hormus] wieder zu
öffnen – ein zentraler Handelsweg. Unter welchen Bedingungen dies geschehen
kann, war am Mittwoch noch unklar. Nach Angriffen der USA und Israels hatte
Iran nur noch wenige Schiffe die Meerenge passieren lassen. Das brachte den
globalen Ölmarkt unter Druck. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls
und Gases sowie viele andere Rohstoffe werden über diese Route
transportiert.
Die Preise für Öl und Gas auf dem Weltmarkt sind wegen der Verknappung seit
Kriegsbeginn Ende Februar stark gestiegen. Zwar sanken sie in der Nacht zu
Mittwoch, blieben aber deutlich über dem Vorkriegsniveau. Ein Barrel der
Nordsee-Sorte Brent kostete etwa ein Drittel mehr als vor dem Krieg. An
deutschen Tankstellen war der Preisanstieg am Mittwoch der niedrigste seit
Einführung der 12-Uhr-Regel, die nur eine tägliche Preisänderung erlaubt.
Dennoch lagen die Preise laut ADAC im Schnitt – bei 2,208 Euro für einen
Liter E10 und 2,471 Euro für Diesel – weiterhin auf hohem Niveau.
Über die Straße von Hormus werden vor allem asiatische Länder beliefert.
Dort herrscht bereits Energiemangel, auf den einzelne Länder mit
Rationierungen reagiert haben. In Europa gibt es zwar keinen Mangel, doch
die Preise für Sprit und Brennstoffe sind stark gestiegen. Anders als viele
EU-Länder hat die deutsche Regierung bisher wenig unternommen, um die
Spritpreise zu senken. Seit einer Woche gilt die neue Preisregel für
Tankstellen, doch die Preise für Benzin und Diesel klettern weiter von
Rekord zu Rekord.
## 800 Schiffe im Persischen Golf
Auch wenn das jetzt erst einmal vorbei sein dürfte, wird sich die Lage
nicht schnell entspannen – vorausgesetzt, die Straße von Hormus bleibt über
den zweiwöchigen Waffenstillstand hinaus überhaupt geöffnet. Zunächst muss
sich der Stau von Tankern und Containerschiffen auflösen, der im Persischen
Golf entstanden ist. Zurzeit liegen dort 800 Schiffe, darunter 426 Öltanker
und mehr als 50 Tanker mit Gas. Im Schnitt durchqueren in Friedenszeiten
135 Schiffe pro Tag die Meerenge. Sie werden aber erst fahren, wenn die
Schiffsversicherer die Lage für sicher halten und grünes Licht geben.
Der Chef der größten deutschen Reederei, Rolf Habben Jansen von
Hapag-Lloyd, erwartet für die kommenden sechs bis acht Wochen noch Probleme
auf den Routen in der Region. Noch gravierender: Viele Öl- und
Gasproduktionsanlagen in der Region sind zerstört, die Instandsetzung wird
lange dauern. Intakte Anlagen haben die Produktion wegen voller Lager
gedrosselt.
Die Rückkehr zur Vorkriegssituation wird dauern – selbst bei einem
dauerhaften Frieden. Hohe Energiepreise und gestörte Lieferketten treiben
die Inflation und bremsen das Wirtschaftswachstum. Das
Bundesfinanzministerium unter SPD-Chef Lars Klingbeil sieht keinen Grund
zur Entwarnung. „Die Lage ist weiterhin volatil, die bisherigen
Auswirkungen des Krieges sind enorm“, sagt ein Sprecher des
Bundesfinanzministeriums. Das Ministerium beobachte die Lage sehr
aufmerksam und prüfe weiterhin Maßnahmen für gezielte Entlastungen der
Bürger:innen. „Dazu stehen wir auch innerhalb der Bundesregierung in einem
engen Austausch“, sagt er.
Klingbeil schlägt unter anderem einen Preisdeckel für Sprit und die
Einführung einer Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne vor. Beides lehnt
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vehement ab. Sie ist für
eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Dafür wird sie aber aus den [2][eigenen
Reihen kritisiert, weil die Entlastung erst zeitversetzt wirkt und vor
allem Besserverdienende begünstigt.]
Unionsfraktionsvize Sepp Müller hat sich dafür ausgesprochen, auch
angesichts der Entspannung am Persischen Golf, weiter über Entlastungen für
Bürger:innen zu beraten. Viele andere Länder in der EU haben schon
längst etwas unternommen, um die Bürger:innen zu entlasten. Ungarn,
Polen und Italien zum Beispiel versuchen, mit Preisdeckeln für Sprit oder
Steuersenkungen die Energiepreise in den Griff zu bekommen.
Eine schnelle Senkung der Stromsteuer fordert der frühere grüne
Staatssekretär und heutige Bundestagsabgeordnete Michael Kellner. Damit
würden Bürger:innen umgehend entlastet – auch die ohne Auto. „Wir müssen
weggkommen von den fossilen Energien“, betont er. Deshalb müsse die
Regierung die nötige Elektrifizierung etwa des Verkehrs vorantreiben. Dabei
sieht er allerdings auch die Autoindustrie in der Pflicht. Kellner: „Warum
bieten die Autobauer nicht in den kommenden Monaten selbst einen Bonus für
den Kauf eines E-Autos an?“
8 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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