# taz.de -- Hohe Spritpreise: Wirtschaftsweise Grimm findet Tempolimit gut
       
       > Tanken bleibt teuer. Sprit sparen könnte helfen – zum Beispiel, indem das
       > Tempo im Verkehr gedrosselt wird. Umweltverbände haben andere Ideen.
       
 (IMG) Bild: Demonstrierten schon 2022 für ein Tempolimit: Aktivist:innen der Letzten Generation vor dem Bundesverkehrsministerium
       
       dpa/taz | Im Kampf gegen die explodierenden Spritpreise kann die Ökonomin
       Veronika Grimm einem Tempolimit auf den Straßen einiges abgewinnen. „Das
       wäre kein Schaden – vielleicht sogar ein kluges Signal, damit die Menschen
       die Situation ernst nehmen“, [1][sagte Grimm der Rheinischen Post]. „Viele
       Länder des globalen Südens haben schon einschneidende Maßnahmen umgesetzt
       wie Homeofficepflicht und Einschränkung der Fahrzeugnutzung. Je mehr wir
       verbrauchen, desto schlimmer trifft es letztlich diese Länder.“
       
       Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte angesichts der Ölkrise
       infolge des Irankriegs bereits [2][zu Maßnahmen geraten, die den
       Ölverbrauch senken]. Mehr Homeoffice, ein Absenken des Tempolimits auf
       Straßen sowie das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel könnten demnach
       den Spritverbrauch reduzieren, empfahl die IEA unlängst. Auch
       Umweltverbände in Deutschland machen sich [3][immer wieder für ein
       Tempolimit stark].
       
       Trotz des jüngsten Maßnahmenpakets der Bundesregierung gegen die
       Verteuerung der Spritpreise haben die Mineralölkonzerne den Dieselpreis in
       Deutschland so hoch getrieben wie nie zuvor. Im bundesweiten
       Tagesdurchschnitt kostete ein Liter am Mittwoch 2,327 Euro und übertraf
       damit den alten Rekord aus dem März 2022 um 0,6 Cent, wie aus [4][Daten des
       ADAC] hervorgeht. Auch Superbenzin E10 verteuerte sich weiter: Der
       bundesweite Durchschnittspreis lag laut ADAC bei 2,129 Euro je Liter, ein
       neuer Jahreshöchststand.
       
       Die Wirtschaftsweise Grimm, die im Sachverständigenrat zur Begutachtung der
       gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sitzt, hält die [5][bisherigen
       Maßnahmen] für wenig wirksam: „Die Regierung muss die Preise wirken lassen,
       damit die Energienachfrage sinkt. Tankrabatte und Preisdeckel verzerren die
       Preise, sie sind der falsche Weg. Auch von der Übergewinnsteuer halte ich
       nichts.“
       
       ## BUND und VdK für Mobilitätsgeld
       
       Die neue Regel, nach der Spritpreise an den Tankstellen nur noch einmal
       täglich um 12 Uhr mittags erhöht werden dürfen, nannte sie „vermutlich noch
       das geringste Übel“. Die Menschen erwarteten, dass etwas getan wird, „also
       tut man etwas“.
       
       Um die hohen Preise an den Zapfsäulen sozial gerecht abzufedern, hatten der
       Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und der Sozialverband VdK schon am
       Donnerstag einen anderen Vorschlag gemacht. „Auch wenn die Kosten für
       Diesel und Benzin in nächster Zeit wieder sinken sollten, werden sie doch
       perspektivisch grundsätzlich eher steigen“, sagte Jens Hilgenberg, Leiter
       Verkehrspolitik beim BUND. Deshalb solle die aktuelle Regelung der
       Entfernungspauschale, die sogenannte Pendlerpauschale, in ein
       Mobilitätsgeld umgewandelt werden.
       
       Nachdem die Mineralölkonzerne die Preise für Benzin und Diesel in
       Deutschland so deutlich erhöht hatten, waren [6][Forderungen nach einer
       höheren Pendlerpauschale] laut geworden. Das wäre jedoch „sozial ungerecht
       und klimapolitisch kontraproduktiv“, findet der BUND. Aktuell komme die
       Entfernungspauschale vor allem Menschen mit hohem Einkommen und weiten
       Pendelstrecken zugute, Menschen mit niedrigem Einkommen und niedrigem
       Steuersatz würden kaum entlastet. Von einer höheren Pendlerpauschale würden
       also wiederum vor allem Gutverdienende profitieren.
       
       Ein Mobilitätsgeld solle stattdessen unabhängig vom Einkommen und
       unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel ausgezahlt werden, das mache
       preiswertere und klimafreundlichere Alternativen zum Auto attraktiver – den
       Nahverkehr zum Beispiel oder das E-Bike. „Es könnte ein fester Betrag pro
       Pendelkilometer mit der Steuer verrechnet oder direkt ausgezahlt werden“,
       schlägt der BUND vor.
       
       ## Deutschlandticket und Sozialticket
       
       Ergänzend dazu müsse das [7][Deutschlandticket stabil bei seinem aktuellen
       Preis] bleiben und um ein Sozialticket ergänzt werden, um weiterhin
       Menschen zur Nutzung des Nahverkehrs zu motivieren.
       
       „Mobilität darf keine Frage des Geldbeutels sein“, betont auch der
       Sozialverband VdK. BUND-Experte Hilgenberg fordert mehr Angebote im
       öffentlichen Verkehr, besonders in ländlichen Regionen. „Nur so kann es den
       Menschen ermöglicht werden, zukünftig öfter auf Auto verzichten zu können.“
       
       3 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://rp-online.de/wirtschaft/wirtschaftsweise-grimm-schlaegt-tempolimit-vor-situation-ernst-nehmen_aid-146290893
 (DIR) [2] /Oel-und-Gas-aus-dem-Golf/!6165147
 (DIR) [3] /Vor-der-Verkehrsministerkonferenz/!6165092
 (DIR) [4] https://www.adac.de/news/aktueller-spritpreis/
 (DIR) [5] /Hohe-Kosten-wegen-des-Irankriegs/!6167318
 (DIR) [6] /Sondervermoegen-Wirtschaftsweisen-kritisieren-dass-die-Regierung-falsch-investiert/!6129133
 (DIR) [7] /Der-Preis-fuer-das-Deutschlandticket-wird-ab-2027-nicht-mehr-politisch-festgelegt/!6166164
       
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