# taz.de -- Waffenstillstand zwischen Iran und USA: Klare Sieger und Verlierer
> Für US-Präsident Trump war erst die Maximaldrohung, dann der
> Waffenstillstand der gesichtswahrende Ausweg aus dem Krieg. Denn eine
> Exitstrategie hatte er nicht.
(IMG) Bild: Präsident Trump bei einer Pressekonferenz vor dem Weißen Haus am 6. April
Die Welt atmet zu Recht auf, dass die [1][Kriegsparteien am Golf] einen
zweiwöchigen Waffenstillstand samt Öffnung der Straße von Hormus sowie den
Beginn von Friedensverhandlungen verkündet haben, auch wenn bei der
Umsetzung vieles unklar ist.
Natürlich ist der Waffenstillstand nur ein erster Schritt und ein Spoiler
könnte neben den noch offenen Fragen sein, dass Israels Premier Benjamin
Netanjahu die Bekämpfung der Hisbollah im Libanon gleich ausgenommen hat.
Das steht im Widerspruch zu Äußerungen des vermittelnden pakistanischen
Premiers Shehbaz Sharif.
Dass sich die Regierungen der USA und Irans jetzt beide als Sieger
darstellen, liegt in der Natur des Konflikts, dabei sind Sieg und
Niederlage klar verteilt. Denn den von [2][Trump verkündeten „totalen und
vollständigen Sieg“] der USA gibt es nicht. Es ist sogar eher
unwahrscheinlich, [3][dass seine großmäuligen Maximaldrohungen gegen Iran]
das Regime in Teheran zum Einlenken bewegt haben.
Trump hat keines seiner nie klar definierten Kriegsziele erreicht. Einzig
die vereinbarte [4][Wiedereröffnung der Straße von Hormus] ist ein Erfolg,
doch hätte es deren Schließung nie gegeben, wenn die USA und Israel nicht
Iran angegriffen hätten.
## Das Mullah-Regime ist gestärkt
Für Trump ist der Waffenstillstand jetzt ein gesichtswahrender Ausweg aus
einem Konflikt, für den er neben dem von ihm erwarteten, aber nicht
eingetretenen schnellen Sieg [5][keine Exitstrategie hatte]. Seine
Verzweiflung über den für ihn völlig unerwarteten Kriegsverlauf drückte
sich in seinen immer schrilleren Drohungen samt menschen- und
völkerrechtsverachtender Rhetorik aus.
Ausgerechnet Irans 10-Punkte-Plan erklärt Trump plötzlich zu einer guten
Verhandlungsgrundlage. Die USA haben den Konflikt beim jetzigen Stand
strategisch und politisch verloren, auch aus globaler Perspektive. Während
Washington sich mit seiner gigantischen Militärmaschinerie vergaloppiert
hat, hat [6][China im Hintergrund besonnen gehandelt und diplomatische
Fäden gezogen] und sich mit der Unterstützung pakistanischer
Vermittlungsbemühungen als verantwortliche Macht präsentiert.
Das iranische Regime geht zwar militärisch geschwächt, aber eben nicht
bezwungen und vor allem politisch gestärkt aus dem bisherigen Konflikt
hervor. Auch das zeigt sich in Irans 10-Punkte-Plan, der als Sammelsurium
von Maximalforderungen ungebrochenen Stolz ausdrückt. Diese Stärke ist ein
Desaster für alle Gegner der Diktatur, die vergeblich gehofft hatten, dass
der Krieg bei allem Leid wenigstens das Regime beenden und einen Neuanfang
ermöglichen würde. Das Gegenteil ist jetzt wahrscheinlich.
Israels rechtsextreme Regierung kann mit dem bisherigen Ergebnis nicht
zufrieden sein, weil die Bedrohungen aus Iran nicht beseitigt sind. Der
Waffenstillstand ist für Netanjahu deshalb allenfalls von taktischem Wert,
eine Lösung des Grundkonflikts gibt es nicht, was künftige Eskalationen
wahrscheinlich macht.
Für die Weltwirtschaft bedeutet der Waffenstillstand eine Verschnaufpause.
Zwar sind die anstehenden Verhandlungen voller Fallstricke und haben einen
ungewissen Ausgang. Doch hat eben auch der Krieg keine Lösung des Konflikts
gebracht, sondern nur viele neue Probleme geschaffen.
8 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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