# taz.de -- Iranischer AI-Spott: Vom Trigger zum Ohrwurm
       
       > Im Lego-Animationsstil das Weiße Haus verspotten: Im Netz verbreiten sich
       > iranische Videos mit politischen Botschaften fürs westliche Publikum.
       
 (IMG) Bild: Im Lego-Animationsstil: Donald Trump, Benjamin Netanjahu mit dem Teufel im Bunde
       
       Triggern war das Zauberwort des vergangenen Jahrzehnts. Ohne starke Affekte
       keine Reaktion, ohne Reaktion keine Sichtbarkeit. Dieses Prinzip hat sich
       so tief in [1][die Logik sozialer Medien] eingeschrieben, dass es längst
       auch für politische Propaganda professionalisiert wurde.
       
       Die US-amerikanischen „Meme Warriors“ setzten dabei bislang auf Masse:
       [2][so viel Slop produzieren], dass sich einige wenige starke Inhalte schon
       durchsetzen werden. Auf den Kanälen des Weißen Hauses kursierten seit
       Trumps zweiter Präsidentschaft unzählige KI-Videos – von ASMR-Deportationen
       über „Trump Gaza“ bis hin zu einem jüngeren viralen Video, in dem iranische
       Bowlingkegel schwungvoll von einer US-Kugel abgeräumt werden. Strike!
       
       Doch eine gewisse Übersättigung hat sich eingestellt. Und die
       bemerkenswerteste, wenn auch bedrohlichste Antwort darauf kommt nicht aus
       Washington, sondern aus Teheran.
       
       ## Propaganda mit Lego-Gesicht
       
       Die im Netz [3][gerne so genannten „Lego Diss Tracks“] von @AkhbarEnfejari
       sind vollständig mit KI produziert und werden auf allen Plattformen
       verbreitet. Von Youtube und Instagram wurden sie bereits gesperrt. Im
       Lego-Animationsstil vermitteln sie meist in längeren, erzählerischen Filmen
       politische Botschaften: Lego-Iraner freuen sich über Raketen, die auf Tel
       Aviv zufliegen.
       
       Der Krieg gegen Iran wird als [4][Ablenkung von den Epstein-Files]
       dargestellt, während man die iranischen Militäraktionen zur Rache erklärt:
       für das Leid der amerikanischen Ureinwohner, der vietnamesischen
       Zivilbevölkerung, der Palästinenser in Gaza. Das macht schon deutlich:
       Adressiert werden damit gezielt westliche Zuschauer –
       Pro-Palestine-Aktivisten, Verschwörungsgläubige, Trump-Kritiker.
       
       Was diese Videos von bisherigem Propaganda-Slop unterscheidet, ist nicht
       allein der Aufwand – [5][laut einem Interview des Tech-Journalisten Kyle
       Chayka arbeitet das Produzententeam mindestens 24 Stunden an einem einzigen
       zweiminütigen Clip] (das ist im Zeitalter von KI und der extrem
       beschleunigten Reaktionskultur erstaunlich lang). Es ist das Format selbst.
       Die Videos wirken nicht wie Propagandafilme, die mit Musik unterlegt sind,
       sondern wie Musikvideos mit Propaganda-Inhalt. Die ebenfalls mit
       KI-Unterstützung produzierte Musik, meist Rap, strahlt Härte, Trotz,
       Selbstermächtigung aus.
       
       In Reaction-Videos sieht man dann Menschen mitwippen, mitsingen – manchmal
       wegen, manchmal trotz des politischen Inhalts. Wie man es sonst [6][von
       BTS] oder [7][Taylor Swift] kennt, gibt es für die Videos Teaser, die
       Vorfreude, Spekulationen und Hypes erzeugen sollen, aufwendige Ikonografien
       mit präzise ausgewählten Anspielungen.
       
       Und sie sind an eine aktive Fangemeinde adressiert, die interpretiert,
       kommentiert, teilt. Die Songs sind auf Spotify zu finden, in Playlists
       vertreten und schleichen sich so klammheimlich auch in die Lebenswelt jener
       hinein, die mit dem politischen Kontext (noch) nicht vertraut sind.
       
       ## Die Strategie heißt Verniedlichung
       
       Dabei knüpfen die Videos bewusst an eine Strategie an, die sich bereits als
       wirksam erwiesen hat: Verniedlichung. [8][Wie bei den Ghibli-KI-Bildern im
       Frühjahr vergangenen Jahres] wird auch beim Lego-Format die Verharmlosung
       als trojanisches Pferd genutzt. Was aussieht wie ein Kinderspielzeug,
       transportiert Kriegspropaganda und senkt dabei gezielt die Hemmschwelle.
       
       Dass die Clips gleichzeitig von Accounts der iranischen Regierung geteilt,
       von russischen Staatsmedien aufgegriffen und von No-Kings-Demonstranten
       wegen ihrer Anti-Trump-Ästhetik gefeiert werden, zeigt, wie weit das Netz
       ausgeworfen ist. Die immer wieder in den Videos dargestellte enge
       Komplizenschaft von Trump und Netanjahu dürfte dabei auch als Spaltpilz
       innerhalb der amerikanischen Rechten wirken.
       
       Und genau jene, die sonst jede Kritik geschickt ins Lächerliche ziehen –
       die MAGA-Accounts, die Meme Warriors –, bleiben stumm. Ob das Kalkül ist
       oder Ohnmacht, lässt sich von außen kaum sagen. Aber es ist ein Indiz
       dafür, dass hier etwas entstanden ist, das sich ihren bisherigen Reflexen
       entzieht. Und das ist vielleicht das Unheimlichste daran.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Soziale-Netzwerke/!t5011103
 (DIR) [2] /ZDF-heute-journal-und-KI/!6152669
 (DIR) [3] https://www.cnbc.com/2026/04/01/iran-war-social-media-meme-propaganda.html
 (DIR) [4] /Jeffrey-Epstein/!t5617195
 (DIR) [5] https://www.newyorker.com/culture/infinite-scroll/the-team-behind-a-pro-iran-lego-themed-viral-video-campaign
 (DIR) [6] /Netflix-Doku-BTS-The-Return/!6164596
 (DIR) [7] /Taylor-Swift-Die-Entzauberung-eines-Popstars/!6116701
 (DIR) [8] /Digitale-Bildwelten/!6076362
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Annekathrin Kohout
       
       ## TAGS
       
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