# taz.de -- Reaktionen auf Waffenstillstand: Irans Regimeanhänger feiern, die Opposition ist ratlos
> Dass sich Teherans 10-Punkte-Plan für die Verhandlungen wie eine
> Kapitulationserklärung der USA liest, sorgt in Iran für Siegestaumel –
> und Verzweiflung.
(IMG) Bild: Regimeanhänger feiern in Teheran den gerade verkündeten Waffenstillstand als Erfolg
Die Islamische Republik hat schon viele Niederlagen als Sieg verkauft.
Überleben reichte aus, um nicht als Verlierer dazustehen. So war das nach
dem Krieg im Juni 2025, als Israel und die USA die iranischen Atomanlagen
dem Erdboden gleichmachten und aus Iran, abgesehen von ein paar Raketen auf
Tel Aviv, kaum Gegenwehr kam. Damals durfte man sich über die Fähigkeit der
Regimeanhänger, selbst diese Schmach zum Sieg umzudeuten, noch wundern.
Doch dieses Mal ist es ganz anders.
Jetzt steht Donald Trump vor dem Problem, den vereinbarten zweiwöchigen
Waffenstillstand als Erfolg zu verkaufen. Sein Narrativ: Iran habe
[1][unter dem Druck seiner Drohungen] eingelenkt, habe einen 10-Punkte-Plan
vorgelegt, mit dem „man arbeiten kann“, und würde nun die Straße von Hormus
wieder öffnen – „komplett, umgehend und sicher“, so Trump auf Truth Social.
Sieht man sich den Plan näher an, wird klar, dass es eine Einigung unter
Teherans Diktat wäre. Der Plan, der von dem von den Revolutionsgarden
kontrollierten Medium Tasnim News veröffentlicht wurde, enthält nur
Maximalforderungen, darunter die fortgesetzte Kontrolle der Straße von
Hormus durch Iran, das Recht Irans auf Urananreicherung, die Aufhebung
aller Sanktionen gegen Iran, die Aufhebung aller Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats und des Gouverneursrats der Internationalen
Atomaufsichtsbehörde (IAEA) sowie die Beendigung des Krieges an allen
Fronten, einschließlich Libanons.
## Blockade der Straße von Hormus als Irans Wunderwaffe
Teherans größter „Sieg“ in diesem Krieg dürfte die Entdeckung sein, dass es
die Straße von Hormus und damit einen erheblichen Teil des Welthandels so
mühelos gegen so wenig internationalen Widerstand jederzeit lahmlegen kann.
Erst am Dienstag blockierten Russland und China eine Resolution des
UN-Sicherheitsrats zum Schutz der Schifffahrt bei Hormus. Daraus wird
Teheran nun größtmöglichen Nutzen schlagen wollen: ein international
legitimiertes Mautsystem, das dem Regime Milliarden einbringen wird.
Der irannahe Thinktank Quincy Institute for Responsible Statecraft versucht
bereits, ein solches Mautsystem der US-Öffentlichkeit als ideale Lösung für
die Beilegung des Konflikts zu verkaufen. Schon bei einer Gebühr von
500.000 Dollar pro Schiff dürfte Iran so 1,5 Milliarden Dollar monatlich
kassieren.
Nach Teherans Darstellung handelt es sich bei seinen 10 Punkten nicht um
verhandelbare Vorschläge, sondern um die Basis, um mit Washington überhaupt
Gespräche zu führen. Dass Trump dem zugestimmt hat, lesen iranische
Regimeanhänger als Kapitulation der USA. Dafür müssen die
Revolutionswächter als Irans reale Machthaber jetzt nicht einmal große
Propagandaanstrengungen unternehmen.
## Regimeanhänger fürchten eine Finte der USA
Was aber, wenn die Gespräche eine erneute Finte der US-Regierung sind?
Diese Sorge treibt zumindest ein Teil der Basis des iranischen Regimes um.
Regimenahe Kommentatoren rufen zu maximalem Misstrauen auf. Einige
verurteilen gar, dass sich ihre Regierung überhaupt auf neue Gespräche
einlässt. Es ist ebendiese Basis aus gewaltbereiten Regimeanhängern, die
einen Kompromiss mit den USA unmöglich macht: Widerstand gegen den
„US-Imperialismus“ ist die unumstößliche und unverhandelbare Staatsräson
der Islamischen Republik.
Der großen Verlierer des Krieges und der Waffenruhe ist Irans Opposition,
egal welchen Lagers. „Fuck it“, schrieb ein Iraner, der in der
Vergangenheit an Aufständen gegen das islamistische Regime teilnahm, der
taz, nur kurz nachdem Trump die Feuerpause bekanntgab.
Wie Millionen andere Iraner fürchtete er, dass Trump seine Drohungen
wahrmachen und Irans zivile Infrastruktur zerstören würde und hortete in
den vergangenen Tagen Lebensmittel. Doch sagte er auch: „Ich hoffe, sie
zerbomben alles und das Worst-Case-Szenario findet statt. Weil ich das
alles einfach nicht mehr aushalte.“ Trumps Schlingerkurs habe sich
angefühlt wie russisches Roulette – nur dass die Kugel nie kommt.
## Trumps Vorgehen ist wie abgebrochene Antibiotikatherapie
Für viele Iraner hat sich die vom Monarchisten-Lager genährte Hoffnung,
dass der Luftkrieg einen Regime Change mit sich bringt, vorerst erübrigt.
Trumps scheinbar strategieloses Vorgehen vergleichen selbst
Kriegsbefürworter mit einer abgebrochenen Antibiotikatherapie, die den
Krankheitserreger am Ende eher stärkt statt eliminiert. Auch Trumps
Drohungen, die iranische „Zivilisation untergehen zu lassen“, spielten der
antiamerikanischen Regimepropaganda direkt in die Hände.
Liberal und demokratisch eingestellte Iraner – die Mehrheit der Bevölkerung
– müssen nun mit ansehen, wie diejenigen, die noch im Januar Tausende
Demonstranten kaltblütig massakriert haben, ihren großen Sieg verkünden und
sich als standfeste Beschützer der Nation inszenieren. Zugleich glauben nur
wenige Iraner, dass der Konflikt jetzt beendet ist: Solange zwei
Kriegsparteien sich zum Sieger erklären, kann es kaum Frieden geben.
8 Apr 2026
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