# taz.de -- Waffenstillstand im Irankrieg: „Totaler und vollständiger Sieg“
> Die US-Regierung von Donald Trump verkauft die mit Iran erzielte
> Waffenruhe als großen Erfolg und sieht kommende Verhandlungen
> optimistisch.
(IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump am 6. April bei einem Pressebriefing im Weißen Haus
US-Präsident Donald Trump hatte [1][mit der Auslöschung der iranischen
Zivilisation gedroht]. Doch knapp 90 Minuten vor der selbsternannten
Deadline verkündete er, dass sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige
Waffenruhe geeinigt hätten. Trump bezeichnete diese als „totalen und
vollständigen Sieg“ der USA. Kritiker sprechen hingegen von einem erneuten
Fall von TACO („Trump Always Chickens Out“), also seine Tendenz, mit großen
Konsequenzen zu drohen, um dann doch immer wieder einen Rückzieher zu
machen.
Außerdem bleibt unklar, wie es nach den zwei Wochen weitergehen soll.
Trotzdem versucht die US-Regierung ihre Bestes, um die Waffenruhe als
großen Erfolg zu verkaufen. In einem Post auf Truth Social sprach Trump von
einem „bedeutenden Tag für den Weltfrieden“.
Seine Pressesprecherin Karoline Leavitt stieß in das gleiche Horn: „Dies
ist ein Sieg für die Vereinigten Staaten, der durch Präsident Trump und
unser unglaubliches Militär ermöglicht wurde.“ Das US-Militär habe seine
Kernziele in nur 38 Tagen erreicht. „Unterschätzen Sie niemals Präsident
Trumps Fähigkeit, Amerikas Interessen erfolgreich voranzutreiben und
Frieden zu vermitteln“, schreib sie auf X.
Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte in einer Pressekonferenz am
Mittwoch, dass Iran „um diesen Waffenstillstand gebettelt“ habe. Die
Operation „Epic Fury“ habe das iranische Militär „dezimiert“. Das neue
Regime in Iran werde seine Vorräte an angereicherten Uran entweder
freiwillig aushändigen oder die USA würden sie sich nehmen.
Nur [2][Vizepräsident JD Vance, der aktuell in Ungarn ist], um dort
Premierminister Viktor Orbán im Wahlkampf zu unterstützen, zeigte sich
etwas weniger euphorisch. „Dies ist ein fragiler Waffenstillstand“, sagte
er in Budapest. Er warnte Iran, keine Spielchen zu spielen, da Trump ein
ungeduldiger Mensch sei, der nicht davor zurückschrecke, Amerikas
militärische und wirtschaftliche Stärke als Druckmittel einzusetzen.
## Kehrtwende zu Irans 10-Punkte-Plan
In seiner Ankündigung des Waffenstillstands erkläre Trump, die Gespräche
zwischen den USA und Iran über ein endgültiges Abkommen seien bereits „sehr
weit fortgeschritten“. Auch nannte er den von Teheran vorgeschlagenen
10-Punkte-Plan eine „tragfähige Grundlage für Verhandlungen“. Das ist
verwunderlich, hatte er doch noch am Dienstag erklärt, dass Irans
10-Punkte-Plan „nicht gut genug wäre“.
Teheran fordert unter anderem die Aufhebung aller Primär- und
Sekundärsanktionen gegen Iran; die anhaltende iranische Kontrolle über die
Straße von Hormus; sowie einen Rückzug aller US-Streitkräfte aus dem Nahen
Osten. Laut Experten werde die US-Regierung diesen Forderungen niemals
zustimmen.
Die rechte Influencerin Laura Loomer, eine langjährige
Trump-Unterstützerin, prophezeite auch deshalb ein Scheitern der Gespräche.
„Die Verhandlungen sind ein Nachteil für unser Land. Wir haben dabei
eigentlich nichts herausgeholt, und die Terroristen in Iran feiern. Ich
weiß nicht, warum die Leute so tun, als wäre das ein Sieg“, schrieb sie auf
X.
## Kongressmitglieder äußern Skepsis
Im US-Kongress wurde der Waffenstillstand mit Erleichterung wahrgenommen.
Doch sowohl Republikaner als auch Demokraten machten klar, dass die
Verhandlungen während der nächsten Wochen entscheidend sein werden, um die
Waffenruhe in einen langfristigen Frieden zu verwandeln.
Der republikanische Senator Lindsey Graham, der sich seit Jahren für einen
Regimewechsel in Iran ausspricht, erinnerte in einem Post in den sozialen
Medien an die Schließung der Straße von Hormus, die für einen weltweiten
Anstieg der Energiepreise gesorgt hatte. „Es ist unerlässlich, dass Iran
für diesen feindseligen Akt gegen die Weltgemeinschaft nicht belohnt wird“,
schrieb er auf X. Laut Graham sollte im Kongress auch über Irans
10-Punkte-Plan abgestimmt werden.
Auch Demokraten begrüßten die Waffenruhe, doch viele von ihnen erinnerten
an Trumps Androhung möglicher Kriegsverbrechen, darunter die linke
Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Sie erklärte, dass der temporäre
Waffenstillstand daran nichts ändere.
„Der Präsident hat mit einem Völkermord am iranischen Volk gedroht und
nutzt diese Drohung weiterhin als Druckmittel. Er hat einen massiven Krieg
von enormem Risiko und katastrophalen Folgen vom Zaun gebrochen – ohne
Grund, ohne Rechtfertigung und ohne Ermächtigung durch den Kongress; dies
stellt eine so eindeutige Verletzung der Verfassung dar wie nur
irgendeine“, schrieb sie auf X.
Trotz der Waffenruhe haben mittlerweile mindestens 85 demokratische
Abgeordnete die Absetzung des Präsidenten gemäß dem 25. Verfassungszusatz
gefordert. Um Trump für amtsunfähig zu erklären, bräuchte es jedoch die
Mehrheit im Kongress oder innerhalb der Regierung und dies gilt so gut wie
ausgeschlossen.
8 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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