# taz.de -- Die Kunst der Woche: Dem südlichen Berlin auf der Spur
       
       > Die Fotografin Michaela Booth bringt „unterbelichtete“ Orte ans Licht.
       > Mit „Malwut“ geht es im Brandenburgischen Kunstverein Potsdam zu.
       
 (IMG) Bild: Alte Industrie im Berliner Süden: der „Vaubeka-Kran“ am Teltowkanal in Tempelhof
       
       Von 2020 bis 2025 erkundete die Fotografin Michaela Booth das südliche –
       vom S-Bahn Ring, der Stadtautobahn und dem Teltowkanal durchschnittene –
       Berlin, das ihr im Stadtbild etwas „unterbelichtet“ erschien.
       
       Elf Orte hat sie auf den Touren durch Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde
       ans Licht geholt und [1][zeigt nun im Museum Tempelhof-Schöneberg 27
       Aufnahmen], die eine wirkliche Entdeckung sind. Sie zeigen wenig bekannte
       Orte und zugleich den Blick der Fotografin, die ein faszinierendes
       ästhetisches Panorama dieser industriell geprägten Topografie entwirft.
       
       Nicht alle Motive ihrer grundsätzlich ausschnitthaft gestalteten Bilder
       sind unbekannt wie die Trabrennbahn Mariendorf. Doch mit der Nahaufnahme
       der Säulen und der Wandbemalung sowie mit der angeschnittenen Totalen der
       Tribüne mit ihrem Geländer wirft Booth einen neuen Blick auf das
       Architekturkonzept August Endells, das einen sachlichen Baustil mit der
       Materialästhetik des Jugendstils verbindet.
       
       Wenn Booth über die Areale der stillgelegten Rheinmetall-Borsig AG und der
       Askania Werke AG streift, ruft sie auch die Geister von [2][Tausenden
       Zwangsarbeitern in der Berliner Rüstungsindustrie] auf. Diese Schande hängt
       nach, auch angesichts der fantastischen Schönheit des 1991 stillgelegten
       Vaubeka-Krans am Teltowkanal. Der Blick auf das über den Kanal ragende
       Teilstück der 1936 errichteten riesigen Eisenfachwerkskonstruktion ist ein
       großartiges Landschaftsbild Berlins.
       
       ## Mit „Malwut“ infizierte Künstlerinnen
       
       Bevor „Malwut“ am 16. Mai bei Feinkunst Krüger in Hamburg eröffnet, macht
       sie [3][jetzt im Brandenburgischen Kunstverein in Potsdam Station]. Die
       Berliner Premiere war am Weltfrauentag. Verständlich, gilt doch das
       Herumpinseln auf einer Leinwand bei Männern als gottgegebene Gabe, die mit
       Ausstellungen, Monografien, Preisen und hohen Verkaufspreisen honoriert
       wird, bei Frauen freilich als Anmaßung und ausgesprochen fragwürdige
       Angelegenheit.
       
       „Zum Glück“, sagen neun mit „Malwut“ infizierte Künstlerinnen, die sich
       zusammengetan haben. Denn so werden ihre Arbeiten umso kritischer
       betrachtet, was ihnen gefällt, denn sie haben Anspruchsvolles zu bieten und
       halten das gut aus.
       
       Ihre malerischen Positionen sind höchst unterschiedlich: mal gestisch, mal
       chromatisch akzentuiert, mal abstrakt, mal figurativ, mal wortreich und mal
       voller geballter Energie.
       
       Gemeinsam ist den Künstlerinnen Anna Steinert, Anna Leonhardt, Tatjana
       Doll, Maja Drachsel, Hedwig Eberle, Helen Hu, Lisa Kränzler, Monika
       Michalko und Kirsi Mikkola aber die Risikobereitschaft ihrer Malerei. Sie
       alle reizen ihre Konzepte aus und suchen die Fragen, nicht die Antworten.
       Und sie finden doch immer die Balance zwischen der Wut, dem
       Über-die-Stränge-Schlagen und der Selbstreflexion, die dem Intellekt
       gegenüber der Emotion sein nötiges Gewicht gibt.
       
       13 Apr 2026
       
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 (DIR) Brigitte Werneburg
       
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