# taz.de -- Ausstellung in der ifa-Galerie Berlin: Patchwork der Identitäten
       
       > Fäden, die verbinden: In der Berliner ifa-Galerie verwebt die Ausstellung
       > „Diaspora Wonderland“ Mode und Herkunft in leuchtenden Farben.
       
 (IMG) Bild: Erinnern an Zauberwürfel: Sophia Kacimis Skulpturen „Zoubida“ (Detail)
       
       Das weiße Tuch flattert im Wind. Es umweht die Silhouette einer Frau, sie
       blickt aufs Mittelmeer. Beginnt am Horizont Europa oder der afrikanische
       Kontinent? Die Farbfotografie der französisch-marokkanischen Künstlerin
       Sarah Makharine zeigt sie selbst am Strand, man blickt ihr über die
       Schulter auf das blaue Wasser. Der Abzug dieser schlichten Szene ist so
       klein, dass er fast in seinem breiten Passepartout verschwindet. Also beugt
       man sich weit vor, um zu sehen, was die Künstlerin sieht: das Meer, das
       trennt und zugleich verbindet. Und das weiße Tuch, das die Haut
       gleichzeitig verhüllt und freilegt.
       
       Die intime [1][Fotografie] von Sarah Makharine ist Teil der
       Gruppenausstellung „Diaspora Wonderland“, die aktuell in der [2][Berliner
       ifa-Galerie] zu sehen ist. Mit Textilien, Fotografie, Sound und Video
       fragen fünf multimediale Künstler:innen aus dem Afro-mediterranen Raum nach
       dem Zusammenhang von Zugehörigkeit und Mode. Was erzählen Stoffe und
       Schnitte über kulturelle Identität? In ihren sinnlichen Arbeiten gelingt es
       den Künstler:innen, traditionelles Handwerk mit zeitgenössischer Ästhetik
       und [3][Fashion] zu verknüpfen.
       
       Auf dem grauen, spiegelnden Boden der Galerie verstreuen sich die bunten
       Arbeiten wie ein Archipel im Raum. Da sind die wellenförmig aufgespannten,
       zart bestickten Leinentücher der marokkanischen Künstlerin Margaux Derhy.
       Aus einer anderen Ecke wabern rhythmische Sounds des senegalesischen
       Videokünstlers Nix. Ganz hinten türmen sich drehbare, in marokkanische
       Stoffe verkleidete Kuben, gestaltet von der Modedesignerin Sophia Kacimi.
       Ihre surrealistischen Skulpturen funktionieren nach dem Zufallsprinzip und
       erinnern an bunte Zauberwürfel: Die aufeinander gestapelten Drehwürfel sind
       mit einzelnen Körperteilen bestickt – in Kombination ergeben sich daraus
       immer neue Figuren. Ein „Patchwork der Identitäten“ nennt es die Künstlerin
       bei der Vernissage.
       
       Bewegt man sich durch den Raum, wirkt es, als würden durch die Stoffe,
       Fäden und Muster die Geschichten vergangener Generationen scheinen. Auf
       einer der luftigen, bläulich schimmernden Stickereien von Margaux Derhy
       sind die feinen Umrisse einer Frau zu erkennen. Sie steht an einem Hafen,
       von ihrem Gesicht sieht man nur die Konturen. Wessen Geschichte sich hier
       spiegelt? Für Margaux Derhy ist es die ihrer Großmutter, die als erste in
       der marokkanisch-jüdischen Familie das Land verließ, erzählt die
       Künstlerin.
       
       ## Die Magie des Zurückkehrens
       
       Durch alle Arbeiten hindurch werden Identitäten immer wieder angedeutet,
       ohne sie in feste Kategorien einzuteilen. So bricht die Ausstellung mit
       kolonialen Zuschreibungen und schafft einen vielschichtigen Erinnerungsraum
       zwischen den Kulturen. „Diaspora Wonderland“ ist eine Ausstellung über
       Aufbrüche, aber auch die Magie des Zurückkehrens: Das erste Mal auf
       Verwandtschaft zu treffen, die man bislang nur aus Erzählungen kannte, sei
       „wie einer Romanfigur im echten Leben zu begegnen“, beschreibt es Kurator
       Lotfi Aoulad treffend.
       
       Was die fünf künstlerischen Positionen verbindet, ist ihre [4][Erfahrung
       von Exil] – und die Suche nach den eigenen Wurzeln. „Kunst beginnt oft mit
       einem Verlust“, sagt Aoulad. Wie aus Sehnsucht Skulpturen und aus losen
       Fäden leuchtende Stoffe entstehen können, zeigt diese lebensfrohe
       Ausstellung. „Ich verwende kein Schwarz“, sagt die deutsch-nigerianische
       Modeschöpferin Buki Akomolafe. Ihre organische Textilarbeit steht in der
       Mitte des Raumes: ein grobmaschig gestricktes Kleid in leuchtendem Indigo.
       Bricht man die Ausstellung auf einen Farbton herunter, dann wäre es wohl
       dieser.
       
       1 Apr 2026
       
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