# taz.de -- Syrischer Arzt zu 80-Prozent-Aussage: „Man muss auch mit den Syrern reden“
       
       > Mustafa Fahham lebt als syrischer Arzt in Deutschland. Die neu entflammte
       > Debatte über die Rückkehr von Syrer*innen trifft auch seine Familie.
       
 (IMG) Bild: Fahham in der Nähe der Wohnung seines Opas in Idlib
       
       Mustafa Fahham hat schon länger das vor, worüber viele in Deutschland in
       diesen Tagen sprechen: nach seiner Flucht in die Bundesrepublik vor etwa
       zwölf Jahren jetzt nach Syrien zurückzukehren. Fahham ist Arzt,
       Nierenoberarzt, um genau zu sein. Er ist Syrer, aus Idlib. Und Deutscher –
       aus dem Bremerhavener Umland. Er lebt mit seiner Familie in Schiffdorf,
       seine zwei Söhne sind in Deutschland geboren, kennen nur das deutsche
       Schulsystem, die deutschen Kitas, Arabisch sprechen sie nur zu Hause.
       
       Eigentlich ist er [1][einer von den Tausenden Syrer*innen, die im deutschen
       Gesundheitswesen beschäftigt sind]. Die Fachkräfte, die Deutschland
       dringend braucht – und gleichzeitig abschieben will. So zumindest der
       Eindruck, wenn man sich die aktuelle [2][Debatte um die 80 Prozent
       Syrer*innen] anschaut, die laut Politiker*innenaussagen binnen
       drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren sollen. Ob diese Idee von
       Bundeskanzler Friedrich Merz oder Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa
       stammt, sei dahingestellt.
       
       Doch wie denken Syrer*innen wie Fahham darüber? Als doppelte
       Staatsbürger*innen sind Fahham und seine Familie nur bedingt von einem
       solchen Vorhaben betroffen. Sie dürfen in Deutschland leben, so lange wie
       sie wollen. Wohl aber betrifft sie die Botschaft, die in der Aussage
       mitschwingt.
       
       „Ich finde diese Debatte nicht zielführend“, sagt er am Telefon. „Es wird
       nur instrumentalisiert, man versucht nicht wirklich eine Lösung zu finden,
       die beiden Ländern hilft.“ Gerade befindet sich Fahham in Syrien. In
       Damaskus, der Hauptstadt. Hier besucht der Arzt Familie und Freunde – und
       sammelt nebenbei Informationen für seinen Verein [3][Syrian German Medical
       Association], der wohltätige, medizinische Projekte in Syrien mit deutscher
       Hilfe aufbaut. „Man muss auch mit den Syrern reden“, fährt er fort. „Aber
       ich glaube, dass es jetzt nur um einen Gewinn in der Wahldebatte geht.“
       
       ## „Hat sich Merz der AfD angeschlossen?“
       
       Eigentlich ist die Idee eines Umzugs nach Syrien für Fahham kein
       Schreckensgespenst, sondern ein vorschwebender, langfristig angestrebter
       Plan. [4][Als die taz ihn vor einem Jahr zum ersten Mal traf], bereitete er
       sich gerade auf seine erste Reise in die Heimat vor, nach mehr als elf
       Jahren Abwesenheit. Er war ein sehr angespannter Moment und, als er dort
       war, ein sehr emotionaler.
       
       Doch der Oberarzt hat zwei junge Kinder, drei und acht Jahre alt, ihr
       Wohlbefinden, ihre Sicherheit und Lebensqualität haben Priorität. Außerdem
       sehen die Kleinen Bremerhaven als Zuhause, sie waren bislang nur zweimal in
       Syrien. „Sie haben schon Sehnsucht nach Deutschland, ihre Identität, ihr
       Zuhause ist nicht Syrien. Nach zwei Wochen wollen sie zurück“, erzählt
       Fahham und lächelt. Doch auch sie sind indirekt von dieser Debatte
       betroffen.
       
       Als Fahham in Syrien deutsche Nachrichten auf seinem Smartphone checken
       wollte, hat der achtjährige Sohn die angebliche [5][Merz-Aussage]
       mitgelesen. „Und er hat mich gefragt: ‚Müssen wir jetzt nach Syrien
       zurückkehren?‘, und dann:,Hat sich Merz der AfD angeschlossen?’ Dass er
       bereits die AfD kennt, hat mich gewundert, ich habe ihm nie davon erzählt.
       Aber im Freundeskreis, im Fernsehen bekommen Kinder vieles mit.“
       
       ## Auch wenn sich einiges getan hat, gibt es noch viel zu tun
       
       Die Idee, zurückzukehren, sei für viele auch ein menschliches Dilemma, sagt
       Fahham. „Und deshalb finde ich, dass man mitentscheiden soll. Bei
       Kriminellen oder Arbeitslosen, die gar nicht arbeiten wollen, wäre das
       akzeptabel. Aber die restlichen, die sich integriert haben – dafür gibt es
       keine Rechtfertigung.“
       
       In Syrien hat sich [6][im vergangenen Jahr] einiges getan, sagt Fahham.
       Jetzt gibt es in der Hauptstadt 16 Stunden am Tag Strom, den Rest
       überbrückten viele mit Solaranlagen. Gas sei nach einem Engpass wieder
       verfügbar, auch die Sicherheitslage habe sich kürzlich verbessert. Doch
       noch gebe es viel zu tun. Die Straßen seien marode, die Preise stiegen und
       die Armut sei für viele ein allgegenwärtiges Problem. Im Gesundheitswesen
       mangelt es noch immer an Ausstattung.
       
       Fahham könnte sich vorstellen, zwischen Syrien und Deutschland zu leben,
       einige Monate hier, einige Monate dort. Sollte es aber für die Kinder
       schwierig werden, möchte er doch einen Plan B haben. Zurück nach
       Deutschland, in die alte neue Heimat.
       
       2 Apr 2026
       
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