# taz.de -- Repaircafé in Bremen: Karem Hasan macht Dinge wieder heil
> Der Syrer hat in Bremen ein zweites Leben aufgebaut – und ein Repaircafé.
> Beides gibt er nicht mehr her.
(IMG) Bild: Mal sehen, was geht: Karem Hasan in seiner Werkstatt
Karem Hasan zieht eine Schublade auf, dann noch eine. Netzteile, Stecker,
Schalter – alles sortiert, alles getestet, alles noch brauchbar. Sein
Repaircafé hinter der Heilig-Geist-Kirche in Bremen-Neue-Vahr ist so groß
wie zwei Garagen und voll gestellt mit Fernsehern, Kaffeemaschinen und
Plattenspielern. Auf dem Tisch liegen Lötkolben und Schraubendreher.
Geöffnet ist immer Samstagsvormittags. Weil er dann nicht alles schafft,
kommt der 47-Jährige auch unter der Woche täglich nach Feierabend – er
arbeitet Vollzeit in einem Industriebetrieb. Nur der Sonntag gehört der
Familie.
Bevor er nach Bremen kam, war Hasan Elektroniker und Berufsschullehrer in
Damaskus. 2018 floh er mit seiner Familie, weil er den Krieg nicht mehr
aushielt. Er erinnert sich noch genau an das Gefühl, als ein Mann am
Flughafen „Herzlich willkommen“ sagte. „Ich war voller Angst wegen des
Krieges“, sagt er, „aber diese Worte ließen mich fühlen: Ich bin in
Sicherheit.“
Er besuchte alle Sprachcafés, die er finden konnte, weil er so schnell wie
möglich Deutsch lernen wollte. Er wollte etwas mit seiner Qualifikation
anfangen – und etwas zurückgeben. Acht Monate nach seiner Ankunft startete
er das Repaircafé im Sozialkaufhaus Marktplatz der Begegnung in der
Heilig-Geist-Kirche.
## Deutschlandflagge auf dem Tisch
Viele Menschen kommen zu ihm, weil sie sich ein neues Gerät nicht leisten
können. „Die Leute hier sind arm“, sagt er. „Preise für Lebensmittel und
Energie sind explodiert.“ Das durchschnittliche Jahreseinkommen lag im
[1][Stadtteil Neue-Vahr]-Nord 2020 bei 24.400 Euro, in Bremen insgesamt bei
40.100 Euro.
Hasan repariert kostenlos. Wer Ersatzteile braucht, besorgt sie selbst,
bekommt aber notfalls Hilfe beim Bestellen. Manchmal reicht ein neuer
Stecker, manchmal ist das Gerät nicht mehr zu retten. Dann baut er aus, was
sich noch weiterverwerten lässt.
Dabei helfen seine Frau Reham Alsalti und auch Praktikant Andrii aus der
Ukraine, der seit zwei Jahren jeden Samstag kommt. „Ich gebe mein Wissen
sehr gerne weiter“, sagt Hasan. Er träumt von einem größeren Raum, damit er
noch mehr Menschen beibringen könnte, ihre Geräte selbst zu reparieren.
Ab Juli wird ihm das „Recht auf Reparatur“ dabei helfen. Dann müssen
Hersteller ihre Geräte so bauen, dass man sie reparieren kann. „Es ist gut,
wenn Hersteller jetzt gezwungen werden, Geräte nachhaltiger zu
konzipieren“, sagt Hasan. „Momentan ist es zum Beispiel unnötig
kompliziert, die Akkus von Smartphones oder Tablets auszutauschen.“
Auf dem Tisch steht eine kleine Deutschlandflagge. Schon in Syrien habe er
am liebsten „made in Germany“ gekauft. Das bedeute Qualität, sagt er.
Deutschland sei seine zweite Heimat. „Hier kann ich mit meiner Familie in
Ruhe und in Sicherheit leben“, sagt Hasan.
Die Forderung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), 80 Prozent der Syrer
sollten zurückkehren, gilt für Hasan nicht. Er hat seit 2024 die deutsche
Staatsbürgerschaft. Aber er hält die Forderung auch für unrealistisch: „In
Syrien fehlt alles: Wohnraum, Bildung, [2][Gesundheitsversorgung]“, sagt
er. Selbst will er nicht noch einmal bei null anfangen. „Das Leben ist zu
kurz dafür.“
Die AfD kann er nicht verstehen: „Wir sind doch alle Menschen. Wir könnten
zusammen etwas Gutes bewirken, anstatt gegeneinander zu hetzen.“ Demokratie
und Freiheit seien sehr wertvoll. „Ich kenne das Gegenteil.“ Seit Dezember
ist er [3][Mitglied in der SPD]: „Die schließen keinen aus.“
Wenn er lötet und schraubt, denkt er oft an seine drei Kinder: „Wenn jeder
sagt, die [4][Umwelt] ist mir egal, dann haben wir am Ende große Probleme.
Deswegen arbeite ich hier und motiviere andere, mitzumachen.“
Repaircafé, Sa. 10–14 Uhr, August-Bebel-Allee 276, Bremen
30 May 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Annette Baimler-Dietz
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