# taz.de -- Wahlkampf der Berliner Linken: Ein Linksbündnis ist keinesfalls ausgemacht
       
       > Der Parteitag der Linken zeigt: Nach der Berlin-Wahl könnte die Partei
       > wieder Lindners Motto aus dem Hut zaubern: „Besser nicht regieren als
       > falsch regieren“.
       
 (IMG) Bild: Weltbild der Linken bald in Schieflage? Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp
       
       Parteitage sind nicht nur Wahlkampfbühne und Gelegenheit, sich gegenseitig
       die Seele zu streicheln. Sie geben manchmal auch einen tiefen Einblick in
       den Gemütshaushalt der Delegierten und damit auch der ganzen Partei.
       
       Um das Seelenheil der Berliner Linkspartei muss man sich derzeit keine
       Sorgen machen. Spitzenkandidatin Elif Eralp hat den Parteitag, man kann es
       nicht anders sagen, gerockt. Mit einer Rede mit viel Pathos, die vor allem
       eines sollte – Zuversicht verbreiten.
       
       Die allerdings hat die Berliner Linken, und damit sind wir beim
       Gemütshaushalt, nach den Umfragen der letzten Monate auch bitter nötig. Die
       Zeiten, in der die Linke hinter der CDU unangefochten auf Platz zwei lag,
       sind vorbei. [1][Die jüngste Erhebung] sieht die Linke sogar zwei Punkte
       hinter der SPD – und gleichauf mit den Grünen.
       
       ## Die Bundespartei hält sich den Rückzug offen
       
       Kai Wegners frühe Festlegung, die Linke sei die Hauptgegnerin der CDU, ist
       ins Rutschen geraten. Das ist schlecht für Wegner, weil er nicht mehr auf
       ein Feindbild und damit auf Polarisierung setzen kann. Es ist aber auch
       schlecht für Elif Eralp und ihre Ambitionen, nach dem 20. September ins
       Rote Rathaus zu ziehen und Geschichte zu schreiben.
       
       Gut möglich, dass die SPD mit Steffen Krach am Ende der lachende Dritte
       ist. Wie aber wird es um den Gemütshaushalt der Linkspartei bestellt sein,
       wenn sich die Tür zum Roten Rathaus für Elif Eralp schließt?
       
       Ines Schwerdtner, die Bundevorsitzende, hat schon eine Art Rückzugslinie
       gezogen. Die Wahl und die möglichen Sondierungen, die ihr folgen, sagte
       Schwerdtner auf dem Parteitag, könne „bedeuten zu regieren, aber auch,
       einen faulen Kompromiss auszuschlagen“.
       
       Das klingt ganz nach dem Argument, mit dem Christian Lindner und seine FDP
       das Ende der Ampel besiegelt haben – „besser nicht regieren als falsch“.
       Tatsächlich zeichnen sich bereits rote Linien ab, die bei möglichen
       Koalitionsverhandlungen schnell zu Sollbruchstellen werden können. Die
       Enteignung privater Wohnungsbestände ist eine davon. Für die Linke ein
       Muss, schließlich setzen SPD und Grüne stärker auf die Regulierung des
       Markts.
       
       Eine andere rote Linie ist die Haushaltslage. Was, wenn die „rote
       Metropole“, wenn ein 9-Euro-Sozialticket und kommunale Kiezkantinen nicht
       zu bezahlen sind? Will Elif Eralp in diesem Fall immer noch Geschichte
       schreiben? Als Frontfrau, die viel verspricht und am Ende nur wenig halten
       kann?
       
       ## Wahlkampfhilfe durch die AfD?
       
       Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, warum die Linke auf 40
       Millionen Euro Einnahmen im Jahr verzichten will, die eine
       Verpackungssteuer in den Haushalt spülen könnte. Auch das hat wohl mit dem
       Gemütshaushalt zu tun, aber auch mit einer gehörigen Portion Ideologie,
       vulgo Verbohrtheit. Die Verpackungssteuer ist ein grünes Thema, und grüne
       Themen mag man eher nicht so bei den Genossinnen und Genossen. Nicht in
       Form einer Steuer und auch nicht im Wahlprogramm.
       
       Wie es in ideologischen Fragen manchmal so ist, ploppt in diesem Fall gerne
       die reine Lehre auf – auch wenn die sich gründlich widerspricht. Für die
       Bundestagsabgeordnete Katalin Gennburg sind es die Touristen, die Berlin
       vermüllen. Warum sollen die Berlinerinnen und Berliner dafür zahlen?
       
       Die Linke in Neukölln dagegen sorgt sich um Familien, die sich an der
       Sonnenallee nicht mehr mit Döner versorgen können, weil der dann 50 Cent
       teurer wird. Verpackungsmüll als soziale Fürsorge: Darauf muss man erst mal
       kommen.
       
       Die vielleicht entscheidende rote Linie wird aber die sein, ob die Linke
       nach dem 20. September die Nase vorn hat. Was ihr dabei helfen kann, ist
       etwas, was niemand in der Partei offen ausspricht: Wahlkampfhilfe durch die
       AfD.
       
       Wenn die Rechtsextremen in Sachsen-Anhalt am 6. September eine absolute
       Mehrheit holen, könnte das für den Berliner Wahlkampf in den beiden Wochen
       danach die womöglich entscheidende Wende bedeuten. Die Frage wäre dann:
       Faschismus oder Antifaschismus?
       
       Die Linksfraktion hat da am Samstag schon mal geprobt. Auf der Bühne war
       lautstark zu hören: „Alerta, alerta, antifascista!“
       
       27 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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