# taz.de -- EU-Kommission zur Energiekrise: Brüssel hat keinen eigenen Plan
       
       > Hohe Kosten für Öl und Gas? EU-Energiekommissar Jörgensen setzt auf
       > Energiesparen und Dekarbonisierung. Zur Kommissionspolitik passt das
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Energiekommissar Jørgensen: Planlos in Brüssel
       
       Mehr als einen Monat hatte die EU-Kommission seit Beginn des Irankriegs
       Zeit, um sich auf mögliche Folgen für die [1][Energieversorgung in Europa]
       vorzubereiten. Nun verbreitet die EU-Kommission plötzlich Panik.
       
       Nach einer Krisensitzung der Energieminister in Brüssel verlas der offenbar
       überforderte Energiekommissar Dan Jørgensen am Dienstagabend vor der Presse
       Empfehlungen, die an die Ölkrise der 70er Jahre oder die schlimmsten Zeiten
       der Coronapandemie erinnern.
       
       Die EU-Staaten sollten ihre Bürger dazu anhalten, den [2][Verbrauch von
       Benzin und Gas einzuschränken] und auf unnötige Autoreisen und Flüge zu
       verzichten, sagte Jørgensen. „Je mehr Diesel und Flugbenzin wir sparen
       können, desto besser stehen wir da.“ Mit Verweis auf die Internationale
       Energieagentur IEA empfahl er, Tempolimits um 10 Stundenkilometer zu senken
       sowie verstärkt öffentliche Verkehrsmittel und das Homeoffice zu nutzen.
       
       „Niemand weiß, wie lang die Krise dauern wird“, sagte der Energiekommissar.
       Aber selbst wenn der Krieg „morgen“ beendet würde, „werden wir in
       absehbarer Zeit nicht zur Normalität zurückkehren“.
       
       ## Vertröstung auf „nach Ostern“
       
       Ein eigener Plan des Kommissars gegen die Krise soll erst nach Ostern
       folgen. Zunächst gehe es darum, dass die EU-Staaten „koordiniert“ handeln
       und den Treibstoffverbrauch senken, hieß es. Alle Maßnahmen müssten
       zielgerichtet und befristet sein.
       
       Unklar blieb, wieso es so lange gedauert hat, bis Brüssel auf die Krise
       reagiert. Jørgensen und seine Chefin Ursula von der Leyen hatten schon beim
       EU-Gipfel Ende März [3][einen „Werkzeugkasten“ mit Hilfsinstrumenten für
       Bürger und Unternehmen angekündigt]. Auf vieldiskutierte Maßnahmen wie eine
       [4][Übergewinnsteuer für die Krisengewinner] in den Energiekonzernen oder
       einen Gaspreisdeckel, wie es ihn in der Gaskrise 2022 gab, wartet man
       bisher aber vergebens.
       
       Man sei besser vorbereitet als in der Gaskrise 2022, da die EU heute über
       mehr „grüne“ Energie verfüge und nicht mehr von einem Land abhängig sei,
       heißt es in Brüssel. Die Dekarbonisierung der Wirtschaft sei weit
       vorangeschritten, betonte Jørgensen. Sie müsse weiterverfolgt werden. Dazu
       passt allerdings schlecht, dass die [5][EU-Kommission gleichzeitig eine
       Lockerung des Emissionshandels ankündigte], der als Kernstück der
       Dekarbonisierung gilt.
       
       Auch sonst gibt es viele Ungereimtheiten. So haben Deutschland und die
       meisten anderen EU-Staaten [6][Maßnahmen gegen die explodierenden
       Benzinpreise] angekündigt, teils wird Sprit sogar subventioniert. Mit dem
       Ziel der Senkung des Energiekonsums ist dies kaum vereinbar.
       
       Unklar ist auch, wie neue Hilfen finanziert werden sollen. Die meisten
       EU-Staaten sind jetzt schon klamm; langwierige Hilfsprogramme können sie
       sich nicht leisten. Wenn der Energiepreisschock anhält, könnten einige
       EU-Staaten sogar ernste finanzielle Probleme bekommen.
       
       1 Apr 2026
       
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 (DIR) Eric Bonse
       
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