# taz.de -- Trotz neuer Tankstellen-Regeln: Spritpreise am Donnerstagmittag erneut massiv gestiegen
       
       > Umwelt- und Sozialverbände fordern eine Reform der Pendlerpauschale.
       > Litauen senkt die Bahnpreise. Tschechien deckelt die Margen von
       > Ölkonzernen.
       
 (IMG) Bild: Benzin wird über Nacht immer teurer
       
       afp/dpa | Die Preise an den Zapfsäulen in Deutschland sind am
       Donnerstagmittag erneut massiv gestiegen. Bei Benzin gab es um 12.00 Uhr
       einen Preissprung um 9,8 Cent, bei Diesel um satte 11,8 Cent, wie der ADAC
       mitteilte.
       
       [1][Tankstellen dürfen seit Mittwoch die Preise nur noch einmal am Tag
       erhöhen]. Am Mittwoch hatte der durchschnittliche Preisanstieg am Mittag
       bei rund acht Cent gelegen.
       
       Am Donnerstag um 11.45 Uhr kostete Benzin laut ADAC dann im bundesweiten
       Schnitt 2,10 Euro. Um 12.15 Uhr lag der Durchschnittspreis bei 2,198 Euro.
       Bei Diesel ging es im gleichen Zeitraum von 2,297 Euro auf 2,415 Euro.
       
       Der Automobilclub hält die Preisaufschläge für unangemessen und verweist
       darauf, dass der Rohölpreis von Dienstag auf Mittwoch gesunken war. Es
       scheine sich zu bestätigten, „dass Mineralölkonzerne im Zweifel einen
       Risikoaufschlag machen, weil sie Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich
       erhöhen können“.
       
       ## Umwelt- und Sozialverbände fordern „Mobilitätsgeld“
       
       Die schwarz-rote Koalition prüft weitere Schritte für den Fall, dass der
       Irankrieg länger andauert und die Preise weiter steigen – dazu zählt unter
       anderem eine erneute Anhebung der Pendlerpauschale. Der Umweltverband BUND
       hingegen spricht sich angesichts der hohen Spritpreise für ein
       „Mobilitätsgeld“ aus. Dieses solle die bestehende Regelung zur
       Pendlerpauschale ablösen.
       
       „Auch wenn die Kosten für Diesel und Benzin in nächster Zeit wieder sinken
       sollten, werden sie doch perspektivisch grundsätzlich eher steigen“, sagte
       der BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. „Deshalb ist jetzt der richtige
       Zeitpunkt, Impulse für eine sozial- und umweltverträgliche Mobilität zu
       setzen.“ Die Umwandlung der aktuellen Regelung der Entfernungspauschale in
       ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld wäre ein guter Schritt.
       
       Von der Pendlerpauschale in ihrer jetzigen Form profitierten in erster
       Linie Personen mit hohem Einkommen und weiten Pendelwegen, die sie mit dem
       Auto zurücklegen. Menschen mit niedrigem Einkommen, die den
       Eingangsteuersatz zahlten, würden durch die Regelung meist überhaupt nicht
       entlastet. Mit der Einführung eines Mobilitätsgeldes würde diese
       Ungerechtigkeit behoben. Es könnte ein fester Betrag pro Pendelkilometer
       mit der Steuer verrechnet oder direkt ausgezahlt werden, unabhängig sowohl
       vom Einkommen als auch von den benutzten Verkehrsmitteln.
       
       Der Sozialverband VdK unterstützt die Forderung nach einem Mobilitätsgeld,
       das alle entlaste – unabhängig vom Einkommen und davon, wie Menschen
       unterwegs seien. „Mobilität darf keine Frage des Geldbeutels sein“,
       erklärte der VdK.
       
       Der Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) hatte vorgeschlagen, künftig jedem
       Pendler, sofort und unabhängig von der Höhe des Einkommens, einheitlich ein
       Mobilitätsgeld von 17 Cent je Kilometer auszuzahlen beziehungsweise beim
       monatlichen Lohnsteuerabzug zu verrechnen.
       
       ## Litauen fördert Bahn, Tschechien deckelt Öl-Gewinnmargen
       
       In Litauen [2][setzt die Regierung darauf, die Verkehrswende anzustoßen],
       um die Bevölkerung vor hohen Spritpreisen zu schützen: Der Staat gewährt 50
       Prozent Rabatt auf Bahntickets. Seit diesem Mittwoch und noch bis Ende Mai
       kosten Fahrkarten beim staatlichen Bahnunternehmen LTG Link nur die Hälfte.
       
       Einen anderen Weg schlägt Tschechien ein. Dort will die Regierung mit einem
       Preisdeckel und Steuersenkungen die steigenden Spritpreise bekämpfen. Ab
       kommendem Mittwoch werden die Gewinnmargen der Ölkonzerne bei Diesel und
       Benzin auf 2,50 Kronen (0,10 Euro) pro Liter begrenzt, wie die Regierung in
       Prag am Donnerstag mitteilte. Zudem wird die Verbrauchssteuer auf Diesel
       von derzeit 9,95 Kronen pro Liter um 2,35 Kronen gesenkt.
       
       „Wir beginnen am kommenden Mittwoch, um dem Markt etwas Zeit zu geben, sich
       darauf vorzubereiten“, sagte Regierungschef Andrej Babis. [3][Er
       kritisierte zudem einen Mangel an Koordination mit den Nachbarländern].
       „Wir sehen, was in den Nachbarländern geschieht, und jedes Land macht mehr
       oder weniger, was es will“, sagte er. Die Slowakei erhebe unterschiedliche
       Preise für Einheimische und Ausländer und Polen habe erheblich die Steuern
       gesenkt. „Anstatt die Preise innerhalb der Region zu koordinieren herrscht
       hier völliges Chaos.“
       
       2 Apr 2026
       
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