# taz.de -- Israel dringt in Libanon vor: Systematische Zerstörung ganzer Ortschaften
       
       > Israel treibt die Besetzung des Südlibanons voran. Die Ausweitung des
       > Territoriums ist längst Doktrin geworden. Und manche wollen noch weiter
       > gehen.
       
 (IMG) Bild: Dem Erdboden gleichmachen: Israels Armee marschiert in Südlibanon ein. Offiziell aus „Sicherheitsgründen“
       
       Von einer „Sicherheitszone“ spricht Israels Verteidigungsminister Israel
       Katz, die Israels Armee im Südlibanon zwischen der eigenen Grenze und dem
       Fluss Litani errichten soll. Dafür hat die Armee in den vergangenen Tagen
       fünf Brücken zerstört. Die übrigen Übergänge werde man, ebenso wie das etwa
       30 Kilometer breite Gebiet, kontrollieren, erklärte der Minister am
       Dienstag. De facto kündigt Katz damit eine Besetzung des Nachbarlandes für
       die absehbare Zukunft an.
       
       Es ist nicht das erste Mal: Bereits nach dem Ersten Libanonkrieg 1982
       richtete die damalige israelische Regierung eine sogenannte Sicherheitszone
       ein. Doch auch auf israelischer Seite ist die Besetzung Libanons mit
       schmerzhaften Erinnerungen verbunden: Rund 1.000 israelische Soldaten
       bezahlten dafür mit ihrem Leben. Die Hisbollah hat als Widerstandsgruppe
       gegen die Besetzung erst an Legitimität gewonnen. Im Jahr 2000 zog sich
       Israel unter innenpolitischem Druck zurück.
       
       Diesmal geht die Armee anders vor. Sie hat das gesamte Gebiet kurz nach
       Kriegsbeginn Anfang März als Evakuierungszone ausgewiesen, darunter Tyros,
       eine der ältesten Städte der Welt und die viertgrößte Libanons.
       Hunderttausende mehrheitlich schiitische Libanesen sind in den Norden
       geflohen. Laut Katz sollen sie „nicht zurückkehren, bis die Sicherheit von
       Israels Norden garantiert ist“.
       
       Neben den Brücken zerstört das Militär zudem systematisch ganze
       Ortschaften, „im Einklang mit dem Modell, das wir in Rafah und in Beit
       Hanun im Gazastreifen angewandt haben“, sagte Katz. Beide Orte sind heute
       weitgehend dem Erdboden gleichgemacht. Um die Gefahr für israelische
       Bodentruppen weiter zu beschränken, setzte die Arme laut einer [1][Analyse
       der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace] zudem bereits
       während der brüchigen Waffenruhe nach November 2024 stark auf den Einsatz
       von Drohnen.
       
       ## Diplomatisches Fenster zugehauen
       
       Wie weit die Truppen tatsächlich schon vorgerückt sind, dazu gibt es kaum
       verifizierbare Angaben. Zuletzt aber soll es vor allem um die Orte Tajbeh
       und Chiam Feuergefechte zwischen Hisbollah-Kämpfern und Soldaten gegeben
       haben. Zusammen mit täglichen Raketen- und Drohnenangriffen auf
       israelisches Gebiet, die die Miliz kurz nach dem Angriff der USA und
       Israels auf Iran wieder aufgenommen hat, zeigt das: Die Hisbollah ist nach
       zweieinhalb Jahren israelischen Bombardements geschwächt, aber weiterhin
       militärisch handlungsfähig.
       
       Manchen in Israel gehen Katz’ Pläne nicht weit genug. Der rechtsextreme
       Finanzminister Bezalel Smotrich forderte, den Litani zur neuen Grenze
       zwischen Israel und dem Libanon zu erklären. „So wie wir 55 Prozent des
       Gazastreifens kontrollieren, müssen wir dasselbe in Libanon tun.“
       
       Eine Splittergruppe der Siedlerbewegung namens Uri Tsafon (hebräisch „Wach
       auf, Norden“) setzt sich bereits seit Längerem für eine jüdische Besiedlung
       Südlibanons ein. Polizeiminister und Siedlerführer Itamar Ben Gvir ließ der
       Gruppe laut der Zeitung Ha’aretz vergangenen Sommer schriftlich seine
       Sympathie mitteilen. Bisher haben sich führende Politiker nicht hinter
       diese Ideen gestellt. Historisch aber sind israelische Siedlungen wie im
       Westjordanland und im Gazastreifen stets infolge von militärischer
       Besetzung entstanden.
       
       Zunächst könnte der israelische Vorstoß aber vor allem ein seltenes
       diplomatisches Fenster wieder schließen. Libanons Regierung und Armee sind
       zwar offensichtlich nicht ihrer Verpflichtung aus dem Waffenruheabkommen
       von 2024 nachgekommen, die Hisbollah südlich des Litani zu entwaffnen. Die
       Unterstützung für die Kriege der Hisbollah mit Israel aber war in Libanon
       lange nicht so niedrig, die Bereitschaft für Gespräche mit Israel selten so
       hoch.
       
       Das könnte sich nun schnell wieder ändern angesichts von mehr als 1.000
       Toten seit Kriegsbeginn, darunter rund 200 Frauen und Kinder sowie 40 Ärzte
       und Sanitäter, und der umfassenden Zerstörung ziviler Infrastruktur.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://carnegieendowment.org/middle-east/diwan/2025/11/an-automated-occupation-of-south-lebanon?lang=en
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Wellisch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Israel
 (DIR) Libanon-Krieg
 (DIR) Hisbollah
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Libanon-Krieg
 (DIR) Katholische Kirche
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Libanon-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Krieg im Libanon: Sinnlose Zerstörung
       
       Israel verkündet Pläne zur langfristigen Vertreibung der Bevölkerung aus
       dem Südlibanon und zu dessen militärischer Besatzung – auch nach
       Kriegsende.
       
 (DIR) Krieg im Libanon: Israel will Grenzgebiet im Südlibanon unbewohnbar machen
       
       In den Dörfern nahe der gemeinsamen Grenze sollen alle Häuser zerstört
       werden, so Verteidigungsminister Katz. Das Ziel seien Verwüstungen wie im
       Gazastreifen.
       
 (DIR) Am Palmsonntag in Jerusalem: Kirchenvertreter Zutritt zu Grabeskirche verwehrt
       
       Der höchste katholische Vertreter in Jerusalem wird von israelischen
       Polizisten an der Messe zum Palmsonntag gehindert. Darauf folgt scharfe
       Kritik aus Italien.
       
 (DIR) Krieg in Nahost: Tödliche Attacke auf Journalisten
       
       Militärkreisen zufolge starben drei Korrespondenten bei einem israelischen
       Angriff im Libanon. Im Westjordanland wurde ein CNN-Team festgesetzt.
       
 (DIR) Libanon und der Irankrieg: Streit um die Hisbollah weitet sich aus
       
       Libanon weist den iranischen Botschafter aus. Kurz darauf landen Teile
       einer von Israel abgeschossenen iranischen Rakete im Libanon.
       
 (DIR) Nachrichten im Irankrieg: Diplomatisches Ringen um US-Plan
       
       Teheran lehnt den Trump-Plan ab, doch die internationalen Bemühungen um ein
       mögliches Kriegsende nehmen zu. Eine Schlüsselrolle soll dabei Pakistan
       spielen.
       
 (DIR) Israels Krieg im Libanon: Sanitäter im Visier
       
       Israels Armee will den Süden des Libanon vom Rest des Landes abschneiden
       und zerstört Brücken. Auf Kinder und medizinisches Personal nimmt sie keine
       Rücksicht.
       
 (DIR) An Israels Nordgrenze zum Libanon: Grenzerfahrungen
       
       Die israelischen Orte an der Grenze zum Libanon leiden am heftigsten unter
       Raketen der Hisbollah. Dennoch sind die Menschen dort für Netanjahus Krieg.