# taz.de -- Krieg im Libanon: Sinnlose Zerstörung
> Israel verkündet Pläne zur langfristigen Vertreibung der Bevölkerung aus
> dem Südlibanon und zu dessen militärischer Besatzung – auch nach
> Kriegsende.
(IMG) Bild: Das derzeitige Bombardement des Südlibanons, so wie hier nahe Tyrus, wird wohl nur die Ouvertüre zur israelischen Besatzung sein
In Beirut schreckten drei laute Knalle die Menschen gegen 1 Uhr morgens
auf. Die israelische Armee hatte ohne Vorwarnung am Mittwoch ein Wohnhaus
in dem Viertel Jnah bombardiert – von einem Kriegschiff aus. Es war einer
der täglichen Angriffe auf Viertel in Süd-Beirut, bekannt als Dahyie. Das
sind Viertel, die achtmal so dicht besiedelt sind wie Berlin.
Laut Angaben libanesischer Sicherheitskreise und der proiranischen Miliz
wurde der Hisbollah-Militärkommandeur für den Irak, Jussef Haschem,
getötet. Demnach habe er zum Zeitpunkt des Luftangriffs an einem Treffen
mit anderen Hisbollah-Anführern in einem Zelt in Jnah teilgenommen. Dem
libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei dem Angriff
insgesamt 7 Menschen getötet.
In den vergangenen vier Wochen wurden durch israelische Angriffe mehr als
1.240 Menschen im Libanon getötet – darunter 87 Frauen und 124 Kinder.
Unter den Toten sind 52 Rettungskräfte. 3.500 Menschen wurden verletzt, so
das libanesische Gesundheitsministerium.
Ebenfalls im Morgengrauen wurden bei israelischen Angriffen in der
westlichen Bekaa-Ebene 4 Menschen getötet. [1][Libanesische Medien]
berichten, dass durch Aufrufe, den Wohnort zu verlassen, die Region im
Osten vom Süden des Landes abgeschnitten werden soll. Israels Militär hat
bereits sieben Brücken über den Fluss Litani zerstört, [2][um so das Gebiet
im Süden vom Rest des Landes zu isolieren]. Dort harren noch
Hunderttausende Menschen aus.
## Gefährliche Lage
„Wir beobachten, wie die israelischen Streitkräfte zahlreiche
Infrastrukturprojekte ins Visier nehmen und uns daran hindern, die wirklich
Bedürftigen zu erreichen“, sagt Nora Ingdal, Libanon-Direktorin von Save
The Children der taz.
„Mit jeder Flächenwarnung oder Zwangsevakuierung erleben wir neue
Vertreibungswellen. Das ist systematisch, im Süden, aber auch im Osten bis
hoch nach Baalbek.“ Zivilisten hätten aus wirtschaftlichen oder
gesundheitlichen Gründen nicht fliehen können, so Ingdal. „Sie haben das
Recht auf Schutz, wo immer sie sich befinden, auch wenn sie nicht fliehen.“
Die Lage ist selbst für Unifil-Blauhelme gefährlich. Am Montag wurden 2
indonesische Soldaten getötet, als eine Explosion am Straßenrand ihr
Konvoifahrzeug zerstörte, so Unifil. Einen Tag zuvor war ein indonesischer
Soldat getötet worden, als laut Unifil ein Geschoss in einer
Unifil-Stellung in der Nähe von Aadshit al-Qusayr im Südlibanon
explodierte. Angriffe auf UN-Truppen verstoßen gegen das Völkerrecht.
Der israelische Außenminister Israel Katz bestätigte am Dienstag die
Absicht, auch nach Kriegsende libanesisches Gebiet bis zum Fluss Litani,
rund 30 Kilometer landeinwärts, zu besetzen. Er kündigte an, das
israelische Militär werde die Häuser entlang der Grenze zerstören, [3][um
die Rückkehr von etwa 600.000 Einwohner*innen zu verhindern] – „nach
dem Vorbild von Rafah und Beit Hanoun in Gaza“.
## Dem Erdboden gleich gemacht
Dort hatte das israelische Militär die meisten Häuser und die Infrastruktur
dem Erdboden gleich gemacht. Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights
Watch erklärte, die Aussagen von Katz könnten auf Vertreibung und sinnlose
Zerstörung hinauslaufen, was Kriegsverbrechen darstelle.
„Angesichts der von einigen israelischen Ministern geschilderten
Entwicklung und angesichts dessen, was wir im Gazastreifen mit eigenen
Augen gesehen haben: Wie werden Sie die Zivilbevölkerung schützen?“, fragte
der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher den UN-Sicherheitsrat in einer
Dringlichkeitssitzung am Dienstag. „Wie sollten wir uns als internationale
Gemeinschaft gemeinsam vorbereiten, wenn die Liste der besetzten Gebiete
noch länger wird?“
Die internationale Gemeinschaft scheint keine Antworten darauf zu finden.
Das Bundesentwicklungsministerium versprach am Mittwoch zusätzliche
Krisenhilfen für den Libanon in Höhe von 70 Millionen Euro für
Notunterkünfte, Nahrungsmittel und Bildung von Vertriebenen zur Verfügung
zu stellen.
1 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://today.lorientlejour.com/article/1501773/israeli-invasion-of-southern-lebanon-mapping-the-ground-offensive-as-of-the-morning-of-april-1.html
(DIR) [2] /Krieg-im-Libanon/!6162543
(DIR) [3] /Krieg-im-Libanon/!6164421
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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