# taz.de -- Libanon und der Irankrieg: Streit um die Hisbollah weitet sich aus
       
       > Libanon weist den iranischen Botschafter aus. Kurz darauf landen Teile
       > einer von Israel abgeschossenen iranischen Rakete im Libanon.
       
 (IMG) Bild: Israelische Luftangriffe auf die südlibanesische Stadt Tyros am 24. März
       
       Der iranische Botschafter im Libanon, Mohammad Reza Shaibani, muss seine
       Koffer packen. Bis Sonntag hat ihm das libanesische Außenministerium Zeit
       gegeben, um den Libanon zu verlassen. Die libanesische Regierung hat den
       Botschafter offiziell zur Persona non grata erklärt.
       
       Das sei kein Abbruch der diplomatischen Beziehungen, erklärte das
       libanesische Außenministerium. Shaibani habe gegen diplomatische Normen
       verstoßen, sich in Innenpolitik eingemischt, Regierungsentscheidungen
       kritisiert und „Treffen mit inoffiziellen libanesischen Parteien
       abgehalten“.
       
       Damit ist die Hisbollah gemeint. Premierminister Nawaf Salam beschuldigt
       die iranischen Revolutionsgarden, Hisbollah-Operationen zu befehlen. Die
       libanesische Regierung hatte Anfang März alle militärischen Aktivitäten der
       Hisbollah verboten.
       
       Einige Stunden nach der Entscheidung am Dienstag fielen Raketenteile in den
       Orten Keswerwan und Metn auf die Straße. Libanesische Medien spekulierten,
       die iranische Rakete habe der amerikanischen Botschaft gegolten.
       Israelische seegestützte Abwehrsysteme wehrten die Rakete ab. [1][Die
       Hisbollah feuerte am Mittwoch mehr als 100 Raketen auf Nordisrael] sowie
       auf Naqoura und Bint Jbeil – zwei Orte, in denen die israelische Armee
       vorrückt.
       
       ## Südlibanon vom Rest des Landes abgeschnitten
       
       [2][Die Zerstörung im Südlibanon geht weiter.] Libanesische Medien
       berichten, dass die israelische Armee alle Brücken über dem Litani-Fluss
       zerstört habe – dadurch ist Südlibanon vom Rest des Landes abgeschnitten.
       Trotz der israelischen Vertreibungswarnungen sind dort noch immer viele
       Menschen, die aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen ihre
       Häuser nicht verlassen können. [3][Ärzte ohne Grenzen meldet, der Zugang
       für humanitäre Helfer*innen sei durch die Zerstörung der Brücken
       deutlich erschwert.]
       
       Bei israelischen Angriffen im Südlibanon sind mindestens neun Menschen
       getötet worden, meldet das libanesische Gesundheitsministerium. Darunter
       zwei Tote bei einem Angriff auf eine Wohnung im Flüchtlingslager Mieh Mieh
       am Mittwoch.
       
       Diplomatisch scheint es kaum Fortschritte zu geben. Am Mittwoch sagte
       Hisbollah Chef Naim Qassem, Verhandlungen seien kein Thema, solange Israel
       libanesisches Land besetze. Mehrere Länder sollen laut Medienberichten bei
       der Hisbollah nach ihren Bedingungen für einen Waffenstillstand gefragt
       haben. Angeblich wünschen sich die Diplomat*innen, dass die Front im
       Libanon von der im Iran getrennt wird.
       
       ## „Als wäre es nie passiert“
       
       Ein Waffenstillstandsabkommen aus dem November hatte Israel täglich
       gebrochen. Israel wiederum verwies darauf, dass die Hisbollah nicht im
       ganzen Libanon entwaffnet wurde, was Teil des Waffenstillstandsabkommens
       war. Israel könnte sich nun weigern, die Konfliktlinien zu trennen und den
       Krieg im Libanon fortsetzen.
       
       Trotz mutmaßlicher Gespräche zwischen Iran und den USA weitet Israel seine
       Luft- und Bodenangriffe im Libanon aus. Das erklärte das israelische
       Militär laut Quellen des israelischen Radiosenders KAN. „Wir haben keine
       Anweisung erhalten, die Operationen einzustellen“, so die Quellen. Am
       Dienstag forderte der israelische Außenminister Israel Katz die Annexion
       des Südlibanon. Laut dem rechtsextremen Finanzminister Bezalel Smotrich
       soll der Litani-Fluss zur neuen Grenze Israels werden.
       
       Auch die libanesische Regierungsinitiative gegen den iranischen Botschafter
       trägt keine Früchte. Laut saudischem Sender al-Hadath werde die iranische
       Botschaft die Entscheidung des libanesischen Außenministeriums so
       behandeln, „als wäre es nie passiert“.
       
       25 Mar 2026
       
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