# taz.de -- Krieg in Nahost: Tödliche Attacke auf Journalisten
> Militärkreisen zufolge starben drei Korrespondenten bei einem
> israelischen Angriff im Libanon. Im Westjordanland wurde ein CNN-Team
> festgesetzt.
(IMG) Bild: Zerstörung im Dorf Saksakiyeh im Südlibanon nach einem israelischen Luftangriff
afp | Im Süden des Libanon sind nach Angaben aus libanesischen
Militärkreisen drei Journalisten bei einem israelischen Angriff getötet
worden. Unter den Opfern des Angriffs am Samstag war ein bekannter
Korrespondent des zur proiranischen Hisbollah-Miliz gehörenden Senders
Al-Manar, wie aus verschiedenen Quellen bestätigt wurde. Israel warf ihm
vor, Mitglied einer Elite-Einheit der Hisbollah gewesen zu sein. Die
libanesische Regierung sprach von einem „Kriegsverbrechen“. Im
Westjordanland wurde nach Angaben eines internationalen Presseverbands ein
Team des US-Senders CNN gewaltsam von der israelischen Armee festgenommen.
Nach Angaben aus libanesischen Armeekreisen wurde bei dem israelischen
Angriff das Fahrzeug der Journalisten in der Region Jezzine getroffen. Die
israelische Armee bestätigte die Tötung des Al-Manar-Korrespondenten Ali
Schoeib und erklärte, dieser habe einer Elite-Einheit der von Israel
bekämpften proiranischen Hisbollah-Miliz angehört.
Schoeib habe „unter dem Deckmantel“ eines Journalisten agiert, erklärte die
israelische Armee weiter. Demnach „tarnte“ er sich als
Kriegsberichterstatter im Südlibanon für den Hisbollah-Sender Al-Manar. In
Wirklichkeit habe Schoeib „systematisch“ die Positionen von israelischen
Soldaten im Südlibanon und entlang der Grenze zu Israel an die Hisbollah
gemeldet.
Neben Schoeib seien eine Journalistin des Hisbollah-nahen Senders
Al-Majadin sowie deren Bruder, ein Kameramann, getötet worden, hieß es aus
Kreisen der libanesischen Armee weiter. Die beiden Sender bestätigten den
Tod ihrer Mitarbeiter.
## Bereits in der vergangenen Woche zwei Journalisten getötet
Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach im Onlinedienst X von einem
„offensichtlichen Verbrechen“. Einmal mehr verstoße „die israelische
Aggression“ gegen die Grundregeln des Völkerrechts und des Kriegsrechts,
„indem sie Journalisten ins Visier nimmt, die in erster Linie Zivilisten
sind, die ihren Beruf ausüben“, betonte Aoun. Libanons Regierungschef Nawaf
Salam prangerte „einen eklatanten Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht“
an. Informationsminister Paul Morcos bezeichnete den Angriff als
„Kriegsbrechen“. Auch die Hisbollah verurteilte die Tötung des Reporters.
In der vergangenen Woche waren bereits zwei Journalisten des russischen
Senders RT bei einem israelischen Luftangriff verletzt worden. Zwei Tage
zuvor war der Leiter der politischen Programme von Al-Manar, Mohammed
Cherri, gemeinsam mit seiner Frau bei einem Angriff auf seine Wohnung in
Beirut getötet worden.
Auch der libanesische Gesundheitssektor ist derzeit von den israelischen
Angriffen stark betroffen. Seit der Ausweitung des Irankriegs auf den
Libanon Anfang März wurden nach Angaben des libanesischen
Gesundheitsministeriums bereits fünf medizinische Mitarbeiter und 46
Rettungskräfte getötet. Die israelische Armee erklärte, sie habe seit
Beginn des wiederaufgeflammten Konflikts mit der Hisbollah mehr als 800
Mitglieder der Miliz bei Angriffen „aus der Luft, vom Meer und am Boden“
getötet.
Israel setzte am Samstag laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA
seine Luftangriffe auf Ortschaften im Südlibanon fort. Dabei wurden nach
Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 14 Menschen getötet. Die
libanesische Armee erklärte, zwei Soldaten seien bei israelischen
Luftangriffen getötet worden. In der Hauptstadt Beirut waren israelische
Kampfjets zu hören.
## Angriffe auf Journalisten im Westjordanland
Die Hisbollah kündigte Angriffe auf israelische Soldaten an, die in der
Grenzregion vorrücken. Die israelische Armee meldete am Sonntag den Tod
eines fünften Soldaten seit Beginn der Gefechte mit der Hisbollah. Er sei
am Samstag im Südlibanon getötet worden, erklärte das Militär.
[1][Der Libanon wurde Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen.] Damals
feuerte die vom Iran unterstützte Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des
obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab.
In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte
Soldaten über die Grenze. Nach Angaben des israelischen
Verteidigungsministers Israel Katz will die Armee im Libanon die Kontrolle
über das Gebiet bis zum Fluss Litani übernehmen.
Ein internationaler Presseverband warf der israelischen Armee derweil die
willkürliche Festnahme von Journalisten des US-Nachrichtensenders CNN im
Westjordanland vor. Diese hätten über die Folgen eines Angriffs
israelischer Siedler sowie die Errichtung eines illegalen Außenpostens nahe
dem Dorf Tajasir berichtet, erklärte die Foreign Press Association (FPA) am
Samstag.
Die Soldaten hätten „aggressiv ihre Gewehre“ auf das Team sowie auf
anwesende palästinensische Zivilisten gerichtet, kritisierte die
Organisation. Sie hätten dem Team befohlen, das Filmen einzustellen. Ein
Soldat habe einen CNN-Fotografen von hinten in den Würgegriff genommen, ihn
zu Boden gerissen und seine Kamera beschädigt. Die FPA sprach von einem
„gewaltsamen Übergriff auf klar erkennbare Journalisten und einen direkten
Angriff auf die Pressefreiheit“. Die israelische Armee kündigte an, den
Vorfall zu untersuchen.
29 Mar 2026
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