# taz.de -- Kontrolle der Presse: Presserat spricht 19 Rügen aus
       
       > Der Deutsche Presserat hat im März 136 Beschwerden behandelt. Fünf der 19
       > Rügen betrafen die „Bild“, die unter anderem Persönlichkeitsrechte
       > verletzte.
       
 (IMG) Bild: Auch die „Bild“ des Axel-Springer-Verlags erhält Rügen vom Presserat
       
       epd | Der [1][Deutsche Presserat] hat auf seinen Sitzungen im März
       insgesamt 19 Rügen gegen Medienhäuser ausgesprochen. In 32 Fällen seien
       Berichterstattungen missbilligt worden, teilte das Selbstkontrollorgan der
       deutschen Presse am Montag in Berlin mit. Insgesamt seien 136 Beschwerden
       behandelt worden. Fünf der 19 Rügen betrafen [2][Bild.] In fünf Fällen
       stellte der Presserat Verstöße gegen das Verbot der Schleichwerbung fest.
       
       Dreimal wurde das Boulevardmedium wegen Verletzung des
       Persönlichkeitsrechts gerügt. Dazu gehörte auch die Veröffentlichung von
       Videoaufnahmen von Gästen des „Pony Club“ auf Sylt.
       
       Das Video, in dem zu sehen war, wie mehrere Besucher einen
       ausländerfeindlichen Liedtext sangen, war damals viral gegangen. Ein Mann
       zeigte zudem den Hitlergruß, er wurde später dafür verurteilt. Der
       Presserat hatte sein Verfahren zu der Veröffentlichung ausgesetzt, weil
       mehrere Gerichtsverfahren anhängig waren.
       
       Jetzt entschied das Selbstkontrollorgan, dass die Gäste, die sich nicht an
       den Gesängen beteiligt hatten, nicht identifizierbar gezeigt werden
       durften.
       
       ## Verstoß gegen Wahrhaftigkeit
       
       Gerügt wurde auch eine mit Künstlicher Intelligenz entstandene
       Berichterstattung des Magazins Business Insider. Das Medium hatte unter der
       Überschrift „Remote-Job mit Kleinkind: Mich hat die Arbeit aus dem
       Homeoffice zwar erfüllt – aber gleichzeitig einsam gemacht“ angeblich einen
       „Erfahrungsbericht“ einer namentlich genannten Autorin veröffentlicht.
       
       In Wahrheit handelte es sich dabei um eine KI. Die Redaktion löschte den
       Text später. Der Beschwerdeausschuss wertete den Fall als schwerwiegenden
       Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2, gegen die Pflicht zur
       Richtigstellung (Ziffer 3) und als einen Verstoß gegen die Wahrhaftigkeit
       (Ziffer 1). Dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit von Medien habe der Bericht
       großen Schaden zugefügt.
       
       Ein Artikel des Chefredakteurs des Münchner Merkur mit dem Titel „Cancel
       Culture à la NDR: Der öffentlich-rechtliche Linksfunk hat die Rechten
       stärker gemacht“ wurde wegen unzureichender Fakten gerügt. In dem Text
       wurde den öffentlich-rechtlichen Sendern unter anderem ein „Unterdrücken
       anderer Meinungen, etwa bei Asyl und Klima“ unterstellt.
       
       In einer Bildzeile wurde den Angaben zufolge außerdem fälschlich behauptet,
       TV-Moderatorin Julia Ruhs sei vom NDR gekündigt worden. Der
       Beschwerdeausschuss sah in diesen fehlerhaften und unbelegten
       Tatsachenbehauptungen Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht
       gemäß Ziffer 2 des Pressekodex.
       
       ## Rügen zum Nahostkonflikt
       
       Zwei Fälle standen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt um Israel und
       Gaza. Die Jüdische Allgemeine erhielt eine Rüge wegen eines Artikels über
       die Tötung des palästinensischen Journalisten Anas Al-Sharif, der für
       Al-Dschasira berichtet hatte, durch die israelische Armee. Mit der
       Überschrift „Terrorist mit Presse-Weste“ habe die Zeitung einseitig die
       Darstellung der israelischen Armee übernommen, dass Al-Sharif ein Terrorist
       gewesen sei, ohne objektive Belege anzuführen.
       
       Bild und die BZ, beides Publikationen von Springer, wurden für Artikel über
       eine Berliner Verwaltungsmitarbeiterin gerügt, der sie „extremen
       Israel-Hass“ unterstellt hätten, ohne ausreichende Belege oder
       Konfrontation der Betroffenen.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Presserat/!t5017042
 (DIR) [2] /Bild-Zeitung/!t5009524
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Feinde der Pressefreiheit
 (DIR) Presserat
 (DIR) Axel Springer
 (DIR) Persönlichkeitsrecht
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) SLAPP-Klagen / Presseklagen / Medienklagen / Einschüchterungsklagen / Einschüchterungsverfahren
 (DIR) Presserat
 (DIR) EU-Kommission
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Axel Springer ändert Verlagsgrundsätze: Wenn Europa über den Kanal geht
       
       Alles halb so wild bzw. eben dem internationalen Medienimperium angepasst –
       so begründet der Springer-Verlag seine Abkehr von bisherigen Essentials.
       
 (DIR) Anti-Einschüchterungsgesetz: Anti-SLAPP-Gesetz nicht weitreichend
       
       Bis Mai soll die EU-Richtlinie zum Schutz vor missbräuchlichen Klagen
       nationales Gesetz werden. Sachverständige kritisieren es als verwässert.
       
 (DIR) Beschwerden beim Presserat: So viele Rügen wie noch nie
       
       Mehr als 100 Rügen hat der Deutsche Presserat im Jahr 2025 ausgesprochen.
       Besonders viele Beschwerden gab es über einen Nahost-Beitrag bei Springer.
       
 (DIR) Beschwerde beim Presserat: Lobbycontrol kritisiert Berichterstattung der Welt
       
       Schlagzeilen des Springer-Blatts zu Geheimverträgen zwischen EU und
       Umweltverbänden hätten „einen Skandal inszeniert, wo keiner war“.