# taz.de -- Axel Springer ändert Verlagsgrundsätze: Wenn Europa über den Kanal geht
> Alles halb so wild bzw. eben dem internationalen Medienimperium angepasst
> – so begründet der Springer-Verlag seine Abkehr von bisherigen
> Essentials.
(IMG) Bild: Axel Cäsar Springer, Gründer und Inhaber des Axel Springer Verlags 1980
„Bei Axel Springer ist Freiheit nicht nur ein Wert, sondern unser Leitbild,
für das wir einstehen. Wir sind überzeugt, dass Freiheit der Antrieb für
Fortschritt ist – wirtschaftlich wie gesellschaftlich und insbesondere im
Journalismus“, steht bei den Kolleg:innen aus der Rudi-Dutschke-Straße
im Vorwort zu den Springer-Essentials.
Diese fünf Gebote hießen früher mal [1][Verlagsgrundsätze] und waren in
ihrer ersten Version noch von Verlagsgründer Axel Cäsar höchstpersönlich
nach dem ein oder anderen Dornbusch-Erlebnis auf die Gesetzestafeln
gemeißelt worden. Heute hat Springer gleich mehrere Propheten, oder
zumindest Menschen, die sich wie [2][Ulf Poschardt] oder Gabor Steingart
dafür halten.
Doch was sie verkünden, ist eher Geschnatter auf der Herrentoilette. Der
wahre Moses, der den Medienkonzern ins gelobte Land führen will, ist
natürlich Mathias Döpfner. Beim Springer-Vorstandschef fragt man sich
allerdings schon seit einer Weile, welche Freiheiten er wohl meint. Die von
Rudi Dutschke sind es sicherlich nicht.
Das zeigt sich auch in der [3][Neufassung der Essentials]. Denn wo
Essential No. 4 bislang lautete, „Wir setzen uns für eine freie und soziale
Marktwirtschaft ein“, steht jetzt etwas ganz anderes. „Wir vertreten die
Prinzipien der freien Marktwirtschaft“, heißt es nun nur noch kurz und
knapp. Die „soziale Marktwirtschaft“ sei „ein deutscher Sonderbegriff“,
begründet Springer diese Anpassung. Das kann auch [4][Peter Thiel]
unterschreiben, womit der libertäre Kurs bei Springer endgültig angekommen
ist.
## Was verschütt ging
„Oder man nimmt sich die Freiheit, auch Demokratie abzulehnen. Wer will
schon Teilhabe von Bürgerinnen und Bürger?“, meint die Mitbewohnerin. Dazu
passt auch die Änderung in Essential No 1. „Wir treten ein für Freiheit,
Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“, heißt es dort jetzt.
Was verschütt ging, war der bisherige Zusatz „und ein vereinigtes Europa“.
Mit Blick auf den [5][Wahlausgang in Ungarn] und den Dualismus mit den
Trump-USA ist das geradezu absurd-lustig. Nun argumentiert Springer, die
Essentials seien auch „im Hinblick auf unsere internationale
Mitarbeiterschaft angepasst“ worden.
Genau, schließlich hat sich Döpfner eben für schlappe 660 Millionen Euro
den [6][Daily Telegraph] gekauft. Das erzkonservative Blatt aus London lebt
Anti-Europa aus jeder Pore und war der große Trommler für den Brexit.
Also kann der aktuelle Versuch der britischen Regierung, das Land wieder
näher an den europäischen Binnenmarkt zu bugsieren, nur eins bedeuten.
„EU-Regeln sollen Großbritannien nach Labour-Plänen aufgezwungen werden“,
titelt der Telegraph gerade. Übrigens nicht über einem Kommentar, sondern
einem – öhm – ganz sachlichen Bericht.
Weil die Essentials künftig natürlich weltweit und auch für alle
Telegraph-Mitarbeiter:innen gelten, hat sich Springer also schon mal die
Freiheit genommen, die Leitbilder soziale Marktwirtschaft und Europa übern
Jordan gehen zu lassen. Mal sehen, was noch so von den fünf Geboten
gestrichen wird.
13 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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