# taz.de -- Beschwerden beim Presserat: So viele Rügen wie noch nie
> Mehr als 100 Rügen hat der Deutsche Presserat im Jahr 2025 ausgesprochen.
> Besonders viele Beschwerden gab es über einen Nahost-Beitrag bei
> Springer.
(IMG) Bild: Der bei einem israelischen Luftangriff getötete Al-Jazeera-Journalist Anas al-Sharif, hier am 13. August 2024 in Gaza-Stadt
kna/taz | Die zunehmend polarisiert geführten Debatten in Deutschland
fordern auch den [1][Deutschen Presserat] heraus. Laut dem Jahresbericht
2025, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, wurden 2.636
Beschwerden an das Selbstkontrollorgan der Presse gerichtet, die erstmals
zu mehr als 100 öffentlichen Rügen wegen des Verstoßes gegen die Regeln des
professionellen Journalismus führten.
Die Zahl war noch nie so hoch seit der Gründung des Presserats 1956.
Sprecher Manfred Protze betonte deswegen: „Ethischer Journalismus ist für
die Demokratie elementar“. 2025 bildete vor allem die Berichterstattung
über den [2][Nahostkonflikt] einen Schwerpunkt bei den eingereichten
Beschwerden.
Allein 328 davon richteten sich gegen einen Beitrag auf bild.de, in dem der
[3][Tod des Al-Jazeera-Korrespondenten Anas al-Sharif] mit der Zeile „Als
Journalist getarnter Terrorist in Gaza“ überschrieben worden war. Diese
Behauptung wurde nicht mit nachprüfbaren Belegen hinterlegt, der
Beschwerdeausschuss wertete dies als Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht
sowie als Verletzung der persönlichen Ehre des Journalisten. Bei der
Bewertung orientiert sich der Presserat stets und ausschließlich am
[4][Pressekodex].
## Was gerügt wurde
2025 sprachen die Beschwerdeausschüsse laut Jahresbericht 102 Rügen, 130
Missbilligungen und 139 Hinweise aus.
Mit mehr als 40 Prozent wurde dabei eine Verletzung der journalistischen
Sorgfaltspflicht am häufigsten moniert.
In 30 Fällen – und damit auf Platz zwei – wurden mediale Verletzungen des
Persönlichkeitsschutzes gerügt.
Weitere Rügen betrafen Sensationsberichterstattung und mit steigender
Tendenz die fehlende Trennung zwischen Werbung und Redaktion.
Die taz ist im Jahr 2025 [5][einmal vom Presserat gerügt worden] – wegen
eines Kommentars mit dem Titel „Nicht eure Zielscheibe“ (veröffentlicht am
29./30. Oktober 2024) zum Thema Polizeigewalt. Der Autor hatte mit Bezug
auf eine erhöhte Anzahl von Fällen tödlicher Schüsse bei Polizeieinsätzen
behauptet, Polizisten seien „die von der Gesellschaft beauftragten Mörder
in Uniform“. Die Bewertung der Vorfälle als „Morde“, also Fälle besonders
verwerflicher vorsätzlicher Tötung, war nach Auffassung des
Beschwerdeausschusses nicht von hinreichenden Inhaltspunkten gedeckt.
Von den öffentlichen Rügen wurden bislang 82 publik gemacht, das sind rund
84 Prozent, im Vorjahr waren es noch 86 Prozent. Eine Möglichkeit, die
Veröffentlichung zu erzwingen, oder andere Sanktionsmöglichkeiten hat der
Presserat nicht. Mehr als jeder dritte Artikel, den der Presserat prüfte,
stammte von einer Regionalzeitung, gefolgt von Boulevardmedien und
Publikumszeitschriften.
## Medien entscheiden sich freiwillig für Aufsicht
Der Presserat ist längst nicht mehr nur für klassische Zeitungen und
Zeitschriften zuständig. Auch deren Onlineangebote fallen in seinen
Aufgabenbereich. Und auch andere Onlinedienste, die nicht an ein noch
gedruckt erscheinendes Medium gekoppelt sind, können sich der Aufsicht
durch den Deutschen Presserat unterwerfen – als Garant für höchste
journalistische Standards.
2026, im Jahr seines 70. Geburtstags, sei der Presserat so wichtig, aber so
gefordert wie nie zuvor, schreibt Protze im Jahresbericht: „Pressefreiheit
wird vor staatlicher Intervention geschützt, indem die Presse selbst für
die Qualität und Integrität ihrer Berichterstattung einsteht.“
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Presserat/!t5017042
(DIR) [2] /Schwerpunkt-Nahost-Konflikt/!t5007999
(DIR) [3] /Krieg-in-Gaza-/!6105952
(DIR) [4] https://www.presserat.de/pressekodex.html
(DIR) [5] /Deutscher-Presserat-ruegt-taz/!6078212
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