# taz.de -- Stichwahlen in Bayern: Die Verliererin heißt CSU
       
       > In München spielte sie keine Rolle. Aber auch im Rest Bayerns hatte bei
       > den Stichwahlen vor allem eine Partei das Nachsehen: die von Markus
       > Söder.
       
 (IMG) Bild: Ministerpräsident Markus Söder bei der Pressekonferenz am 23. März zum Ausgang der Kommunalwahlen
       
       Die [1][Wahlen in München] gingen nicht so aus, wie sich Mastermind Markus
       Söder das vorgestellt hatte. Mit der Aufhebung der Altersgrenze für
       Bürgermeister war sich Bayerns Ministerpräsident sicher, Dieter Reiter im
       Amt zu halten und einen [2][grünen OB in München] zu verhindern. Der Plan
       ging daneben – und das nicht nur knapp. Und doch: Ein bisschen mag sich
       Söder am Sonntag über die Sensation von München gefreut haben. Schließlich
       lenkte sie auch von dem ab, was sich im übrigen Land tat.
       
       Denn das war größtenteils unschön für Söders CSU: Augsburg ging verloren,
       Regensburg konnte – anders als von den meisten vermutet – nicht erobert
       werden. Niederlagen aber auch in kleineren Städten: Bayreuth, Kempten,
       Schwandorf, Kulmbach, Rosenheim, Passau, Schweinfurt und, und, und … In den
       Landkreisen sah es nicht viel anders aus: Ansbach, Landshut, Landsberg am
       Lech, Kelheim, Oberallgäu … In 29 Stichwahlen wurden am Sonntag die
       Landräte gewählt. Nur in 9 Fällen gewann der CSU-Kandidat.
       
       Die großen Gewinner der Stichwahlen waren vor allem die Freien Wähler auf
       dem Land und – wenn man von München absieht – die SPD in den Städten. Die
       Grünen stellen die Landrätin in Landsberg am Lech und konnten in ein paar
       kleineren Orten wie Neuburg an der Donau oder Gröbenzell die Wahl für sich
       entscheiden.
       
       Das Präsidium der CSU besprach das Ergebnis am Montagvormittag, im
       Anschluss präsentierte Parteichef Söder vor der Presse seine Wahlanalyse.
       Es habe Licht, aber auch viel Schatten gegeben, erklärt er. „Und manches
       tut natürlich weh.“ Besonders stolz ist Söder freilich auf seine
       Heimatstadt Nürnberg, eigentlich eine SPD-Hochburg. Hier ist es erstmals
       einem CSU-Oberbürgermeister gelungen, wiedergewählt zu werden. Und gleich
       nebenan in Erlangen stieß der CSU-Kandidat den SPD-Amtsinhaber vom Thron.
       
       Doch diese Beispiele waren aus CSU-Sicht eher die Ausnahmen als die Regel.
       Kommunalwahlen seien eben Personenwahlen und Stichwahlen ganz besonders,
       sagte Söder. Es ist die klassische Reaktion der Wahlverlierer – stimmt aber
       natürlich.
       
       ## „Eine Form von Antiestablishment“
       
       Söder aber belässt es nicht dabei. Es sei zwar schwer zu belegen, „dass es
       da einen großen Move gegeben“ habe, aber ein paar Gründe will Söder doch
       ausgemacht haben. Der erste heißt: AfD. Die Partei, die es selbst nirgends
       in eine Stichwahl geschafft hat, hat der CSU in Söders Augen im ersten
       Wahlgang jedoch so viele Stimmen abgenommen, dass es überhaupt erst zu
       einer Stichwahl gekommen sei. In dieser, so die These, hätten die
       Rechtsextremen dann vornehmlich die Freien Wähler unterstützt. Überhaupt
       gebe es bei Stichwahlen die Tendenz, dass sich alle anderen Parteien gegen
       die CSU verbündeten.
       
       Es gibt aber noch andere Ursachen, die der CSU-Chef für das schlechte
       Abschneiden seiner Partei verantwortlich macht: So gebe es inzwischen bei
       Kommunalwahlen fast keinen Amtsbonus mehr. Im Gegenteil: Der Trend gehe zu
       „einer Form von Antiestablishment“. Wer nicht als Favorit in die Stichwahl
       gehe, sei fast schon im Vorteil. Auch die Bedeutung von Social Media werde
       noch immer unterschätzt und künftig noch dominanter werden.
       
       Söder gratulierte allen, die gewonnen haben, mahnte sie allerdings, jetzt
       nicht abzuheben. Es bedarf nicht viel Fantasie, um herauszuhören, an wen
       diese allgemein formulierte Warnung in erster Linie gerichtet war:
       [3][Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger].
       
       Aiwanger, dessen Partei auf Landesebene mit der CSU koaliert und der
       zuletzt etwas an Aufmerksamkeit eingebüßt hat, erklärte nach der Wahl
       umgehend: „Das ist eine Steilvorlage für die Landtagswahl 2028.“ Die Freien
       Wähler konnten die Zahl ihrer Landratsposten verdoppeln, regieren jetzt in
       28 Landkreisen und stellen 4 Oberbürgermeister. Das Wahlergebnis zeige:
       „Unsere Kandidaten und unsere Politik überzeugen, wir sind die klare Stimme
       der Bürger und der Kommunen.“ Die CSU aber weiß: Je selbstbewusster der
       kleine Koalitionspartner ist, desto weniger pflegeleicht ist er.
       
       23 Mar 2026
       
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