# taz.de -- Kommunalwahlen in Bayern: Das Reiter-Denkmal wackelt
> Bayern muss noch mal ran: Die wichtigsten Entscheidungen der Kommunalwahl
> fallen erst in der Stichwahl. Besonders hart für Münchens OB Dieter
> Reiter.
(IMG) Bild: Hier könnte ein trauriges Bild eines traurigen Dieter Reiter stehen – aber die taz-Fotoredaktion ist beim Flinta*streik
Beginnen wir mit zwei besonderen Wahlen bei den bayerischen Kommunalwahlen
an diesem Sonntag: der wichtigsten und der spannendsten. Die wichtigste
Wahl war qua Stadtgröße natürlich die Oberbürgermeisterwahl in München.
Hier war Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD klarer Favorit; dass er als
Erster ins Ziel einlaufen würde, dürfte kaum jemanden überrascht haben.
Offen war dagegen die Frage, ob es eine Stichwahl geben würde. Die wird es
geben – und zwar überraschenderweise gegen den Grünen-Kandidaten Dominik
Krause, nicht gegen den CSU-Bewerber Clemens Baumgärtner.
Welche Wahl die spannendste war, liegt freilich im Auge der Betrachterin,
aber viele hätten wohl die OB-Wahl im oberfränkischen Bamberg genannt.
Völlig offen schien, wer dort das Rennen machen würde: Die frühere
bayerische Gesundheits- und später Europaministerin Melanie Huml (CSU), der
Sozialdemokrat Sebastian Niedermaier oder der Grüne Jonas Glüsenkamp.
Amtsinhaber Andreas Starke (SPD) trat aus Altersgründen nicht mehr an.
Das Rennen ist noch nicht gelaufen, aber dass die Stichwahl nun ohne Huml
stattfinden wird, kam überraschend. Für die CSU-Politikerin ist es eine
weitere herbe Niederlage, nachdem sie schon in den vergangenen Jahren von
Markus Söder zweimal degradiert wurde – von der Gesundheits- zur
Europaministerin und von der Europa- zur Gar-nicht-mehr-Ministerin. Die
Stichwahl machen nun Glüsenkamp, der auf 30,3 Prozent der Stimmen gekommen
war, und Niedermaier (29 Prozent) unter sich aus. Huml erreichte nur 28,2
Prozent.
## AfD verfehlt selbstgesteckte Ziele
Auch die AfD konnte zwar vielerorts stark zulegen, [1][erreichte aber ihr
selbstgestecktes Ziel nicht]: den ersten Landrat in Westdeutschland zu
stellen. Stephan Protschka, Chef des bayerischen Landesverbands, kam im
Landkreis Dingolfing-Landau gerade mal auf 18,3 Prozent der Stimmen. Er
habe sich etwas mehr erwartet, gab der Rechtsradikale zu. Amtsinhaber
Werner Bumeder (CSU) machte die Wahl gleich im ersten Durchgang mit 65,2
Prozent klar.
In Günzburg kam AfD-Kandidat Gerd Mannes immerhin auf rund 24 Prozent der
Stimmen. Aber auch er blieb gegen den amtierenden CSU-Landrat Hans
Reichhart chancenlos. Nicht anders sieht es bei den Oberbürgermeister- und
Bürgermeisterwahlen aus. Der Traum, ein Stadtoberhaupt in Bayern zu
stellen, ist für die AfD fürs Erste ausgeträumt. Nicht einmal in eine
Stichwahl schaffte es die Partei.
Landrat in Miltenberg wird künftig Björn Bartels. Der CSUler hatte die Wahl
im ersten Anlauf für sich entschieden, nachdem der zuletzt einzige grüne
Landrat in Bayern, Jens Marco Scherf, nicht mehr angetreten war. In anderen
Landkreisen haben die Grünen dagegen theoretisch noch eine Chance. So muss
im Landkreis Fürstenfeldbruck im Westen von München Amtsinhaber und
Kreistagspräsident Thomas Karmasin gegen die Grüne Ronja von Wurmb-Seibel
in die Stichwahl. Und in Landsberg am Lech fordert Daniela Groß von den
Grünen den Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU) heraus.
## Keine Entscheidung in den größten Städten
Überhaupt ist ein Großteil der Bayern aufgerufen, in zwei Wochen noch
einmal zu wählen. So steht in 29 Landkreisen und rund der Hälfte aller
größeren Städte der Sieger noch nicht fest. In der fränkischen Metropole
Nürnberg, der zweitgrößten Stadt Bayerns, kommt es zum Duell zwischen
CSU-Amtsinhaber Marcus König und [2][Nasser Ahmed von der SPD], in Augsburg
muss CSU-Amtsinhaberin Eva Weber gegen den Sozialdemokraten Florian Freund
antreten. In beiden Fällen gehen die Amtsinhaber jedoch mit großem
Vorsprung als klare Favoriten ins Rennen.
Auch in Regensburg, wo die SPD-Oberbürgermeisterin nicht mehr antrat, liegt
die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein klar vorn, muss sich allerdings in
der Stichwahl dem SPD-Mitbewerber Thomas Burger stellen. Ähnlich die
Situation in Erlangen und Aschaffenburg. Auch in Passau kommt es zu einem
SPD-CSU-Duell, hier liegt allerdings der SPD-Kandidat deutlich vorn. In
Landshut schicken CSU und Grüne ihre Kandidaten in die Stichwahl.
Die SPD feierte ihren größten Triumph in Fürth, wo Amtsinhaber Thomas Jung
mit 72,1 Prozent wiedergewählt wurde – und dabei sechs Gegenkandidaten aus
dem Feld schlug. In Ingolstadt und Würzburg wurde am Sonntag kein
Stadtoberhaupt gewählt, da hier schon im vergangenen Jahr außerplanmäßige
OB-Wahlen stattgefunden hatten.
Für den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter war das Wahlergebnis eine
besondere Watschn. Dass er erst in der Stichwahl gewählt wird, kennt Reiter
nicht anders. Aber während er vor sechs Jahren zunächst noch 47,9 Prozent
geholt hatte, waren es diesmal gerade noch 35,6 Prozent. Der Abstand zu
seinem Stichwahlkontrahenten, dem Zweiten Bürgermeister Dominik Krause, der
auf 29,5 Prozent kam, ist nicht unüberwindbar.
## Reiter wegen FC-Bayern-Job in der Krise
Zwar ist die Vermutung naheliegend, dass die Anhänger des mit 21,3 Prozent
klar abgeschlagenen CSU-Kandidaten in der Stichwahl eher zum deutlich
konservativeren Reiter tendieren werden als zum Grünen Krause, aber sicher
sein kann sich der OB dessen nicht. Eine Rolle dürfte auch das
Krisenmanagement in der Causa FC Bayern spielen. Reiter war zuletzt vor
allem wegen nicht vom Stadtrat genehmigter Zahlungen für ein Amt beim FC
Bayern massiv in die Kritik geraten.
Der klare Erfolg Krauses kam dennoch überraschend. Vor sechs Jahren hatte
man noch eine Stichwahl mit seiner Vorgängerin, [3][der beliebten
Grünen-Kandidatin Katrin Habenschaden], erwartet, statt ihrer zog aber die
CSU-Frau Kristina Frank in die Stichwahl. Diesmal war es andersrum. Und der
Abstand ist deutlich geringer.
Etwas neu gemischt sind indes die Karten im Stadtrat: Am Montagmorgen
zeichnete sich ab, dass die CSU mit 21 Sitzen stärkste Fraktion werden
könnte – knapp vor den Grünen, die aktuell diesen Status innehaben, aber
demnach auf einen Sitz weniger kämen. Dritte wäre mit 15 Sitzen wieder
Reiters SPD.
Bisher regierte im Stadtrat eine informelle grün-rote Koalition, in der es
aber zunehmend knirschte. Wie es nun weitergeht, ist offen. Auch dass
sowohl AfD (6,9 Prozent) als [4][auch Linke (6,2 Prozent) erstmals mit
Fraktionsstärke in den Stadtrat] ziehen, stellt die großen Parteien vor
eine neue Situation.
9 Mar 2026
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