# taz.de -- Neuer Münchner Oberbürgermeister: „Und jetzt zur Tagesordnung“
> Frisch gewählt, aber nicht im Amt: Münchens neuer OB Dominik Krause muss
> trotzdem schon mal die Geschäfte führen – und das ist die leichteste
> Übung.
(IMG) Bild: Dominik Krause (Bündnis 90/Die Grünen), designierter Oberbürgermeister der Stadt München, im Rathaus
Zu Beginn der Vollversammlung will Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena
Dietl erst noch etwas sagen. Sie wendet sich an den neben ihr sitzenden
Dominik Krause: Ganz herzlich wolle sie ihm im Namen des Stadtrats
gratulieren, sie wünsche alles Gute. Am Sonntag wurde [1][Krause in der
Stichwahl zum neuen Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gewählt]. Dann
sagt die SPD-Politikerin noch etwas von den herausfordernden Zeiten, Krause
nickt bedächtig. Eine Umarmung, ein bunter Blumenstrauß, Beifall, Krause
dankt. „Jetzt kommen wir ganz gewohnt zur Tagesordnung“, sagt er.
Es ist Business as usual an diesem Mittwochmorgen im Münchner Rathaus. Dass
Krause, der erste zum Oberbürgermeister gewählte Grüne, mal wieder die
Vollversammlung leitet, liegt nicht an dem Wahltriumph vom Sonntag, sondern
daran, dass sich der eigentliche [2][OB Dieter Reiter nach seiner
Niederlage krankgemeldet hat und Krause noch sein Stellvertreter ist].
Nachdem Reiter am Wahlabend nach seiner extrem kurzen „Ich hab’s
verbockt“-Ansprache am Wahlabend abgezogen war und sich am nächsten Tag
krankgemeldet hatte, war zunächst nichts mehr von ihm zu hören. Erst nach
der Stadtratssitzung vom Mittwoch wird sich das Noch-Stadtoberhaupt via
Pressemitteilung zu Wort melden: „Leider habe ich in den letzten Wochen und
Monaten körperliche Warnsignale ignoriert, Erkrankungen nicht auskuriert“,
hieß es darin. Unmittelbar nach der Wahl habe er sich in Behandlung
begeben, so der SPD-Politiker. „Das Ergebnis ist nun eine doch ernsthaftere
Erkrankung am Herz-Kreislauf-System, die mich neben medikamentöser
Behandlung zu längerfristiger Ruhe und Erholung zwingt.“
Die eigentliche Amtsübergabe ist erst am 1. Mai. Bis dahin ist Reiter
offiziell noch im Amt, auch der Stadtrat ist noch der alte. Souverän
nuschelt sich Krause durch die Tagesordnung, unterschreibt währenddessen
einen Stapel Dokumente. Es geht um die Bewerbung der Stadt als
Ausrichtungsort der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2029 oder 2031 oder
auch um die Finanzierung der Sanierung des U-Bahnhofs Poccistraße.
## Krause will wieder mit der SPD
Zu Beginn ihrer Redebeiträge witzeln viele der Stadträte: Ob sie nun schon
„Oberbürgermeister“ sagen dürfen oder „künftiger Oberbürgermeister“. Meist
läuft es auf ein „Herr Bürgermeister“ hinaus. Der Angesprochene dürfte in
Gedanken allerdings gerade nicht mit voller Aufmerksamkeit beim städtischen
Klein-Klein wie der Stellplatzablösemittelverwendung im Fall Poccistraße
sein. Vermutlich auch nicht bei dem kommenden Urlaub – vier Tage Wandern in
Südtirol gönnt er sich über Ostern –, sondern vielmehr bei den großen
Aufgaben, die nun auf ihn zukommen.
Zunächst gilt es, eine tragfähige Koalition zu bilden. Krause hat schon
angekündigt, dass er gerne das Bündnis mit der SPD fortsetzen würde. Nur:
Die Grünen und der eine Stadtrat der Rosa Liste, mit dem sie traditionell
eine Fraktionsgemeinschaft bilden, verfügen zusammen über 22 Sitze, die SPD
über 15 – zu wenig für eine Mehrheit in dem 80-köpfigen Gremium. Zumindest
die Europapartei Volt müsste sich Grün-Rot noch dazuholen. Volt, erstmals
in Fraktionsstärke im Stadtrat, dürfte inzwischen allerdings
selbstbewusster auftreten als im scheidenden Stadtrat, wo die Partei eine
Fraktionsgemeinschaft zunächst mit der SPD, dann mit den Grünen einging.
Auf eine knappe Mehrheit käme auch Schwarz-Grün, eine Option, für die der
im ersten Wahlgang ausgeschiedene Oberbürgermeisterkandidat der CSU,
Clemens Baumgärtner, inzwischen trommelt. Deutlich stärker, aber auch
konfliktträchtiger wäre eine Kenia-Koalition, also Grün-Schwarz-Rot. Zu den
ersten Sondierungsgesprächen soll es noch in dieser Woche kommen.
## Er muss den Özdemir machen
Gleichzeitig wird es elementar für Krauses Erfolg sein, dass er nicht nur
eine Mehrheit im Stadtrat findet, sondern auch in der Stadt. Denn in der
Mehrheit, die ihn bei den Stichwahlen ins Amt gehoben hat, darf man getrost
ein Zweckbündnis zur Abwahl des Vorgängers sehen. Das ist jedoch keine
Basis zur künftigen Unterstützung des neuen OBs. Die muss sich Krause erst
erarbeiten – was voraussichtlich nur gehen wird, wenn er sich ein Stück
weit von dem Milieu abnabelt, dem er selbst entstammt.
Krause ist über die Grüne Jugend sozialisiert, gehört zur Gruppe von
prominenten bayerischen Grünen wie der Fraktionschefin im Landtag,
Katharina Schulze, dem Münchner Grünen-Chef Florian Siekmann oder der
Bundestagsabgeordneten Jamila Schäfer. Der einzige Beruf, den sie je
ausgeübt haben, ist Politiker. Bei der grünen Stammwählerschaft kommen sie
gut an, gehören allerdings nicht zu der Art von Grünen, die auch der
bürgerlichen Mitte besonders gut vermittelbar wären.
Mit anderen Worten: [3][Will Krause Erfolg haben, muss er den Özdemir
machen]. Es gibt auch erste Hinweise darauf, dass ihm das bewusst ist. „Man
ist nicht von allen gewählt, aber für alle“, sagte er noch am Wahlabend der
Süddeutschen Zeitung. Und weil es andernorts zuletzt so intensiv diskutiert
wurde, mag man auch dies noch erwähnen: Auf Krauses Wahlplakaten stand
nicht der Name seiner Partei, nur der seine.
Ob es sich heute bei der Leitung der Stadtratssitzung anders angefühlt
habe, wird Krause hinterher gefragt, jetzt, wo er bald der neue Chef im
Haus ist? „Nö.“
25 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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