# taz.de -- Taskforce für pünktlichere Bahn: Joker-Gleise, Pufferminuten und eine Ultima Ratio
> Kleine Veränderungen sollen die Bahnen pünktlicher machen, so die Pläne
> der zuständigen Taskforce. Schnelle Verbesserungen sind aber nicht drin.
(IMG) Bild: Kleine Veränderungen, kleine Wirkung? Neue Ideen, um die Bahn pünktlicher zu machen
Nicht einmal [1][sechs von zehn Zügen im Fernverkehr] sind derzeit
pünktlich unterwegs. Nun hat eine Taskforce 22 Vorschläge erarbeitet, die
den Verkehr zuverlässiger machen sollen. Verkehrsminister Patrick Schnieder
(CDU) spricht von einem „Meilenstein“ seiner Agenda für zufriedene Kunden.
Doch es gibt auch Kritik.
Vor allem sollen die Engpässe an den größten Knotenbahnhöfen zumindest
teilweise beseitigt werden. Knotenpunkte in sieben Städten und zwei
Grenzübergangsstellen für den [2][Güterverkehr] verursachen viele
Verzögerungen. Im Personenverkehr sind dies Hamburg, Köln, Hannover,
München, Mannheim, Berlin und Frankfurt, im Güterverkehr die Grenzübergänge
Bad Schandau und Frankfurt (Oder).
Die Beteiligten aus Bund, Ländern und Branche sind sich zwar über die
Probleme einig. Doch wenn es um konkrete Einschnitte geht, treffen
verschiedene Interessen aufeinander. Dabei geht es vor allem um die Frage,
inwieweit Züge zugunsten der Pünktlichkeit gestrichen werden sollten. Dies
sei als Ultima Ratio eine Lösung, wenn es gar nicht mehr anders geht. So
steht es im Abschlussbericht der Taskforce.
So einfach, wie sich eine Ausdünnung des Verkehrs anhört, ist es nicht.
Betroffen wäre vor allem der Nahverkehr. Die Betreiber der S-Bahnen oder
Regionalzüge würden so wichtige Einnahmen verlieren. Den Unternehmen und
den Ländern, die sie finanzieren, geht es finanziell ohnehin schon
schlecht. Entsprechend gering ist die Verzichtsbereitschaft. Hinzu kommt,
dass der [3][Europäische Gerichtshof in dieser Woche das System der
Schienenmaut in Deutschland gekippt] hat. Damit kommen auf die
Nahverkehrsunternehmen deutlich höhere Trassengebühren zu.
## Mehrere kleine Maßnahmen sollen es richten
Auch bei den Kunden dürfte ein geringeres Angebot Frust auslösen. Die
betreffenden Städte haben ein besonders hohes Pendleraufkommen. Der
Fahrgastverband Pro Bahn warnt schon vor einem ausgedünnten Verkehr und
fordert den Ausbau des Schienennetzes.
Die Taskforce hat sich vorerst auf weniger drastische Maßnahmen
verständigt. Dazu gehören sogenannte Joker-Gleise, die für unvorhergesehene
Verkehrs freigehalten werden sollen. Außerdem soll eine Pufferminute
eingeführt werden, die den Zugverkehr laut Fahrplan etwas verlangsamt,
damit aber Anschlüsse mit höherer Wahrscheinlichkeit erreichbar macht.
Darüber hinaus könnten Züge verlängert werden, um mehr Passagiere auf
einmal zu transportieren oder schwächer ausgelastete Züge in eine
entspanntere Ankunftszeit geleitet werden.
Die Experten schlagen noch eine Reihe betrieblicher Veränderungen vor, etwa
einheitliche Verfahren bei Störungen oder die digitale Freigabe nach einer
Streckensperrung. Zugbetreiber sollen besser über Baustellen informiert und
der Winterdienst verbessert werden.
## Güterbahnen verweigern Zustimmung zum Bericht
Mit der Summe der Maßnahmen erwartet das Bundesverkehrsministerium eine
Verbesserung der Pünktlichkeit um 3 bis 4 Prozentpunkte. Das Ziel von 70
Prozent Pünktlichkeit peilt die Politik erst für das Jahr 2029 an.
Bahnchefin Evelyn Palla hat deutlich gemacht, dass die Sanierung des Netzes
noch ein Jahrzehnt dauern wird.
Die beteiligten Verbände sehen in den Maßnahmen keinen großen Wurf. Es gehe
nur in die richtige Richtung, sagt etwa Dirk Flege, Chef der Allianz pro
Schiene. Die Güterbahnen haben dem Bericht sogar die Zustimmung verweigert.
Der Bericht enthalte sinnvolle Maßnahmen, entfalte aber zu wenig
Durchschlagskraft.
22 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Streckensanierung-Hamburg-Berlin/!6161700
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(DIR) [3] /EuGH-Urteil-zu-Trassenpreisen/!6163985
## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Mulke
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