# taz.de -- Kriegsziele im Iran: Undurchsichtige Strategien
> Mit der Bombardierung des iranischen Gasfelds South Pars ist eine neue
> Qualität des Kriegs erreicht. Was sind die Ziele von Israel und den USA?
(IMG) Bild: Unklar, worum es geht, aber wahrscheinlich ist das Gasfeld South Pars ein Teil davon
Was will Trump in Iran? Ständig schicken der US-Präsident und seine
Regierung neue Kapriolen in die Welt: Mal geht es um Regime-Change, mal um
Raketen, dann ums Atomprogramm. Aber so unklar, wie diese Aussagen sind,
ist die Strategie von USA und Israel in Iran wohl nicht. Aus der Auswahl
der Ziele, Aussagen von Analysten und den Reaktionen Irans lassen sich
Rückschlüsse zur Kriegsstrategie von USA und Israel ziehen.
Das US-amerikanische Institute for the Study of War zeichnet seit Beginn
des Krieges Ende Februar täglich nach, was das US- und das israelische
Militär in der Islamischen Republik getroffen haben. Sie beziehen sich
dabei unter anderem auf Quellen in Iran. Hauptfokus ist die militärische
Infrastruktur des Landes. Die ersten Angriffe galten unter anderem
Einrichtungen für den Abschuss von Raketen, um den israelischen und
US-amerikanischen Flugzeugen das Manövrieren im iranischen Luftraum zu
ermöglichen. Außerdem wurden wichtige Regimeköpfe getroffen, unter anderem
der Oberste Führer Ali Khamenei, der gleich zu Beginn des Krieges umkam.
Nach Angaben des israelischen Institute for National Security Studies
wurden bislang etwa 700 Einrichtungen für ballistische Raketen, 500
Kommandozentralen, 300 Raketenabschussrampen, 150 Luftabwehreinrichtungen
und 120 Radare getroffen. Auch auf die Verteidigungsindustrie wird gezielt:
So wurden etwa Produktionsstätten für Raketen beschossen. Zusätzlich ist
immer wieder die Regimespitze im Visier.
## Gezielt führende Köpfe angegriffen
Die Liste der getöteten Regimekader ist recht lang. Neben Khamenei [1][sein
Vertrauter Ali Larijani dabei.] Den hatte Khamenei noch zu seinem
Statthalter ernannt, etwa zwei Wochen später ist er tot. Hinzu kamen jüngst
der [2][Geheimdienstminister und „Spionagemeister“ Esmail Khatib] und zuvor
Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh sowie der [3][Sicherheitsberater und
Sekretär des Verteidigungsrats Ali Shamkhani].
Auch in der Führungsriege der Revolutionsgarden und des Militärs ist es
dünner geworden: Getötet wurden unter anderem Mohammad Bagehri, Chief of
General Staff; Abdolrahim Musavi, Chief of Staat des regulären Militärs;
Mohammad Pakpour, Kommandeur der Revolutionsgarden; [4][Gholamreza
Soleimani,] Leiter der gefürchteten Basij-Miliz. In Summe zeigt sich
deutlich: Die USA und Israel gehen gegen die wahre Führungsriege – also den
Obersten Führer und seine Vertrauten – sowie die Revolutionsgarden und das
Militär vor.
Die Zahl der Toten, die die Nichtregierungsorganisation Hengaw
dokumentiert, deuten ebenso in diese Richtung. Bis zum 17. März wurden
insgesamt 5.300 Menschen getötet, darunter 4.789 aus dem Bereich der
Streitkräfte. Die höchsten Verluste gibt es laut Hengaw unter der
Luftwaffe, den Revolutionsgarden und der Armee.
## Etwa zehn Prozent der Toten sind Zivilisten
Was Hengaw auch dokumentiert: Unter den bislang Getöteten in Iran sind
mindestens 511 Zivilistinnen und Zivilisten, darunter 160 Frauen und 120
Kinder. Für einen Aufschrei sorgte gleich zu Beginn des Krieges ein
Angriff, der eine Schule in Minab traf. Sie befand sich wohl auf dem
Gelände einer Basis der Revolutionsgarden. Staatsmedien sprachen zunächst
von 167 getöteten Kindern. Laut Hengaw wurden bislang weniger als die
Hälfte der Opfer identifiziert: 48 Kinder und 10 Erwachsene.
Zahlen der Organisation Hrana zeichnen ein drastischeres Bild: So seien
bislang 4.765 Menschen umgekommen, darunter über 1.500 Zivilistinnen und
Zivilisten. Über drei Millionen Menschen seien innerhalb Irans vertrieben
worden. Fast 100 Wohngebäude und 20 Krankenhäuser seien im Lauf des Krieges
bislang beschädigt worden. Hinzu kommen dokumentierte Schäden an
kulturellen Einrichtungen, [5][etwa dem Golestan-Palast in Teheran].
Angehörige des Regimes, so berichten es Exilmedien und Hengaw, versteckten
sich vermehrt in zivilen Gegenden. So wurde Informationsminister Khatib in
einer Wohnung im Teheraner Stadtteil Zafranieh getötet – und mit ihm wohl
dutzende Zivilistinnen und Zivlisten. Auch Larijani wurde wohl in einer
Privatwohnung in einem Vorort der Hauptstadt angegriffen.
## Was ist das Ziel in diesem Krieg?
Aus den bisherigen Angriffen lässt sich schließen, dass die USA und Israel
die militärischen Fähigkeiten des Regimes massiv beschneiden wollen – vor
allem was Angriffe auf die Nachbarstaaten und Israel angeht. Das ist
kongruent mit der anhaltenden Kritik an dem unter dem damaligen
US-Präsidenten Barack Obama geschlossenen Atomdeal (Joint Comprehensive
Plan of Action): Dieser sah zwar eine Beschränkung des Atomprogramms vor,
nicht aber des Raketenprogramms. Den benachbarten Golfstaaten, allen voran
Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, [6][wie auch Israel]
war das immer ein Dorn im Auge.
Während nach dem Zwölf-Tage-Krieg 2025 vollmundig verkündet wurde, das
Atomprogramm sei erledigt, stellte sich später heraus: Etwa 400 Kilogramm
bereits auf über 60 Prozent angereichertes Uran fehlen. Der Verbleib, das
bestätigt die Internationale Atomenergiebehörde IAEA, ist ungeklärt. Auch
die Atomanlage in Isfahan, die 2025 beschossen wurde, soll laut einem
vertraulichen Bericht der IAEA weiter in Betrieb sein. Die IAEA geht davon
aus, dass dort das bereits angereicherte Uran liegt. Sowohl die Anlage
Natanz als auch Isfahan sollen im Krieg 2026 bereits beschossen worden
sein.
USA und Israel sind sich einig: Das Raketen- und Nuklearprogramm muss
ausgeschaltet werden. Wie aber steht es um einen Regime-Change? Daniel
Shapiro vom Atlantic Council sagt: Israel habe „nahezu sicher“ einen
Wechsel des Regimes in Iran als Ziel für diesen Krieg gesetzt. Immer wieder
hatte Premier Netanjahu dazu bereits aufgerufen. Die Angriffe auf
Polizeistationen sowie die Basij-Miliz könnten in diesem Zusammenhang
stehen.
Aber auch der jüngste Angriff auf das iranische Gasfeld South Pars. Das Gas
aus South Pars wird vor allem von Iran selbst genutzt. Etwa 80 Prozent des
gesamten Verbrauchs des Landes speist das Gasfeld. Für den Export ist es
hingegen kaum relevant, nur der Irak nimmt ein wenig davon ab. Wenn South
Pars ausfällt, würde das Regime hart getroffen. Auch die Zivilbevölkerung.
Das alles kombiniert mit massiven Folgen für die Weltwirtschaft. Die
iranische Blockade der Straße von Hormus sorgt für den wohl heftigsten
Schock an den Energiemärkten jemals.
19 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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